Gaius Octavius Tidius Tossianus Lucius Iavolenus Priscus war ein römischer Politiker, Senator und Jurist des 1. Jahrhunderts n. Chr.

Javolen war Schulhaupt der Sabinianer und Lehrer des Salvius Iulianus (Julian).[1] Die Ämterlaufbahn des an der Wende von der Früh- zur Hochklassik stehenden Juristen ist inschriftlich gut bezeugt. Fast wie im Kontrast zu seinem in Rom gewonnenen Ruhm erwähnt die aufsteigend geordnete Laufbahn keine stadtrömischen Ämter – auch das Konsulat nicht –, sondern nur provinziale Stellen.

Javolen begann seine Laufbahn als Legat der Legio IIII Flavia Felix in Dalmatien; danach, im Jahr 83, war er Legat der Legio III Augusta in Numidien. Nach diesem Kommando war er noch iuridicus (Gerichtsvorsitzender) in der Provinz Britannien (84/86?), ehe er im letzten Nundinium (September/Dezember) des Jahres 86 zusammen mit Aulus Bucius Lappius Maximus sein Suffektkonsulat antrat. Danach war Javolen zunächst Statthalter in der Provinz Germania superior (89/90–91/92); er ist dort durch Militärdiplome,[2] die auf den 27. Oktober 90 datiert sind, nachgewiesen.[3][4] Als weiteres folgten noch die Statthalterschaften der Provinzen Syria (ca. 98/99–ca. 99/100) und Africa (wahrscheinlich um 101).

Javolen saß im Konsilium von Trajan und Hadrian. Seine Schriften, insbesondere die 14 libri epistularum, sind Meisterleistungen der Fallanalyse und der problembezogenen, aber nicht verallgemeinernden Erfassung von Rechtsgedanken. Omnis definitio (jede Definition) scheint ihm im Bereich des ius civile (Privatrecht) gefährlich.[5] In den Pandekten sind 72 Fragmente seines Schaffens aufgenommen worden.[1] Schließlich erlangte Javolen Bedeutung in seiner Eigenschaft als Überarbeiter älterer juristischer Literatur. Bekannt sind seine 15 libri ex Cassio, fünf libri ad Plautium und die zehn libri ex posterioribus Labeonis.[1]

Siehe auch

Literatur

  • Herbert Hausmaninger, Walter Selb: Römisches Privatrecht, Böhlau, Wien 1981 (9. Aufl. 2001) (Böhlau-Studien-Bücher) ISBN 3-205-07171-9, S. 44.
  • Theo Mayer-Maly: Iavolenus (2). In: Der kleine Pauly, Bd. 2, 1967, Sp. 1328.
  • Werner Eck: Senatoren von Vespasian bis Hadrian. Prosopographische Untersuchungen mit Einschluss der Jahres- und Provinzialfasten der Statthalter. Beck, München 1970, S. 131ff, 140ff, 152ff., 158. (Vestigia, Bd. 13).
  • Bengt E. Thomasson: Fasti Africani. Senatorische und ritterliche Amtsträger in den römischen Provinzen Nordafrikas von Augustus bis Diokletian (= Skrifter utgivna av svenska institutet i Rom / Acta instituti romani regni sueciae. Band 4°,LIII). Paul Åström, Stockholm 1996, ISBN 91-7042-153-6, S. 49 f. und S. 137 f.
  • Adolf Berger: Octavius 59. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XVII,2, Stuttgart 1937, Sp. 1820–1848.

Quellen

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Herbert Hausmaninger, Walter Selb: Römisches Privatrecht, Böhlau, Wien 1981 (9. Aufl. 2001) (Böhlau-Studien-Bücher) ISBN 3-205-07171-9, S. 45.
  2. Militärdiplome des Jahres 90 (CIL 16, 36, RMD 5, 333).
  3. Paul Holder: Roman Military Diplomas V (= Bulletin of the Institute of Classical Studies Supplement 88), Institute of Classical Studies, School of Advanced Study, University of London, London 2006, S. 726–727, Nr. 333, Anm. 5.
  4. Peter Weiß: Ein neuer Legat Domitians von Germania superior in einem Militärdiplom: Sex. Lusianus Proculus. In: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik, Band 147 (2004), S. 229–234, hier S. 234 (Online).
  5. Dig. 50,17,202

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