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Marseille


Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Marseille (Begriffsklärung) aufgeführt.
Marseille
Wappen von Marseille
Marseille (Frankreich)
Marseille
Region Provence-Alpes-Côte d’Azur (Präfektur)
Département Bouches-du-Rhône
Arrondissement Marseille
Kanton Chef-lieu von 25 Kantonen
Gemeindeverband Communauté urbaine Marseille Provence Métropole.
Koordinaten 43° 18′ N, 5° 23′ O43.2966666666675.37638888888897Koordinaten: 43° 18′ N, 5° 23′ O
Höhe 0–640 m
Fläche 240,62 km²
Einwohner
– Unité urbaine
850.726 (1. Jan. 2010)
1.349.772
Bevölkerungsdichte 3.536 Einw./km²
Postleitzahl 13001–13016
(Die letzten beiden Ziffern stehen für die Nummer des städtischen Arrondissements)
INSEE-Code
Website www.marseille.fr

Marseille [maʀˈsɛj] (deutsch veraltet: Massilien, okzitanisch: Marselha oder Marsiho [maʀˈse.jɔ]) ist die wichtigste französische und eine bedeutende europäische Hafenstadt. Sie liegt am Golfe du Lion, einer Mittelmeerbucht. Die Stadt, deren Einwohner sich Marseillais nennen, ist Hauptstadt des Départements Bouches-du-Rhône in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur. Marseille ist mit 850.726 Einwohnern (Stand 1. Januar 2010) nach Paris die zweitgrößte Stadt Frankreichs. Das Ballungsgebiet Communauté urbaine Marseille Provence Métropole hat, wenn man die angrenzenden Städte und Gemeinden wie Allauch, Aubagne und Penne-sur-Huveaune hinzuzählt, ungefähr 1,35 Millionen Einwohner und ist damit nach Paris und Lyon die drittgrößte Agglomeration Frankreichs.

Marseille ist 2013 gemeinsam mit Košice Kulturhauptstadt Europas.

Geographie

Marseille liegt zwischen 0 und 646 m (12 m am offiziellen Zentrum Noailles) hoch. Das Hinterland ist gebirgig und findet seine höchste Erhebung im 710 m hohen Croix de Garlaban. Im Nordwesten grenzt die Stadt an die Chaîne de l’Estaque, eine aus Kalkfelsen bestehende Bergkette hinter l’Estaque, die den Étang de Berre, ein großes salzhaltiges Binnengewässer, in dem Muschelzucht betrieben wird, vom Meer abgetrennt. Durch die Lage herrscht in Marseille ein mediterranes Klima. Die nördlichen Stadtteile gelten als arm, die südlichen als reich.[1]

Marseille
Klimadiagramm
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Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Marseille
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 10,7 12,1 14,7 17,8 21,9 25,8 29,0 28,4 25,2 20,5 14,6 11,2 Ø 19,4
Min. Temperatur (°C) 2,7 3,8 5,7 8,6 12,2 15,9 18,5 18,0 15,4 11,6 6,8 3,4 Ø 10,2
Niederschlag (mm) 47,2 54,0 43,7 47,9 42,3 27,8 13,7 29,3 46,7 77,6 58,4 55,8 Σ 544,4
Sonnenstunden (h/d) 4,8 5,5 6,9 8,2 9,4 10,9 11,8 10,6 8,5 6,6 5,2 4,6 Ø 7,8
Regentage (d) 6 6 6 5 5 4 2 3 4 6 5 6 Σ 58
Wassertemperatur (°C) 13 13 13 13 15 18 22 21 20 19 16 14 Ø 16,4
Luftfeuchtigkeit (%) 75 72 67 65 64 63 59 62 69 74 75 77 Ø 68,5
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Geschichte

Antiker Handelsstützpunkt

Marseille im Jahre 1575

Griechische Seehändler aus Phokäa in Kleinasien besuchten im 7. Jahrhundert v. Chr. die Südküste Frankreichs nahe der Mündung der Rhône, um mit den ligurischen Stämmen Handel zu treiben. Vor allem war Zinn, als Bestandteil der Bronze bei den Griechen begehrt. Im Gegenzug fanden feine Töpferwaren und Schmuck den Weg in die Häuser der lokalen Fürsten. An der schroffen und felsigen Küste waren geschützte Landeplätze rar, und so steuerte man mit der Zeit immer wieder den natürlichen Hafen des heutigen Marseille an, wo die Galeeren vor Wind und Wellen geschützt waren.

Um 620–600 v. Chr. gründeten die Griechen dank einer Landschenkung des ligurischen Fürsten an diesem Hafen eine dauerhaft bewohnte Handelspräsenz und nannten sie Μασσαλία Massalia (auch Massilia genannt), das heutige Marseille. Der Name "Massalia" setzt sich aus Mas, dem bis heute existierenden provenzalischen Begriff für Haus oder Siedlung, und salia, einem Hinweis auf den damals ansässigen Keltenstamm der Salier, zusammen.[2]

Legende der Stadtgründung

Der Legende nach entstand die Stadt, als griechische Seefahrer die Mittelmeerküste erkundeten. Sie landeten an dem Tag an der Küste des heutigen Marseille, als der keltische König Nann einen Gatten für seine Tochter Gyptis suchte. Gyptis sollte unter allen versammelten jungen Männern demjenigen einen Kelch reichen, den sie zu heiraten wünschte. Überraschenderweise war es Protis, der Anführer der Neuankömmlinge, dem sie das Gefäß übergab. Die beiden heirateten, und Griechen und Kelten gründeten gemeinsam die Siedlung Massalia.[3]

Kolonialisierung

Historische Karte von Marseille

Mit der Zeit wuchs diese Siedlung zu einer großen griechischen Kolonie empor. Durch seine günstige Lage als Endpunkt der rhôneabwärts führenden Handelsstraße wurde Massalia bald zur reichsten und größten Griechenstadt am westlichen Mittelmeer. Ihr Kultureinfluss erstreckte sich weit in das Hinterland hinein, und wenn sich die Helvetier zu Cäsars Zeiten der griechischen Buchstaben bedienten, so steht hinter dieser Schriftrezeption der Massaliotische Einfluss. Auch in einigen südfranzösischen Dialekten scheinen sich Spuren der alten phokäischen Gräzität erhalten zu haben.

