Mainfränkisches Museum


Mainfränkisches Museum Würzburg
Wü Festung (1).JPG

Eingang
Daten
Ort Würzburg
Art Kunstsammlung u.a. (Zeugnisse menschlicher Kultur in Mainfranken von der Vorzeit bis ins 19. Jahrhundert)
Eröffnung 1913
Leitung Claudia Lichte
Website www.mainfraenkisches-museum.de

Das Mainfränkische Museum Würzburg auf der Festung Marienberg gehört zu den großen Kunstsammlungen Bayerns. Aufgrund der künstlerisch bedeutenden Werke fränkischer und für Franken arbeitender Künstler, konnte sich das Museum zu einem Haus von internationalem Rang entwickeln. In den insgesamt 45 Schauräumen sind Gemälde, Skulpturen und Kunsthandwerk aus Würzburg und Mainfranken von der Frühzeit bis ins 19. Jahrhundert zu sehen. Träger des Museums ist die Stadt Würzburg zu 60 %. Die Unterfränkische Kulturstiftung übernimmt vierzig Prozent der nicht anderweitig gedeckten Betriebskosten des Zweckverbandes Mainfränkischen Museums.[1]

Geschichte des Museums

Gründung bis 1945

Die Anfänge der Sammlungen reichen zurück bis in das 19. Jahrhundert. Das „Antiquarium“ des Historischen Vereins für den Untermainkreis, der 1831 begründet worden war und auf die Sammeltätigkeit Würzburger Bürger zurückgeht, war die erste öffentliche Kunstsammlung der Stadt. Das Interesse des Publikums gab Anlass, unmittelbar benachbart auch die Kunstsammlungen der Stadt zu zeigen. 1893 wurde der Kunst- und Altertumsverein gegründet, der die Errichtung eines „Fränkischen Museums“ fördern sollte. All diese Entwicklungen führten schließlich 1913 zur Gründung des „Fränkischen Luitpoldmuseums“ (benannt nach dem in Würzburg geborenen Prinzregenten von Bayern). Das Fränkische Luitpoldmuseum integrierte die Sammlungen der Stadt, des Historischen Vereins und des Fränkischen Kunst- und Altertumsvereins zu einer gemeinsamen Schausammlung.

Für das Museum wurde ein ehemaliges Universitätsinstitut in der Maxstraße nach Entwürfen des ersten Museumsleiters August Stoehr umgestaltet. 1931 wurde es nach Plänen des damaligen Direktors Professors Clemens Schenk um eine Riemenschneider-Halle erweitert. 1939 wurde der Name des Museums in „Mainfränkisches Museum Würzburg“ geändert.

Beim Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 wurde das Museumsgebäude durch eine schwere Sprengbombe völlig zerstört. Ein Großteil der Bestände wurde dabei vernichtet. Ein Wiederaufbau am ursprünglichen Platz war inmitten der zerstörten Stadt undenkbar. Für die durch rechtzeitige Verlagerung geretteten bzw. die aus dem Schuttberg ausgegrabenen und vielfach beschädigten Kunstwerke gab es zunächst keine adäquate Bleibe.[2][3]

1945 bis heute

Am 8. Mai 1945 wurde Prof. Dr. Max H. von Freeden mit der Leitung des Museums beauftragt. Unter von Freeden kam es zu einem Neuanfang des Museums auf der Festung Marienberg. 1947 wurden die ersten fünf Säle im Zeughaus und in der daran anschließenden Echterbastei eröffnet. Schrittweise erfolgte der Ausbau weiterer Museumsräume. 1950 wurde der Südflügel des Zeughauses mit dem Gartensaal sowie die Südbastion der Echterbastei mit den Rittergrabmälern der Gotik und Renaissance und die Kelterhalle mit den Zeugnissen fränkischer Weinkultur eingerichtet. Im folgenden Jahr konnte die Schönbornhalle mit den beiden monumentalen Grabmälern der Schönbornbischöfe aus dem Bamberger Dom präsentiert werden, im Jahr darauf die Echterbastei mit den kunstgewerblichen Sammlungen und die archäologische Abteilung im Erdgeschoss der Echterbastei. 1967 wurde eine Volkskundliche Abteilung eröffnet. Eine Erweiterung erfuhr das Mainfränkische Museum im Herbst 1990 mit der Eröffnung der neu konzipierten Stadtgeschichtlichen Abteilung im Fürstenbaumuseum, das im zweiten Obergeschoss des Stadtflügels der Hauptburg untergebracht ist. Insgesamt stehen dem Museum 45 Schauräume zur Verfügung, die vielfach neu gestaltet werden. [3] So wurde bspw. der Gartensaal 2008 nach einer Neukonzeption wieder eröffnet.

