Mangbetu


Angehörige der Mangbetu (19. Jahrhundert)

Die Mangbetu sind eine Ethnie im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo, in der Provinz Orientale. Ihre Bevölkerungszahl liegt bei etwa 40.000.

Die Sprache der Mangbetu ist das zentralsudanische Mangbetuti.

Geschichte

Linguistische Anhaltspunkte legen nahe, dass die Mangbetu aus dem Nordosten, möglicherweise aus dem heutigen Sudan, einwanderten. Auf ihrem Weg nach Süden trafen sie auf Bantu, die in nördliche Richtung zogen, und ließen sich im 19. Jahrhundert in ihrem heutigen Gebiet nieder. Sie vermischten sich mit den zuvor dort ansässigen Mbuti und den Bantu. Im 19. Jahrhundert wurde ein Mangbetu-Königreich gegründet, das die Region politisch dominierte, bis um 1880 Sklavenjäger in das Gebiet kamen und das Königreich in von muslimischen Sultanen geführte Sultanate fragmentierten. Die belgische Kolonialmacht verdrängte später die Sklavenjäger.

Nahrungsbeschaffung und Landwirtschaft

Messer der Mangbetu

Die Mangbetu leben als Hackbauern, von der Fischerei und etwas Jagd. Wichtigste Anbauprodukte sind Maniok und Kochbananen, daneben wird Rinderhaltung betrieben. Das Vieh gilt als Symbol für Wohlstand und dient oft zur Zahlung des Brautpreises. Anders als bei anderen sudanischen Völkern dürfen bei den Mangbetu ausschließlich Männer die Arbeit des Melkens verrichten.

Religion

Der Schöpfergott in der traditionellen Religion der Mangbetu wird Kilima oder Noro genannt. Daneben glauben die Mangbetu auch an weitere Götter, böse Geister und Hexerei.
Auch der Glaube an Reinkarnation ist unter dem Volk verbreitet.[1]

Körpergestaltung

Mangbetu-Frau mit Schädeldeformation und Ohrschmuck

Als charakteristischen Schmuck trugen die Mangbetu Pflöcke durch die Ohrmuschel, entsprechend dem heutigen Conch-Piercing. Dabei wurden Pflöcke aus Elfenbein oder Affenknochen in die perforierten Ohrmuscheln eingesetzt.[2] Heute ist diese Form der Körpermodifikation bei den Mangbetu jedoch noch nur noch selten zu finden.[3]

Die Mangbetu trugen über mehrere Generationen hinweg Turmschädel. Als kulturelles Identitätserkmal und Zeichen der Stammeszugehörigkeit wurde bei den Säuglingen, besonders unter höhergestellten Stammesfamilien,[4] eine Schädeldeformation durch das Zusammenbinden mit geflochtenen Lianen durchgeführt. Laut Vorstellung der Mangbetu sollten sich dadurch auch Denkvermögen und Lernfähigkeit verbessern. In den 1950er Jahren begann die Tradition jedoch mit zunehmendem Kontakt zur westlichen Kultur langsam zu verschwinden.

Weblinks

 <Lang> Commons: Mangbetu – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Mangbetu Information
  2. About the conch piercing von Paul King
  3. Angela Fischer: Africa Adorned, 1984, ISBN 978-0-81091823-8, Seite 79
  4. Johannes Hoops, Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer: Reallexikon der germanischen Altertumskunde, Band 26, Seite 574

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