Auch Malaga, Korsika und Nizza wurden von Zuzüglern aus Phokäa besiedelt, die eine Kolonie nach der anderen gründeten. Mit der Zeit wurde Massalia so groß und bedeutend, dass es selbst Siedler ausschickte, um Handelsposten und Kolonien im Westen bis hin nach Spanien zu gründen. Fast schien es so, als ob das Westbecken des Mittelmeers ein Binnensee der Phokaier und der Massalioten werden sollte, als die Koalition der Etrusker und Karthager der griechischen Expansion in der Seeschlacht bei Alalia ein Ende setzten.

Stephanos von Byzanz erwähnt mehrere von Massalia gegründete Städte oder Siedlungen im Umland,[4] die sonst nicht bezeugt sind:

  • Alonis (’Αλωνίς)
  • Azania (’Αζανία)
  • Kyrene (Κυρήνη), möglicherweise La Couronne bei Martigues
  • Sekoanos (Σηκοανός), vermutlich ein Fluss, möglicherweise Arc oder Touloubre[5]

Um das Jahr 545 v. Chr. erfolgte – nach der Flucht aus Phokaia durch Harpagos (einen Meder bzw. Perser, Statthalter des Königs Kyros) – ein erneuter Zuzug aus der Mutterstadt. (Hdt. 1,163,1-1,165,4, Solin. II,77, Liv. V,34,7-8).

Es gab immer wieder Konflikte mit den Gallien beherrschenden keltischen Stämmen.

125 v. Chr. rief Massalia die Truppen des Römischen Reiches um Hilfe gegen die Angriffe gallischer Stämme (Ligurer, Allobroger, Salluvier, Arverner und Vokontier). Im Laufe der Kriegshandlungen wurde das gesamte Gebiet des südlichen Galliens von den Römern als Provinz Gallia Narbonensis annektiert. Die Stadt selbst jedoch konnte ihre Unabhängigkeit noch einige Jahrzehnte bewahren. In den Jahren des Bürgerkrieges zwischen Julius Cäsar und Gnaeus Pompeius wollte sich Massalia neutral verhalten, doch dies wurde von Cäsar nicht geduldet. Im Jahr 49 v. Chr. wurde sie schließlich nach sechsmonatiger Belagerung erobert und in die Provinz Narbonensis integriert.[6] Als solches blieb sie bis zum Ende des Römischen Reiches dessen Bestandteil.

Mittelalter und Frühe Neuzeit

Anfang des 5. Jahrhunderts wurde am Südufer des Alten Hafens das Kloster Saint-Victor gegründet, das von 750 bis 960 die Residenz der Bischöfe von Marseille war. 481 fiel die Stadt an die Westgoten, 508 an die Ostgoten, 536 an die Franken und 879 an Niederburgund. Nachdem die Sarazenen sie zerstört hatten, wurde die Stadt im 10. Jahrhundert wiederaufgebaut und den Vicomtes de Marseille unterstellt. Zwischen 1216 und 1218 wurde Marseille zur selbstständigen Republik und schließlich 1481 mit Frankreich vereinigt.

1720 und 1721 wütete die Pest, an der die Hälfte der Bevölkerung starb (50.000).

Die Bevölkerung von Marseille war seit jeher stolz und unabhängig und im ganzen Land bekannt, sich gerne gegen die Obrigkeit und den König aufzulehnen. So schickte die Stadt im Jahr 1792 500 freiwillige Kämpfer, um die neue Regierung der Aufständischen während der Französischen Revolution zu unterstützen. Das von den Kämpfern aus Marseille in den Straßen von Paris gesungene Lied wurde als die Marseillaise bekannt. Am 14. Juli 1795 wurde die Marseillaise zur französischen Nationalhymne erklärt.

Neuzeit

Im 19. Jahrhundert wuchs Marseille zum bedeutendsten Hafen des französischen Kaiserreiches, vor allem auch dank der französischen Kolonialisierung in Afrika und Indochina. Die Entwicklung und Bedeutung des Hafens verstärkte sich noch mit dem Beginn der Industrialisierung und erst recht mit der Eröffnung des Sueskanals 1869.

Am 9. Oktober 1934 fielen der jugoslawische König Alexander I. und der französische Außenminister Louis Barthou vor der Börse einem Mordanschlag zum Opfer.

Bekanntmachungen vom 4. Januar 1943 des Kommandanten über den Belagerungszustand
Notre Dame De La Garde
Zerstörung des alten Hafenviertels 1943

Nach der Kapitulation der Streitkräfte Frankreichs vor der Wehrmacht gehörte Marseille zunächst zur Zone libre, die unter Verwaltung des Vichy-Regimes stand. Im Januar und Februar 1943 wurde nach Himmlers Anweisung ein Großteil der historischen Altstadt (Vieux Port) von Truppen der Wehrmacht und der Waffen-SS unter Beteiligung von Rolf Mühler und Günter Hellwing (später SPD-Parteivorstand) gesprengt. 27.000 Einwohner wurden aus der Altstadt, die der Besatzungsmacht als ein Hort der Résistance galt, zwangsumgesiedelt (Himmler hatte 100.000 Deportierte verlangt). 1.640 Bewohner der Stadt, darunter etwa 800 Juden, wurden als „unerwünschte und antisoziale Elemente“ festgesetzt und später ins Reichsgebiet bzw. nach Polen deportiert.[7]

Zerstört wurden bei der Sprengung der Altstadt 1924 Gebäude. Ein Teil der Täter wurde 1954 in den Prozessen gegen Mühler u. a. sowie gegen Carl Oberg u. a. wegen dieser Kriegsverbrechen angeklagt, etliche wurden in Abwesenheit zum Tod verurteilt, ohne dass die französische Justiz ihrer habhaft werden konnte: Die Bundesrepublik lieferte sie nicht aus und klagte sie selbst nicht an. So wurde das Kriegsverbrechen der Altstadtvernichtung nie gesühnt.

Hitler ernannte im Januar 1944 alle wichtigen Hafenstädte im Westen – so auch Marseille – zu "Festungen".