Der Sammlungsbestand

Archäologie

Die Archäologische Abteilung mit Bodenfunden aus Mainfranken, von der Altsteinzeit bis zum frühen Mittelalter, zeugt von den ersten Siedlungen in der Region. Eines ihrer bekanntesten Stücke ist der Spätbronzezeitliche Kultwagen aus Acholshausen.

Malerei, Plastik, Grafik

Madonnenfigur, ein Meisterwerk in der Nachfolge des Bildschnitzers Hans Multscher, Ulm, um 1450

Die Romanische Bauplastik erinnert an Würzburgs Blüte zur Stauferzeit. Zu den erwähnenswerten Stücken gehört ein Kapitell mit Kämpfer.

Neben wertvollen gotischen Skulpturen des 14. Jahrhunderts bildet die einzigartige Sammlung von Werken des Bildschnitzers Tilman Riemenschneider den Kern des Museums, darunter die Statuen von Adam und Eva von der Würzburger Marienkapelle aus dem Jahr 1493 sowie die Trauernde Maria, die um 1505 entstanden ist.

Von den zahlreich vertretenen barocken Bildhauern seien Johann Wolfgang von der Auwera, Ferdinand Tietz und Johann Peter Wagner genannt. Ein besonderer Akzent liegt neben der Großplastik auch auf der Kollektion der Kleinbildwerke aus dem 18. Jahrhundert. Eine Bozzetti-Sammlung, die anschaulich den künstlerischen Schaffensprozess zeigt sowie autonome Kleinplastiken werden präsentiert.

Die Malerei ist mit Werken von der Spätgotik bis ins frühe 19. Jahrhundert vertreten, darunter Gemälde von Lucas Cranach d.Ä., Vater und Sohn Tiepolo, Peter von Hess und Ferdinand Rayski.

In der Grafischen Sammlung sind fast lückenlos die druckgrafischen Ansichten Würzburgs aus vier Jahrhunderten vorhanden, hinzukommen seit dem 19. Jahrhundert Handzeichnungen und Aquarelle. Besonderen dokumentarischen Wert besitzen die Ansichten der 1945 zerstörten Stadt. Besonders hervorzuheben sei auch die wissenschaftliche Bedeutung der sog. Sammlung Eckert, die Pläne aus dem Baubüro des Balthasar Neumann enthält sowie die Architekturskizzen des 1964 verstorbenen Schulrats Dr. Franz Seberich, nach denen die Universität Würzburg ein virtuelles Stadtmodell entwickelte.

Kunsthandwerk und Volkskunst

Eine Folge kostbarer Möbel beginnt mit dem Ratstisch von Riemenschneider und erreicht mit Arbeiten des 18. Jahrhunderts ihren Höhepunkt. Wichtige Textilien seit dem frühen Mittelalter, zahlreiche Fayencen, bemalte und geschnittene Gläser, Goldschmiedearbeiten und eine Sammlung historischer Uhren, wie etwa die des Würzburger Meisters Martin Schipani sowie die älteste erhaltene Räderuhr dokumentieren das reiche Kunsthandwerk Frankens. Bemalte Bauernschränke, Hinterglasbilder und Trachten geben eine Vorstellung von der Volkskunst dieser Region. Mit Hilfe der Büttnerzunft konnte 1982 eine Büttnerwerkstatt eingerichtet und damit die Tätigkeit eines für Würzburg einst sehr bedeutungsvollen Handwerkszweiges gezeigt werden. In der Kelterhalle sind Zeugnisse der fränkischen Weinkultur ausgestellt. Auch eine Auswahl der berühmten Würzburger Lügensteine ist im Mainfränkischen Museum zu sehen.

