Maurice Leenhardt


Maurice Leenhardt (* 1878 in Montauban; † 1954 in Paris) war ein französischer Pastor und auf die Kanaken von Neukaledonien spezialisierter Ethnologe.

Mission in Neukaledonien

Am Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts beschäftigten sich protestantische Autoritäten im Wettkampf mit den (katholischen) Maristen mit der Evangelisation der Kanaken. Maurice Leenhardt wurde 1902 in Neukaledonien zum Pastor ernannt, wo er die "Dö nèvâ"-Mission im Tal von Houaïlou gründete. Über die Rolle des Pastors hinausgehend, widmete er sich der Aufgabe, die Mentalität dieser auf dem Weg zur Auslöschung befindlichen Menschen zu verstehen.

Als er in Neukaledonien ankam, wurde Maurice Leenhardt vom Bürgermeister von Nouméa mit den folgenden Worten begrüßt: "Que venez-vous faire ici? Dans dix ans il n'y aura plus de Kanaks" ("Was wollt ihr hier? In zehn Jahren gibt es keine Kanaken mehr"). Er widmete sich dem Kampf gegen diesen schleichenden Genozid; er bekämpfte den Alkoholismus, der auf das Volk der Kanaken langsam verheerende Auswirkungen hatte. Er übersetzte das Neue Testament mit Hilfe seiner ersten Schüler in die Sprache von Houaïlou.

Er kehrte 1927 nach Frankreich zurück, wo er die Société des Océanistes und das Musée de l'Homme gründete, und wo er den Lehrstuhl von Lucien Lévy-Bruhl an der École des Hautes Études en Sciences Sociales übernahm. Nach einem zweiten Aufenthalt von nahezu zehn Jahren in Neukaledonien begann er 1944 am Institut national des langues et civilisations orientales ozeanische Sprachen zu lehren.

Beiträge zur Ethnologie

Maurice Leenhardts Beiträge zur Ethnologie sind bedeutend, obgleich er sie mit keinem theoretischen Rahmen versehen hat.

Vor Bronisław Malinowski praktizierte er die von Marcel Mauss aus seinem Amt in Paris propagierte Ethnologie. Fünfundzwanzig Jahre lang praktizierte er partizipierende Beobachtung (observation participante) und aktive Forschung, deren hoher Wert erst in den 1960er Jahren wiederentdeckt wurde.

Maurice Leenhardt war kein Dogmatiker und in keinem seiner Beiträge bestrebt, "Schule zu machen".

Dennoch war er einer der ersten, der die sozialen Phänomene in ihrer Gesamtheit betrachtete und die Kunst, Mythen, Gewohnheiten und Sprache der Kanaken erforschte.

Werke

Hauptwerke im Fettdruck

  • 1902 : Le Mouvement éthiopien au sud de l'Afrique. (rééd. 1976, Académie des sciences d'outre-mer)
  • 1909 : La Grande Terre. (Brochure, Société des missions évangéliques, Éd. augmentée en 1922)
  • 1922 : Traduction du Nouveau Testament en langue houaïlou.
  • 1930 : Notes d'ethnologie néo-calédonienne. (Institut d'ethnologie)
  • 1932 : Documents néo-calédoniens. (Institut d'ethnologie)
  • 1935 : Vocabulaire et grammaire de la langue houaïlou. (Institut d'ethnologie)
  • 1937 : Gens de la Grande Terre. (Gallimard)
  • 1938 : Alfred Boegner. (Société des missions évangéliques)
  • 1946 : Langues et dialectes de l'Austro-Mélanésie. (Institut d'ethnologie)
  • 1947 : L'art océanien. (Éd. du Chêne)
  • 1947 : Do Kamo. La personne et le mythe dans le monde mélanésien. (Gallimard, 1947, 1971, 1985)
  • 1949 : Les Carnets de Lucien Lévy-Bruhl, préface de M. Leenhardt; Bibliothèque de Philosophie contemporaine (Paris, P.U.F., 1949).
  • Zahlreiche Artikel im Journal de la Société des Océanistes
  • 1958 Notes de sociologie religieuse sur la région de Canala (Nouvelle-Calédonie), Cahiers Internationaux de Sociologie (FRA), 1958, Vol. 24. (préfacé et annoté par Jean Guiart). L'article est téléchargeable sur le serveur de l'IRD (Institut de recherche pour le développement, ex. ORSTOM), PDF

Literatur

  • James Clifford: Maurice Leenhardt. Personne et mythe en Nouvelle Calédonie. (Éditions Jean-Michel Place, 1987),engl.: Person and Myth - Maurice Leenhardt in the Melanesian World, Duke University Press, 1992
  • Maurice Leenhardt, missionnaire et sociologue. Jean Guiart, Monde Non Chrétien, 1955, 13 p. L'article est téléchargeable sur le serveur de l'IRD (ex. ORSTOM), PDF
  • Destin d'une église et d'un peuple : Nouvelle-Calédonie 1900-1959 : étude monographique d'une œuvre missionnaire protestante. Jean Guiart (Paris FR), 1959, 88 p). L'ouvrage est téléchargeable sur le serveur de l'IRD (ex. ORSTOM), PDF
  • Historique de la section langues océaniennes de l'INALCO, avec une longue notice biographique sur Maurice Leenhardt par J. de Lafontinelle. Article extrait de l'ouvrage : "Langues'O 1795-1995 : deux siècles d'histoire de l'Ecole des Langues Orientales", textes réunis par Pierre Labrousse. Editions Hervas. Paris 1995. http://www.langues-oceaniennes.org/texte/historique.pdf
  • ROUMEGUERE-EBERHARDT, Jacqueline, Louisa, 1964, « Actualité de l’œuvre de Maurice Leenhardt pour les études africanistes », in Le Monde Non-Chrétien, n°71-72, juillet-décembre.

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