Am 27. Mai 1944 griffen amerikanische Bomber die deutschen Militäranlagen in Marseille an. Am 28. August kapitulierten nach einwöchigem Kampf die deutschen Besatzer gegenüber den Truppen des Freien Frankreich.[8]

Die Verteidiger kämpften nicht so fanatisch wie zum Beispiel in OKW-Befehlen von Februar 1944 zur Verteidigung von Festungen gefordert. Darin war befohlen, 'bis zum letzten Mann' zu kämpfen und keinesfalls zu kapitulieren.[9]

Gegenwart

Der alte Hafen von Marseille, 2005
Marseille (2004)

In der Nachkriegszeit, auch in Frankreich Zeit eines starken wirtschaftlichen Aufschwungs (trentes glorieuses) wuchs die Stadt unaufhörlich weiter, bis es dann Ende der 1970er Jahre zu erheblichen Problemen mit zunehmender Kriminalität, Verschmutzung und wachsendem Verkehr kam. Marseille verlor innerhalb von zehn Jahren 10 % seiner Bevölkerung durch Abwanderung, u. a. in die Vorstädte. Die Bürgermeister unternahmen in dieser Zeit große Anstrengungen, um der Kriminalität sowie der großen Zahl der illegalen Zuwanderer aus Nordafrika sowie dem Verfall der Stadt Herr zu werden.

Seit den 90er Jahren wandelt sich das Bild der Stadt langsam. Mit dem Stadterneuerungsprojekt Euromediterrannée wurden große staatliche Mittel in die Marseiller Wirtschaft gepumpt. Alte Industriebauten wurden kulturellen Zwecken gewidmet, private Investoren wie der amerikanische Pensionsfonds Lone Star wirkten mit am Vorhaben der urbanistischen Aufwertung der im Zweiten Kaiserreich geschaffenen Prachtstraße Rue de la République Die Stadt unternimmt große Anstrengungen, um das Stadtbild zu verschönern, ist aber auch mit der Kritik konfrontiert, durch Gentrifizierung die weniger wohlhabenden Stadtbewohner aus dem Zentrum zu vertreiben.[10]

Bevölkerung

Entwicklung der Einwohnerzahl

1750 bis 1920

  • 1750 – 68.000
  • 1800 – 111.000
  • 1850 – 195.000
  • 1880 – 360.000
  • 1910 – 551.000
  • 1920 – 586.000

1930 bis 1975

  • 1930 – 610.000
  • 1936 – 620.000
  • 1954 – 661.410
  • 1962 – 783.701
  • 1968 – 889.029
  • 1975 – 914.400

1982 bis 2012

  • 1982 – 878.689 (4. März)
  • 1990 – 800.550 (5. März)
  • 1999 – 798.430 (8. März)
  • 2006 – 820.000 (1. März)
  • 2012 – 900.000 (28. Februar)

Marseille ist als Frankreichs „Tor zum Mittelmeer“ wie kaum eine andere Stadt neben Paris durch Einwanderer geprägt.[11] In der Zeit um 1900 waren dies v. a. Italiener, nach dem Zweiten Weltkrieg kamen europäischstämmige Algerienfranzosen (pieds-noirs, zu dt. Schwarzfüße) sowie Bewohner der ehemaligen französischen Kolonien aus dem Maghreb und Schwarzafrika hinzu. Der Ausländeranteil liegt heute bei etwa 10 %, wobei allerdings 90 % der Bevölkerung auf Familien zurückgehen, die nicht aus Frankreich stammen. In Marseille leben heute über 200.000 Muslime, einige Stadtviertel sind von Algeriern geprägt. Ihr religiöser Führer, Soheib Bencheikh, Großmufti von Frankreich, vertritt eine liberale Form des Islam.[12]

Religiöses Leben

Rund 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung von Marseille sind muslimischer Abstammung, von denen die meisten im 3. Arrondissement leben.[13]

In Marseille existiert mit rund 75.000 Juden die bedeutendste jüdische Gemeinde außerhalb Israels an der Mittelmeerküste. In den 44 Marseiller Synagogen[14] beten täglich rund 5.000 Menschen. Die größte und wichtigste Synagoge ist die Große Synagoge (Grande synagogue de Marseille), die im 6. Arrondissement liegt. Es gibt 20 jüdische Studienzentren, 17 jüdische Schulen, ein Bet Din und derzeit 48 Rabbiner.[15]

Kriminalität

Marseille ist seit den 1950er Jahren durch Einwanderung aus dem Maghreb geprägt; bei gleichzeitiger Deindustrialisierung, hoher Jugendarbeitslosigkeit und Armut spielt Drogenhandel in der Hafenstadt eine Rolle. Preise für Waffen sinken, Raubüberfälle werden häufig auch mit falschen Waffen verübt. Seit 2007 wurden zugleich 350 Stellen bei der Polizei gestrichen.[16] Die Stadtverwaltung überwacht inzwischen mit rund 200 Videokameras (Stand Frühjahr 2013) und etwa 40 Einsatzkräften den öffentlichen Raum rund um die Uhr.[17] In den Vierteln um den Innenstadtbereich rund um den Vieux Port sind zudem Polizeieinheiten auf Mountainbikes präsent, die auch in den engen Gassen und auf den Treppen sehr mobil sind.

Politik

Die Stadt Marseille teilt sich in 16 Arrondissements (Stadtbezirke) mit insgesamt 111 Stadtvierteln.

Wappen

Beschreibung: In Weiß ein blaues durchgehendes gemeines Kreuz.

Das alte Rathaus von Marseille

Bürgermeister

Bürgermeister von Marseille sind oder waren seit der Befreiung der Stadt 1944:

  • 1944–1946: Gaston Defferre
  • 1946: Marcel Renault
  • 1946–1947: Jean Cristofol
  • 1947–1953: Michel Carlini
  • 1953–1986 Gaston Defferre (wiedergewählt 1959, 1965, 1971, 1977 und 1983)
  • 1986–1995: Robert Vigouroux (wiedergewählt 1989)
  • seit 1995 Jean-Claude Gaudin (wiedergewählt 2001 und 2008)

Städtepartnerschaften

Derzeit gibt es 13 Partnerstädte von Marseille:[18]

  • ElfenbeinküsteElfenbeinküste Abidjan, Elfenbeinküste, seit 1958
  • BelgienBelgien Antwerpen, Belgien, seit 1958
  • SenegalSenegal Dakar, Senegal, seit 1968
  • ItalienItalien Genua, Italien, seit 1958
  • SchottlandSchottland Glasgow, Schottland, seit 2006
  • IsraelIsrael Haifa, Israel, seit 1958
  • DeutschlandDeutschland Hamburg, Deutschland, seit 1958
  • JapanJapan Kōbe, Japan, seit 1961
  • DanemarkDänemark Kopenhagen, Dänemark, seit 1958
  • MarokkoMarokko Marrakesch, Marokko, seit 2004
  • UkraineUkraine Odessa, Ukraine, seit 1972
  • GriechenlandGriechenland Piräus, Griechenland, seit 1984
  • China VolksrepublikChina Shanghai, Volksrepublik China, seit 1987

