Opfermoor


Fundort und Opferplatz im Thorsberger Moor

Als Opfermoor wird ein archäologischer Fundplatz bezeichnet, der in vor- und frühgeschichtlicher Zeit in einem moorigen oder sumpfigen Kontext bestand. Opfermoore sind aus Deutschland, Großbritannien, Irland, Skandinavien und in den Niederlanden bekannt. Ihre Fundplätze in Nordwest- und Nordeuropa stehen mit den germanischen Kulturen in Verbindung, einzelene Orte wurden aber seit der Jungsteinzeit genutzt. Ein Opfermoor kann auch ein ehemaliges Gewässer sein, das erst später vermoorte; so dass die Opfermoore insgesamt wissenschaftlich den Quellheiligtümern und Quellopfern zugeordnet werden.

Die besondere Bezeichnung dieser Plätze als Opfermoor begründet sich auf die archäologisch festgestellten Gegenstände, die dort als Opfergut und anhand der besonderen Fundortsituationen einer erkennbar absichtlichen Handlung identifiziert werden. Diese Situationen in Kombination mit den materiellen Funden stellt den Bezug zur religiös-kultischen Sphäre der deponierenden Personen oder Gegenstände im jeweiligen kulturellen und lokalen Umfeld her.

Das Opfer war bei den germanischen Stämmen ein zentrales Mittel der Kontaktherstellung zu den Gottheiten. Durch das zugrundeliegende Prinzip des do ut des („ich gebe damit du gibst“) wurden neben der Opferhandlung für die Götter, die an einigen Orten als geschnitzte Pfahlgötzen aufgefunden wurden, eine Vielzahl von deponierten Gegenständen aus der Alltagskultur und Kunsthandwerk sowie Reste von Lebensmitteln gefunden. Ganze Tiere oder Teile von ihnen wurden niedergelegt und im Rahmen einen Opfermahls verzehrt.

Besonders Waffen oder Rüstungsbestandteile, wie beispielsweise Helme, wurden in der Regel vor der Niederlegung unbrauchbar gemacht, teilweise mit kurzen Runeninschriften versehen. Da diese offenbar mit Absicht niedergelegt oder versenkt wurden, wurde das Beutegut offenbar aus dem Grund geopfert, um der Gottheit für einen errungenen Kampferfolg zu danken oder ihr den Sieg zu weihen. In diesen Kontext wurden häufig gefundene Moorleichen fälschlich als Menschenopfer vermutet. Nur bei wenigen der ungefähr 500 bisher gefundenen Moorleichen ist jedoch eine Opferung anzunehmen, letztlich nicht eindeutig beweisbar. Kriegsgefangene und Sklaven wurden jedoch in Mooren versenkt, wie im Kriegskontext allgemein geopfert.

Für die Archäologie stellen Opfermoore eine besonders informative Quelle dar, da in den Gewässern eine sehr große Anzahl an Objekten niedergebracht wurde und sich viele organische Objekte im sauren Milieu gut erhalten haben. Da die meisten Opfermoore über einen längeren Zeitraum in Gebrauch waren, lässt sich an der Schichtung der versenkten Objekte die zeitliche Abfolge der Niederlegungen, ebenso wie deren relative Datierung rekonstruieren.

Bekannte Opfermoore

Bekannte und wissenschaftlich bedeutende Opfermoore sind:

Literatur

  • Torsten Capelle, Bernhard Maier, Alexandra Pesch, Stefan Christoff Saar: Opfer und Opferfunde. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Band 22: Östgötalag – Pfalz und Pfalzen. 2. völlig neu bearbeitete und stark erweiterte Auflage. de Gruyter, Berlin u. a. 2003, ISBN 3-11-017351-4.
  • Michael Müller-Wille: Opferkulte der Germanen und Slaven. Theiss, Stuttgart 1999, ISBN 3-8062-1443-3 (Archäologie in Deutschland Sonderheft 1999).
  • Rudolf Simek: Religion und Mythologie der Germanen. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2003, ISBN 3-534-16910-7.

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