Stadtgeschichte

In der stadtgeschichtlichen Abteilung beeindrucken besonders die beiden Großmodelle der Stadt Würzburg; das Bild des spätmittelalterlichen Würzburgs dokumentiert das Stadtmodell „Würzburg um 1525“, das Ausmaß der Zerstörung der Stadt vergegenwärtigt das Modell „Würzburg nach dem 16. März 1945“.

Münzsammlung

Stücke der numismatischen Sammlung, die wegen ihrer Kleinheit oder Seltenheit im Tresor verwahrt werden müssen, wurden online der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und beschrieben. Weitere Münzen befinden sich im Randersackerer Turm im Fürstenbaumuseum.[4] [5]

Öffentlichkeitsarbeit

Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit präsentiert das Museum regelmäßig Sonderausstellungen, die von Führungsprogrammen begleitet werden.

Die museumspädagogische Abteilung erarbeitet spezielle erlebnisorientierte Führungen. Mit einer Plakatserie macht das Museum auf seine vielfältigen Kunstsammlungen aufmerksam. Resonanz erfährt die monatlich stattfindende Kunstsprechstunde, in der Privatleute Kunstwerke von Fachwissenschaftlern begutachten lassen können.

In der Schönbornhalle findenden Museumskonzerte statt, der Gewölberaum der Keltherhalle wird für Veranstaltungen und Feiern genutzt.

Publikationen

  • Meinolf Siemer (Hrsg.): Zu Tisch. Tafelsitten vergangener Zeiten. Mainfränkisches Museum, Würzburg 2005, ISBN 3-932461-24-X (Katalog der gleichnamigen Ausstellung, 31. August 2005 bis 5. März 2006).
  • Frauke van der Wall (Hrsg.): Gut betucht. Textildesign und Handwerk in fränkischen Trachtenstoffen. Mainfränkisches Museum, Würzburg 2006, ISBN 3-932461-25-8 (Katalog der gleichnamigen Ausstellung, 5. April bis 6. August 2006).
  • Claudia Lichte: Ferdinand von Rayski. Ein Dresdener Maler in Franken. Mainfränkisches Museum, Würzburg 2006, ISBN 3-932461-26-6 (Katalog der gleichnamigen Ausstellung, 15. Oktober 2006 bis 11. Februar 2007).
  • Frauke van der Wall (Hrsg.): Form und Funktion. Gefäße und Geräte aus den Sammlungen des Mainfränkischen Museums Würzburg und der Formsammlung Walter und Thomas Dexel, Braunschweig. Mainfränkisches Museum, Würzburg 2007, ISBN 3-932461-27-4 (Katalog der gleichnamigen Ausstellung, 11. Juli bis 23. September 2007).

Einzelnachweise

  1. www.wuerzburg.de Geschäftsordnung des Zweckverbandes Mainfränkisches Museum Würzburg (PDF). Aufgerufen am 28. Juli 2010.
  2. Hanswernfried Muth u.a.: Mainfränkisches Museum Würzburg. 1. Aufl. Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 1994, ISBN 3-7954-1056-8 (Große Kunstführer; 190).
  3. 3,0 3,1 Hans-Peter Trenschel: 150 Meisterwerke aus dem Mainfränkischen Museum. Mainfränkisches Museum, Würzburg 1997, ISBN 3-932461-02-9.
  4. Würzburger Münzen online In: Würzburger Anzeiger, September 2012, S. 14-15
  5. Münzen online des Mainfränkischen Museums

49.7897222222229.9213888888889Koordinaten: 49° 47′ 23″ N, 9° 55′ 17″ O

Weblinks

 <Lang> Commons: Mainfränkisches Museum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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