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen

Musée Regards de Provence

Am 1. März 2013 im Rahmen der Kulturhauptstadt Europas 2013 eröffnet, ist das Musée Regards de Provence in der ehemaligen Sanitärstation des Marseiller Hafens untergebracht. Das Gebäude wurde 1948 von Fernand Pouillon entworfen. Zu der ständigen Ausstellung Mémoire de la Station Sanitaire (Erinnerung an die Sanitärstation) gehört eine Videoinstallation im Dampf- und Maschinenraum. Die jeweils aktuellen Zusammenstellungen von Bildern, Zeichnungen, Fotografien und Plastiken präsentieren Werke im Zusammenhang mit Marseille, der Provence und dem gesamten Mittelmeerraum.

Musée d'Art Contemporain

Das Musée d'Art Contemporain (MAC) (Museum für zeitgenössische Kunst) präsentiert in wechselnden Ausstellungen Werke zeitgenössischer Künstler, z.B. Monographien von Gordon Matta-Clark, Rosemarie Trockel, Dieter Roth, Franz West und Rodney Graham.[19]

Musée des Beaux-Arts

Das Musée des Beaux-Arts (Museum der Schönen Künste) präsentiert nach der Neueröffnung (für Juni 2013 geplant) im Schwerpunkt Gemälde aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Darunter sind Werke italienischer Meister wie Perugino, Guercino, Carracci der Pannini und französischer Künstler wie Champaigne, Vouet, Lesueur, Greuze, Vernet, Hubert Robert und David. Zudem sind die Niederländer Peter Paul Rubens, Jacob Jordaens und Frans Snyders vertreten. Die Französische Schule des 19. Jahrhunderts ist ein Schwerpunkt der Sammlung. Neben dessen Meistern Courbet, Corot, Daubigny, Millet und Puvis de Chavanne werden Werke von Vertretern der Marseiller Schule gezeigt, darunter Loubon, Guigou oder Ziem. Die innere Stimme, ein Meisterwerk von Auguste Rodin, das der Bildhauer dem Museum vermachte, und die Büsten von Prominenten wie Juste Milieu oder Ratapoil Daumier sind Beispiele für Werke der Bildhauerei des 19. Jahrhunderts.[20]

Musée d’Histoire Naturelle

Das Musée d’Histoire Naturelle (Naturgeschichtliches Museum) zeigt zoologische und geologische Ausstellungen und befindet sich wie das Musée des Beaux-Arts in den Seitenflügeln des Palais Longchamp (siehe Bauwerke).

Centre de la Vieille Charité

Das Centre de la Vieille Charité, das ehemalige Krankenhaus der Armen, beherbergt das Musée d’Archéologie Méditerranéenne (Museum für Mittelmeer-Archäologie) und das Musée d’arts Africains, Océaniens et Amérindiens (Museum für afrikanische, ozeanische und indianische Kunst).

Musée Cantini

Das im bürgerlichen 6. Arrondissement gelegene Museum Musée Cantini gründet auf das Vermächtnis des Marmorhändlers Jules Cantini, von dem auch die Marmorplastik am Place de Castellan stammt und der das Gebäude und seine Sammlung 1916 der Stadt übereignete.[21] Mit Ankäufen, zahlreichen Spenden und Unterstützung durch staatliche Museen (Musée national d'art moderne, Fonds National d'Art Contemporain, Musée National Picasso, Musée d'Orsay) wurde die Sammlung ergänzt und präsentiert heute die bildende Kunst des 20. Jahrhunderts. Im Museum finden kontinuierlich Wechselausstellungen zur zeitgenössischen Kunst statt.

Musée de la Marine et de l’Economie de Marseille

Im 1852 bis 1860 am unteren Teil der Canebière, nahe dem Alten Hafen von Pascal Coste erbauten Palais de la Bourse (Börse) befindet sich heute das Musée de la Marine et de l’Economie de Marseille (Museum für Seefahrt und Wirtschaft). Es finden dort Ausstellungen zu Handel, Wirtschaft und Verkehr statt, die kommunale Einrichtung dient aber auch der Förderung der regionalen Wirtschaft.

Musée d’Histoire et Port antique

Das Musée d’Histoire et Port antique (Museum der Stadt- und Hafengeschichte) präsentiert die Geschichte der Stadt von deren Gründung bis ins 19. Jahrhundert.

Kino des Mittelmeerraumes

Seit 2011 gibt es ein Filmmuseum im Château de la Buzine, welches sich dem Kino des Mittelmeerraums widmet.[22]

Bauwerke

Notre-Dame de la Garde

Notre-Dame de la Garde

Südlich des Stadtkerns befindet sich die von Henri-Jacques Espérandieu im neobyzantinischen Stil entworfene Notre-Dame de la Garde, an der Stelle einer mittelalterlichen Wallfahrtskapelle in den Jahren 1853 bis 1864 erbaut. Sie befindet sich auf einem 147 m hohen Kalkfelsen und ist neben dem vor dem Hafen liegenden Château d’If das Wahrzeichen von Marseille. „La Bonne Mère“, wie sie im Volksmund genannt wird, birgt eine monumentale Sammlung an Votivbildern. Von den Aussichtsplattformen hat man einen spektakulären Blick über die Stadt.

Vieux Port

Alter Hafen mit Blick auf Notre-Dame de la Garde

Im Zentrum der Stadt liegt der Alte Hafen Vieux Port. Am Quai des Belges gibt es einen Fischmarkt. Etwa zur Mitte der Strecke zum Cours Saint-Louis hin befindet sich die Börse (Palais de la Bourse), wo das Musée de la Marine et de l’Économie de Marseille untergebracht ist. Beim Musée des Docks Romains befanden sich die Hafenanlagen aus dem ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Das Musée d’Histoire de Marseille wurde um einige Überreste des antiken Hafens herum angelegt. Vom Alten Hafen aus fahren kleine Transportschiffe und Touristenboote zu den Inseln Îles du Frioul, nach Château d’If oder zu den durch einen Deich (Digue Berry) miteinander verbundenen Inseln Île Ratonneau und Île Pomègues. Einige Schiffe fahren vorbei an den Calanques ins etwa fünfzehn Kilometer entfernte Cassis (Bouches-du-Rhône) mit Europas höchster Klippe.

