Niobe beweint ihre Kinder von Abraham Bloemaert (1591)
Niobiden-Maler: Tötung der Niobiden (Kinder der Niobe) durch Apoll und Artemis, Kelchkrater G 341, um 460/50 v. Chr., Louvre, Paris
Niobe, aus dem 1. Jh. stammende römische Kopie eines hellenistischen Originals, Marmor, Höhe: 228 cm, Uffizien, Florenz

Niobe ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:ISO15924:97: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) ist in der griechischen Mythologie die Tochter des Tantalos und der Dione oder der Euryanassa sowie die Schwester des Pelops und Broteas. Auch sie unterlag dem Tantalidenfluch.

Niobes Geschick

Der Mythos

Niobe gebar als Gemahlin des thebanischen Königs Amphion sieben Söhne und sieben Töchter. Stolz auf ihre zahlreiche Nachkommenschaft vermaß sie sich, sich über die Titane Leto zu stellen, welche nur zwei Kinder, Apollon und Artemis, geboren hatte, und hinderte das Volk an deren Verehrung.

Die gekränkte Titanin wandte sich an ihre Kinder. Daraufhin streckten Apollon und Artemis an einem Tage erst alle Söhne und dann alle Töchter mit Pfeil und Bogen nieder. Niobe bat die Zwillinge, ihr die jüngste Tochter zu lassen, doch diese brach tot zusammen. Die Eltern konnten diesen Jammer nicht überleben: Amphion tötete sich mit einem Schwert, und Niobe erstarrte vom ungeheuren Schmerz über den Verlust. Anschließend wurde sie durch einen Wind nach Phrygien auf die Spitze des Berges Sipylos versetzt. Doch auch der Stein hörte nicht auf, Tränen zu vergießen.[1]

Der Mythos wird so von Ovid in seinen Metamorphosen (6,146–312) erzählt. Die sieben Söhne der Niobe tragen dort die Namen Ismenus, Sipylus, Phaedimus, Tantalus, Alphenor, Damasichthon und Ilioneus, während die Namen der sieben Töchter nicht genannt werden.

Interpretation

Niobe wird zuweilen als eine besondere Form einer Vegetations- oder Erdgöttin interpretiert, deren Sprösslinge von den versengenden Pfeilen des Sonnengottes dahingestreckt werden.

Als Thema in Dichtung, Musik und Bildender Kunst

Der tragische Stoff wurde in der Antike von bedeutenden Vertretern der dramatischen wie der bildenden Kunst behandelt. Von den Tragödien des Aischylos und Sophokles sind nur noch Fragmente erhalten.

Niobe, Mittelfigur der Niobidengruppe, Zinkguss 1860/1865 im Schlosspark Neustrelitz nach der römischen Kopie einer Statue aus der Zeit um 330/320 v. Chr.; Original in Florenz

Aus römischer Zeit ist eine Gruppe der Niobe und ihrer Kinder erhalten (1583 ausgegraben, jetzt in den Uffizien in Florenz, siehe Abbildung). Dabei handelt es sich um die Nachbildung eines Werks der hellenistischen Bildhauerei. Von dem griechischen Original, das Plinius der Ältere noch im Tempel des Apollo Sosianus in Rom sah, wusste man aber im 1. Jahrhundert n. Chr. schon nicht mehr zu sagen, ob Praxiteles oder Skopas der Urheber sei. Den Mittelpunkt der Gruppe bildet die Gestalt der Niobe selbst mit der zu ihren Füßen hingestürzten, ihr Haupt im Schoß der Mutter bergenden Tochter. Ihre Kinder fliehen von beiden Seiten her, teils schon getroffen, teils sich entsetzt umschauend nach den schwirrenden Todesgeschossen, der Mutter zu. Die Einzelkopie einer Tochter aus der Gruppe, jetzt im Vatikan befindlich, gibt von der Schönheit des Originals die beste Anschauung.

Einzelne Reliefs und Wandbilder wiederholen denselben Gegenstand; Terrakottafiguren flüchtender Niobiden haben sich auf der Krim gefunden.

Rezeption

Die Opernliteratur der Neuzeit nahm den Stoff auf, so etwa Agostino Steffani (1654–1728) in der unter dem deutschsprachigen Originaltitel „Niobe, Königin in Thebe“ 1688 uraufgeführten Oper Niobe, regina di Tebe nach dem Libretto von Luigi Orlandi. Die Oper Hybris / Niobe, Drama für Stimmen von Yona Kim, von Adriana Hölszky (geb. 1953) wurde 2008 im Rokokotheater des Schwetzinger Schlosses uraufgeführt.

Ein 1913 gebautes und 1932 gesunkenes Segelschulschiff der Reichsmarine trug den Namen Niobe. Im Jahr 1991 entstand der Bronzeabguss Niobe in Brügge auf Grundlage einer 1946 von Constant Permeke geschaffenen Steinskulptur. Zudem wurden nach Niobe das Element Niob und der Asteroid (71) Niobe benannt.

Literatur

nach Autoren / Herausgebern alphabetisch geordnet

  • Alexander Enmann, Bruno Sauer: Niobe und die Niobiden. In: Wilhelm Heinrich Roscher (Hrsg.): Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Band 3,1, Leipzig 1902, Sp. 372–423 (Digitalisat).
  • Wilfred Geominy: Die Florentiner Niobiden. Dissertation, Universität Bonn 1984.
  • Karl Kerényi: Apollon und Niobe. Langen Müller, München 1980, ISBN 3-7844-1756-6.
  • Angela Oster: Niobe. In: Maria Moog-Grünewald (Hrsg.): Mythenrezeption. Die antike Mythologie in Literatur, Musik und Kunst von den Anfängen bis zur Gegenwart (= Der Neue Pauly. Supplemente. Band 5). Metzler, Stuttgart/Weimar 2008, ISBN 978-3-476-02032-1, S. 469–473.
  • Elsbeth Wiemann: Der Mythos von Niobe und ihren Kindern. Studien zur Darstellung und Rezeption (= Manuskripte für Kunstwissenschaft in der Wernerschen Verlagsgesellschaft. 8). Zugleich Dissertation an der Universität Würzburg 1982. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 1986, ISBN 3-88462-907-7.

Weblinks

Commons: Niobids – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. vgl. u. a. Homer, Ilias 24,602–617

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