Canebière

Vom Alten Hafen aus zieht sich die etwa ein Kilometer lange Canebière (von provenzal. Canabiero, Cannabis sativa; Hanf wurde hier gehandelt) – eine ehemalige Prachtstraße des 19. und anfänglichen 20. Jahrhunderts, endgültig verblichen während der sechziger und siebziger Jahre - zur Kirche St-Vincent-de-Paul, der Kirche der Reformierten, hin. An ihrem Ende, leicht nordwestlich der Kirche, wird sie mit dem Boulevard Longchamp (zunächst Cours Joseph Thierry) fortgesetzt, die zum Gelände mit dem Palais Longchamp und seiner Brunnenanlage sowie dem dahinter liegenden Park (ehemaligen Zoologischen Garten) führt. Die Canebière wurde von Geschäftshäusern und Cafés gesäumt und früher oft mit der Pariser Avenue des Champs-Élysées verglichen. Die einstige Prachtstraße hat sich seit den 1970er-Jahren im Zuge der Zunahme des Straßenverkehrs in eine stark befahrene Straße gewandelt. Zwischen Cours Belsunce beziehungsweise Cours Saint-Louis und Boulevard Dugommier/Boulevard Garibaldi überwiegen bereits verfallende oder vernachlässigte Fassaden.

Die Erneuerung der alten Straßenbahnstrecke mitsamt neuen Wagen der „Tramway 68“ von der an der Canebière gelegenen Metro-Station Noailles nach St-Pierre soll unter anderem dazu beitragen, die Straße wieder lebenswerter zu gestalten. Das wird für die Alteingesessenen und Einkommensschwächeren allerdings immer problematischer, da die ganze Stadt seit den 1990er Jahren recht rigide „saniert“ bzw. erneuert wird. Dazu beigetragen hat auch der TGV, mit dem die Stadt seit Beginn des 21. Jahrhunderts von Paris aus in drei Stunden zu erreichen ist. So wurde beispielsweise das unweit des Bahnhofs St-Charles gelegene Belsunce-Viertel stark saniert: Über ein nicht unumstrittenes Sanierungsprogramm wurden die in den – allerdings tatsächlich verkommenen, damit jedoch extrem mietpreisgünstigen – dort gelegenen Häusern lebenden, überwiegend aus den nordafrikanischen Ländern stammenden Anwohner vertrieben. So heißt es im Amtsblatt der Europäischen Union (Stand September 2006):

„Die fünf Einzelprojekte sind: Zac Joliette, wo bereits die Docks umgebaut und 80.000 Quadratmeter Gewerbefläche geschaffen wurde; rue de la République, in der 4.000 Wohnungen zu renovieren sind; der Stadtteil Saint-Charles-Porte d’Aix mit seinem TGV-Bahnhof; Belle de mai, wo die Tabakmanufakturen (120.000 m²) umgebaut werden zu Gewerbefläche sowie Kultur- und Kommunikationseinrichtungen, einschließlich audiovisueller Studios; und schließlich die Cité de la Méditerranée (110 Hektar), mit einem 2,7 Kilometer langen Küstenstreifen, auf dem der Umbau des Bootshafens, ein Museum usw. geplant sind.“

Quartier du Panier

Das nördlich, oberhalb des Alten Hafens gelegene Quartier du Panier, von den Einheimischen knapp „Panier“ genannte, im 2. Arrondissement gelegene Viertel ist der Ort der ersten Besiedelung Marseilles. Im Zweiten Weltkrieg zum Teil gesprengt, am nördlichen Ufer des alten Hafens in den 1950ern mit Neubauten wiederaufgebaut, beginnt der restliche, einigermaßen unberührte alte Kern unweit hinter dem barocken Hôtel de ville (Rathaus), in dem die Mairie, das Bürgermeisteramt, untergebracht ist. Die Bevölkerung dort stammt historisch aus dem gesamten Mittelmeerraum, vor allem jedoch aus nordafrikanischen Ländern. Hinter den Neubauten liegt das alte Panier. Auf der Place des Moulins, einer der beiden Hügel des antiken Marseille, standen seit der Frühzeit die Windmühlen der Stadt. Die Grundrisse der Straßen und Treppen sind zum großen Teil seit der Zeit der Griechen gleich geblieben, neue Häuser wurden auf den Grundstücken und Mauern der alten Häuser erbaut. Auf dem anderen hohen Hügel der antiken Stadt erbauten die Griechen eine Agora; heute säumen alte Bistros den an der Rue Saint-Pons gelegenen Platz.

Eine kurze Beschreibung des Abrisses und der neuen Bebauung eines Teils des Quartier du Panier:

Der Alte Hafen von Marseille vom Quai du Port, der Panier-Seite aus fotografiert

Es entstanden an der nördlichen Seite des Alten Hafens, am Quai du Port, gegenüber von Notre-Dame de la Garde, in den sechziger/siebziger Jahren fünfstöckige Neubauten. Dahinter befindet sich eine weitere Reihe Wohnhäuser: Werkbund-Nachläufer, eine Art in die Länge und die Höhe gezogener Kleinteiligkeit, die sich in erkerförmigen Backsteinapplikationen ausdrückt. Vorher befand sich dort das eigentliche Hafenviertel, ein verzweigtes Netz aus Wohnhäusern aus dem 17. Jahrhundert, vielen kleinen Gassen und Treppen. Die im November 1942 in Marseille einmarschierten Deutschen sahen darin einen Unsicherheitsfaktor sowie einen „Hort“ der Résistance. Im Januar 1943 begannen deutsche Truppen nach der sogenannten „Évacuation“ von fast 27.000 Einwohnern in ein Gefangenenlager bei Fréjus unter Befehl des Generalfeldmarschalls von Rundstedt mit der Sprengung des Hafenviertels (1924 Gebäude).

Hinter den Neubaublöcken liegt das Panier mit Häusern, überwiegend aus dem 18. Jahrhundert, einige der Häuser stammen sogar aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Dieses Viertel ist der alte Kern von Marseille. Noch im Panier, ebenfalls westlich des Alten Hafens befindet sich die wie Notre-Dame de la Garde im neobyzantinischen Stil erbaute Cathédrale de la Major. Sie entstand zwischen 1852 und 1893 und besitzt zwei kuppelgekrönte Türme sowie eine 16 Meter hohe Vierungskuppel. Etwas weiter westlich, hinter der Place la Joliette erstreckt sich der Neue Hafen (Port Moderne). Die hier gelegenen Gebäude sind oder werden zu großen Teilen aufwendig zu Büros, Wohnungen oder Veranstaltungsstätten (z. B. ein neues Museum) umgewandelt – les docks: Teil des neuen Marseille.

Von der ab 1844 angelegten Anlage legen heute die meisten Fähren ab, darunter auch die Passagierschiffe nach Korsika. Die für den Güterverkehr wesentlich bedeutenderen Hafenanlagen des „port autonome de Marseille“, – der örtlichen Hafenbetreibergesellschaft – liegen in dem ca. 50 Kilometer westlich gelegenen Fos-sur-Mer.

Panoramablick auf Marseille, von Notre Dame de la Garde aus gesehen

Kulinarisches

In Marseille gibt es neben der traditionellen provenzalischen Küche durch den großen Anteil von Einwanderern auch viele Einflüsse aus dem gesamten Mittelmeerraum: Es wird levantinisch, maghrebinisch, griechisch, italienisch, korsisch, spanisch, jüdisch-sephardisch und armenisch gekocht.

Die Bouillabaisse stammt aus Marseille und ist in ganz Frankreich und über das Land hinaus bekannt. In den Restaurants von Marseille gehört diese ursprünglich von Fischern aus nicht verkauften Fischen, Crevetten und Muscheln gekochte Suppe zum Standard.

Les pieds et paquets bezeichnet Pansen vom Schaf oder Lamm, der gerollt und mit Speck, Knoblauch und Petersilie gefüllt wird. Dazu werden Pied-de-mouton bzw. Schafsfußpilze angerichtet.[23]

In der traditionellen Marseiller Küche wird (wie überall in Frankreich) frisch und mit Zutaten aus der Region gekocht. Fisch und Meeresfrüchte werden bevorzugt, allerdings auch Fleisch und Geflügel oft zubereitet.

Veranstaltungen

In Marseille findet alljährlich mit der „Mondial La Marseillaise à Pétanque“ das größte Pétanque-Turnier der Welt statt. 2006 waren zum Beispiel 4.112 Mannschaften mit 12.336 Spielern am Start.

Seit 1979 ist Marseille am letzten Oktobersonntag Startort von Marseille – Cassis, einem der populärsten Straßenläufe Frankreichs.

2010 wurde Marseille zur Kulturhauptstadt Europas 2013 gewählt.[24] Dafür werden mehrere Stadtteile aufwändig restauriert und umstrukturiert.[25][26] Im Jahr 2012 fand in Marseille das 6. Weltwasserforum statt, da Marseille seit 1996 Welthauptstadt des Wassers ist.[27]

2013 fand in den Docks des Suds das 9. Mal das Weltmusikfestival Babel Med Music mit einem umfangreichen Kongress- und Messeprogramm und zahlreichen Konzerten statt.[28][29]

Musik

Neben den typischen französischen Chansons ist Marseille vor allem eine feste Größe im französischen Hip Hop. Mitte der 80er Jahre begannen Gruppen wie IAM vor allem die Jugendlichen aus Migrantenfamilien für den neuen Musikstil zu begeistern. Heute ist der französische Hip-Hop-Markt, vor allem auch dank der Künstler aus Marseille, nach dem der USA der zweitgrößte der Welt.

Naturdenkmäler

Im April 2012 wurde der Parc National des Calanques offiziell eingeweiht. Der Nationalpark erstreckt sich von Marseille über sechs weitere Gemeinden und dient dem Schutz der Calanques, des küstennahen Kalksteingebirges einschließlich des Uferraumes.[30] Er umfasst in der Kernzone ein Gebiet von rund 11.200 ha Land- und 78.000 ha Seefläche, in der Randzone ungefähr 34.000 ha Land- und 145.000 ha Seefläche.[31] Zum Schutzkonzept gehören u.a. eine aufwändige Besucherführung durch Anlage von markierten Wanderpfaden und ein strenges Betretungsverbot bei Waldbrandgefahr.

Sport

Stade Vélodrome

Olympique de Marseille

In Marseille ist der 1899 gegründete und national und international sehr erfolgreiche Fußballclub Olympique de Marseille beheimatet.

Die Heimspiele werden im 60.000 Zuschauer fassenden Stade Vélodrome ausgetragen.

Vereinsfarben sind weiß und azurblau.

Bisherige Erfolge:

  • Französischer Meister: 1937, 1948, 1971, 1972, 1989, 1990, 1991, 1992, 2010
  • Französischer Pokalsieger: 1924, 1926, 1927, 1935, 1938, 1943, 1969, 1972, 1976, 1989,
  • Europapokale: Champions-League-Sieger 1993 und Intertotopokalsieger 2005.
  • Französischer Ligapokal : 2010

Mondial la Marseillaise à pétanque

In Marseille findet alljährlich mit der „Mondial la Marseillaise à pétanque“ das größte Pétanque-Turnier der Welt statt. Es ist ein für alle Pétanque-Spieler offenes Turnier. Eine Lizenz ist zur Teilnahme nicht erforderlich. 2006 waren zum Beispiel 4.112 Équipes (Mannschaften) mit 12.336 Spielern am Start. Es wird im unweit des Strandes gelegenen Parc Borély und den angrenzenden Geländen ausgetragen, das Finale immer am Alten Hafen. Vor diesem Turnier finden im Parc Borely auch die ebenfalls jährlich stattfindenden Meisterschaften des Jeu Provençal statt. Dabei handelt es sich um die alte, historische Version des Boule (Pétanque)-Spiels, das seinen Ursprung in der Provence hat. Auch hier nehmen tausende von Spielern teil, die jedoch naturgemäß aus den südlichen Region (Frankreich) kommen.

Wirtschaft und Standortfaktoren

Bedeutende Industriezweige sind die Fahrzeug-, Maschinen-, Metall- und Nahrungsmittelindustrie. In Marseille befindet sich das Gefängnis Les Baumettes. Marseille ist auch ein Schwerpunkt in der kunsthandwerklichen Herstellung von Santons. 35 Hersteller (von 200 der Provence) leben in Marseille.[32] In der Weihnachtszeit findet ein fast ausschließlich diesem Thema gewidmeter Markt auf der Canebière statt.

Medien

Wichtigste Zeitung ist La Provence.

Verkehrsinfrastruktur

Bahnfern- und Güterverkehr

TGV im Hauptbahnhof St. Charles
Die Große Freitreppe zum Bahnhof St. Charles

Marseille ist über die 2001 in Betrieb genommene Schnellfahrstrecke Méditerranée mit dem TGV in etwa drei Stunden vom 750 km entfernten Paris (Gare de Lyon) zu erreichen. Der Ankunftsbahnhof dieser Züge ist der auf einer Anhöhe liegende Kopfbahnhof Saint-Charles. Der am 8. Januar 1848 eröffnete, mittlerweile auf 14 Gleise ausgebaute Bahnhof bildet den zentralen Verkehrsknotenpunkt der Stadt. Neben den TGV-Zügen fahren dort auch zahlreiche andere Fernzüge und Regionalzüge ab. Seit März 2012 gibt es eine tägliche direkte Verbindung in acht Stunden nach Frankfurt am Main,[33] außerdem verkehrt in den Sommermonaten ein Thalys-Zugpaar direkt nach Amsterdam.

Zwischen Marseille und Avignon liegt bei Miramas der Bahnknotenpunkt mit Rangierbahnhof, über den Marseille als industrieller Ballungsraum und mit dem größten europäischen Hafen am Mittelmeer an das Netz des Eisenbahngüterverkehrs angeschlossen ist.

Straßenverkehr

Unter der südlichen Altstadt und dem Vieux-Port hindurch führt der mautpflichtige Straßentunnel Saint-Laurent oder auch Tunnel du Vieux-Port. Die aus Norden kommenden Autobahnen mit der Ostumgehung Marseilles über einen weiteren Tunnel (Viaduc de Plombières) verbunden. Die Autobahnen Marseille-Lyon und Marseille-Toulon werden durch einen Tunnel verbunden.

ÖPNV

Die öffentlichen Verkehrsmittel in Marseille werden von der RTM (Régie des Transports Marseillais) betrieben.[34]

Metro und Straßenbahn

Metro- und Straßenbahnnetz

Datei:Tramway de Marseille - Ligne 2 - Boulevard Philippon.ogv Die 1977 eröffnete und später mehrmals erweiterte und ausgebaute U-Bahn Marseille verfügt über zwei Linien. Die beiden Linien kreuzen sich zweimal, an der Station Castellane und am Hauptbahnhof Saint Charles. Die Streckenführung ist in der Innenstadt unterirdisch, außerhalb der Stadt fahren die Bahnen oberirdisch oder als Hochbahn auf Pfeilern. Die Wagen verfügen über luftgefüllte, schienengeführte Reifen mit Stromversorgung mittels dritter Stromschiene. Vorbild war hier die Pariser Metro.

Mitte der 90er Jahre kam es in Marseille aufgrund von stark zunehmenden Straßenverkehr zu Überlegungen, die aus dem Stadtbild verschwundenen Straßenbahnen wieder einzuführen. Bis dahin waren Straßenbahnen verpönt und galten als nicht zeitgemäß und unbequem, hatte man doch die seit 1876 existierenden und ehemals zahlreichen Strecken ab Mitte des 20. Jahrhunderts bis auf eine Linie eingestellt. Man entschloss sich, die bestehende Linie zu sanieren sowie weitere neu zu bauen. Seit Juli 2007 ist die erste der beiden neuen Trambahnlinien auf dem Abschnitt Euroméditerranée-Les Caillols in Betrieb. Die Fahrzeuge für diese Linien werden seit 2006 in Wien von Bombardier Transportation Österreich produziert. Die Inbetriebnahme der Straßenbahnen erfolgte auf dem Testgleis der Wiener Linien.

Busverkehr

Innerstädtisch sind in Marseille über 80 Buslinien eingerichtet. Sie verkehren frankreichtypisch abends und sonntags nach einem deutlich ausgedünntem Fahrplan. Mit den städtischen Linien erreicht man auch die Calanques. Weitere Linien bieten Verbindungen ins Umland, unter anderem in die Küstenregion mit anderen Zielen in den Calanques.

Flugverkehr

Der für Südfrankreich bedeutende, da zentral gelegene Flughafen Marseille (frz. Aéroport Marseille Provence) befindet sich 20 km nordwestlich von Marseille und südwestlich des Étang de Berre bei der Stadt Marignane. Er wird von zahlreichen internationalen Fluglinien bedient, auch von mehreren deutschen Flughäfen.

Schiffsverkehr

Der Fährhafen von Marseille ist eine der wichtigsten Verbindungen für Reisende in den Maghreb und nach Korsika. Mehrere Linien täglich verbinden Marseille mit den größten Fährhäfen Nordafrikas. In Korsika werden Ajaccio und Bastia täglich, Calvi, Propriano (mit Weiterfahrt nach Porto Torres auf Sardinien und Porto Vecchio) mehrmals wöchentlich angelaufen.


Fahrradverkehr

2007 wurde der öffentliche Fahrradverleih Le Velo installiert, über den mit EC- oder Kreditkarte bzw. über eine Registrierung beim städtischen Anbieter Fahrräder ausgeliehen werden können. Die Stationen sind nach dessen Angaben höchstens rund fünfhundert Meter voneinander entfernt und im Wesentlichen über das Kernstadtgebiet und an Straßen, die ins Zentrum führen, verteilt. Das Angebot unterstützt die stadtplanerische Ausrichtung auf den Ausbau des Radverkehrs mit breiten Radwegen besonders entlang der Ausfallstraßen und in das neue Dock-Viertel am Hafen.

Söhne und Töchter der Stadt

Zu den Marseiller Prominenten gehören der Zeichner Honoré Daumier, der Schauspieler Fernandel und der Sportler Zinédine Zidane.

Literatur

  • Monique Clavel-Lévêque: Das Griechische Marseille. Entwicklungsstufen und Dynamik einer Handelsstadt. In Elisabeth C. Welskopf Hg.: Hellenische Poleis. Krise, Wandlung, Wirkung. Darmstadt 1974.
  • Ralf Nestmeyer: Provence & Côte d’Azur. Ein Reisehandbuch. Michael Müller, Erlangen 2012. ISBN 978-3-89953-716-1.
    • dsb.: Provence und Côte d’Azur. Literarische Reisebilder aus dem Midi. Klett Cotta, Stuttgart 2005. ISBN 3-608-93654-8.
  • Dominique Garcia: La Celtique méditerranéenne. Errance, Paris 2004. ISBN 2-87772-286-4.
  • Donna F. Ryan: The Holocaust & the Jews of Marseille: The Enforcement of Anti-Semitic Policies in Vichy France. UP Illinois, 1996 ISBN 0-252-06530-1.
  • Ahlrich Meyer (Hg.): Der Blick des Besatzers. Propagandaphotographie der Wehrmacht aus Marseille 1942–1944. Vorwort: Serge Klarsfeld, Übers. Dominique Pamart-Swoboda & Béatrice Zimmermann. Edition Temmen, Bremen 1999 (Zweisprachig) ISBN 3-86108-725-1.
    • ders.: Die Razzien in M. 1943 und die Propagandaphotographie der deutschen Wehrmacht. In: Francia. Forschungen zur westeuropäischen Geschichte. Nr. 22-3, 1995 (nur online, deutsch) S. 127–154
  • Daniel Winkler: Transit Marseille. Eine Mittelmeermetropole im Film. Transcript, Bielefeld 2007.
    • ders.: Marseille im '(post-)kolonialen' Kontext. Walter Benjamin, die 'Cahiers du Sud' und ein Gründungsmythos. In: Wolfgang Müller-Funk & Birgit Wagner Hgg.: Eigene und andere Fremde. 'Postkoloniale' Konflikte im europäischen Kontext. Turia & Kant, Wien 2005. S. 129–139.

Weblinks

 <Lang> Commons: Marseille – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Marseille – Reiseführer

Fußnoten und Einzelnachweise

  1. Oliver Meiler: In den Ghettos von Marseille., tagesanzeiger.ch vom 11. Januar 2013, abgerufen am 11. Januar 2013
  2. Planet Wissen: Marseille - von der Liebe gegründet, abgerufen am 30. März 2013
  3. Planet Wissen: Marseille - von der Liebe gegründet, abgerufen am 30. März 2013
  4. G. Barruol: Les peuples pre-romains du sud-est de la Gaule: étude de géographie historique. RAN Suppl. 1, Paris 1969, S. 224, Nr. 1.
  5. G. Barruol: Les peuples pre-romains du sud-est de la Gaule: étude de géographie historique. RAN Suppl. 1, Paris 1969, S. 199.
  6. Hermann Bengtson: Römische Geschichte – Republik und Kaiserzeit bis 284 n. Chr., 8. Auflage, C.H. Beck, München 2001, ISBN 3-406-02505-6, S 192f. (Online in der Google Buchsuche).
  7. Michael Curtis: Verdict on Vichy. Power and prejudice in the Vichy France regime. Arcade, New York 2003 ISBN 1-55970-689-9, S. 194f.
  8. Chemins de mémoire: Provence August 1944, abgefragt am 27. August 2009. Hellwing wurde 1954 in Abwesenheit in Marseille zum Tode verurteilt, wurde aber dennoch SPD-Landtagsmitglied in Nordrhein-Westfalen sowie Mitglied des Bundesvorstands der SPD.
  9. Peter Lieb: Konventioneller Krieg oder Weltanschauungskrieg? Kriegführung und Partisanenbekämpfung in Frankreich 1943/44, Oldenbourg Verlag 2007, Seite 484 (Online in der Google Buchsuche).
  10. vgl. http://oe1.orf.at/programm/324281. Entsprechende Kritik wrd beispielsweise durch die Vereinigung Un Centre-Ville pour Tous (CVPT) geäußert. Siehe z. B. http://www.reclaiming-spaces.org/transformation/fr/archives/194.
  11. Christopher Dickey: Integration in Frankreich: Mélange Marseille, ZEIT ONLINE, 5. März 2012.
  12. Infoblatt Marseille, Haack Weltatlas-Online
  13. Beitrag der Open Society Foundations vom 20. September 2011: Muslime in Marseille fühlen sich von ihrer Stadt verstoßen; abgerufen am 31. März 2013
  14. Liste der Marseiller Synagogen; abgerufen am 31. März 2013
  15. Jüdische Allgemeine, online vom 14. Februar 2013: Sicherer Hafen - Seit rund 1500 Jahren leben Juden in Marseille. Ein Streifzug durch die Kulturhauptstadt Europas 2013; abgerufen am 31. März 2013
  16. Michaela Wiegel: Marseille: Spielend in die Kriminalität, faz.net vom 6. Oktober 2011, abgerufen am 20. Dezember 2011.
  17. Hinweise zur Videoüberwachung des öffentlichen Raums, veröffentlicht von der Stadtverwaltung Marseille, abgerufen am 23. März 2013
  18. Partnerstädte Marseilles (in Französisch).
  19. Webseite des MAC mit Informationen zu den Ausstellungen
  20. Informationen zur Ausstellung im Musée des Beaux-Arts, abgerufen am 30. März 2013
  21. Informationen über das Museum Cantini auf [1] (französisch)
  22. Frankreich: Neues Filmmuseum in Marseille, Berliner Morgenpost vom 25. September 2011, abgerufen am 5. April 2012.
  23. Gastronomische Spezialitäten aus Marseille (französisch), abgerufen am 15. April 2013
  24. Thomas Jorda: Eine einzigartige Welt, Niederösterreichische Nachrichten vom 24. Oktober 2011.
  25. Marseille, eine Stadt im Aufbruch, Deutsches Generalkonsulat Marseille, abgerufen am 5. April 2012.
  26. Michel Winde: Marseille: Das Ruhrgebiet Frankreichs, Westdeutsche Zeitung vom 21. Oktober 2011, abgerufen am 5. April 2012.
  27. World Water Forum 2012, Fremdenverkehrs und Kongreßamt von Marseille, abgerufen am 5. April 2012.
  28. Deutschlandradio Kultur über das Festival Babel Med Music 2013
  29. Downloads zu den Veranstaltungen des Festivals Babel Med Music (französisch/englisch)
  30. Offizielle Veröffentlichung zur Einrichtung des Parc National des Calanques
  31. Basisdaten des Parc National des Calanques (englisch)
  32. Christiane Schott: Südfrankreich : Der Figur zuliebe, ZEIT ONLINE vom 23. Dezember 2010.
  33. Michael Kläsgen: Direkte Zugverbindung Frankfurt-Marseille - Der Grenzfahrer aus dem Elsass, süddeutsche.de vom 23. März 2012, abgerufen am 24. März 2012.
  34. RTM betreibt den ÖPNV

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