Landesmuseum für Vorgeschichte Dresden


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Seit 1954 stellt das Landesmuseum im Japanischen Palais aus.

Das Landesmuseum für Vorgeschichte in Dresden ist das prähistorisch-archäologische Landesmuseum des Freistaats Sachsen. Es gehört als Abteilung zum Landesamt für Archäologie Sachsen. Das Museum präsentierte bis Anfang 2012 Teile seiner Sammlung in Ausstellungen im Japanischen Palais im Dresdner Stadtteil Innere Neustadt. Voraussichtlich 2014 wird es in Chemnitz seine neue Dauerausstellung eröffnen.

Ausstellungen

Das Landesmuseum für Vorgeschichte Dresden präsentiert im Japanischen Palais seit den 1980er Jahren in zahlreichen wechselnden Ausstellungen viele Funde der sächsischen Landesarchäologie. Da es das einzige landesgeschichtliche Museum des Freistaats ist, deckt es einen Zeitraum von 280.000 Jahren ab. Neben der Präsentation aktueller Grabungsergebnisse zeigte es auch Sonderausstellungen zur Vor- und Frühgeschichte anderer europäischer Regionen. Des Weiteren konzipierte es gemeinsame Ausstellungen mit weiteren, auch ausländischen Museen. Zur Sammlung des Museums, die im Depotgebäude in Dresden-Klotzsche untergebracht ist, gehören unter anderem Faustkeile, goldene Fingerringe, die in Dresden-Cotta gefundene Steinzeitfrau „Rebekka“ und der sogenannte Adonis von Zschernitz, die älteste männliche Tonfigur Europas. In der Reihe „Zu Gast im Palais“ waren im Landesmuseum auch moderne Fotografie, Malerei und Skulpturen ausgestellt, darunter zum Beispiel Werke von Henriette Tomasi. Eine umfangreiche landesarchäologisch-vorgeschichtliche Dauerausstellung ist wegen des baulichen Zustands des Japanischen Palais nicht möglich.

Im ehemaligen Kaufhaus Schocken in der Innenstadt von Chemnitz wird ab 2013 eine Dauerausstellung des Landesmuseums eingerichtet sein.

Unter anderem waren folgende Wechselausstellungen im Japanischen Palais zu sehen:

  • Archäologische Forschungen in Sachsen, 1984
  • Stadtluft, Hirsebrei und Bettelmönch, 1994
  • Unterwegs zum Goldenen Vlies – Archäologische Funde aus Georgien, 1996
  • Italien vor den Römern – Etrusker, Italiker und griechische Kolonisten, 1996
  • Friesen, Sachsen und Slawen, 1997
  • Aus der Luft – Bilder unserer Geschichte. Luftbildarchäologie in Zentraleuropa, 1998
  • 4 Millionen Jahre Mensch, 1998
  • Mumien für die Ewigkeit, 1999
  • Steinzeit – Das Experiment. Leben wie vor 5000 Jahren, 2007
  • Es war einmal... – Märchen im Palais, 2007
  • Die Suche – Gefunden in Sachsen, 2007
  • Flora mythologica – Die griechische Pflanzenwelt in der Antike, 2007
  • Schönheit im Alten Ägypten – Sehnsucht nach Vollkommenheit, 2008
  • 900 Gramm Gehacktes. Oberlausitzer Silberschätze des 11. Jahrhunderts, 2008
  • Schaufenster Archäologie. Kelten und Germanen an der Elbe, 2009
  • Fragmente einer Legende. Weißes Gold aus Grabungen, 2010
  • Funde, die es nicht geben dürfte. Brunnen der Jungsteinzeit in Sachsen, 2011

Im „Preuskerjahr 2011“ werden die Verdienste des großen sächsischen Bildungsreformers und Archäologen Karl Benjamin Preusker in einer großen Sonderausstellung im Japanischen Palais gewürdigt.

Voraussichtlich Anfang 2014[1] wird das Landesmuseum in Chemnitz erstmals eine Dauerausstellung eröffnen, die vollkommen neu konzipiert wird. Zu diesem Zweck wird im dortigen Kaufhaus Schocken ein Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz[2] eingerichtet, das dann unter anderem vom neuen Landesmuseum für Archäologie und Geschichte Sachsens bezogen werden soll. Kern des neuen Museums wird die Archäologie sein. Darüber hinaus sollen wesentliche Aspekte der Geschichte Sachsens dargestellt werden.

Geschichte

Die Entwicklung des Landesmuseums ist eng mit der Geschichte der sächsischen Archäologie und Bodendenkmalpflege verbunden. Seine Sammlung entstand aus Beständen verschiedener anderer Dresdner Museen.

Einen ersten Grundpfeiler bildeten einige Objekte des 1728 im Zwinger eingerichteten Naturalienkabinetts. Sie waren durch frühe Berichte über Urnenfunde und Ausgrabungen aus dem 16. Jahrhundert in diese Sammlung gelangt. Im 19. Jahrhundert gingen sie größtenteils in die Dresdner Antikensammlung über und kamen somit erstmals ins Japanische Palais. Dort hatte sich seit 1786 eine kurfürstliche archäologische Sammlung befunden, die teilweise aus dem ursprünglichen Antikenkabinett im Palais im Großen Garten hervorging. Im Jahre 1853 kam außerdem die vom Königreich Sachsen erworbene archäologische Privatsammlung von Karl Benjamin Preusker hinzu. Dieser war die treibende Kraft des 1827 gegründeten Königlich-Sächsischen Vereins zur Erforschung und Erhaltung vaterländischer Altertümer (Sächsischer Altertumsverein), der seit 1802 bronzezeitliche Funde zusammentrug.

In der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis mit Sitz in Dresden existierte seit 1869 eine Sektion für vorhistorische Archäologie. Seit 1892 stellte sie Bodenfunde im Wallpavillon des Zwingers aus, die später ebenfalls an das Landesmuseum übergingen.

Im Jahre 1874 entstand im Kgl. Mineralogischen und Geologischen Museum zu Dresden unter dessen damaligem Direktor Hanns Bruno Geinitz eine „Prähistorische Abteilung“. Gründe für deren Einrichtung waren eine Häufung der Funde durch damals zunehmende Bautätigkeiten in Sachsen, eigene Grabungen des Museums sowie Zukäufe von Privatsammlungen. Unter anderem war in dieser Abteilung seit 1927 der Prähistoriker Gotthard Neumann beschäftigt. Aus der Prähistorischen Abteilung ging 1938 das selbstständige Landesmuseum für Vorgeschichte hervor; erster Direktor war Georg Bierbaum. Die Schausammlung des Museums befand sich im Zwinger, weitere Arbeits- und Depoträume waren im Schloss untergebracht. Alle drei Museumsgebäude wurden im Februar 1945 durch die angloamerikanischen Luftangriffe auf Dresden zerstört, wobei auch Teile der Sammlung verloren gingen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg vollzog das Landesmuseum einen Neubeginn. An seinem Wiederaufbau war maßgeblich Werner Coblenz beteiligt. Durch die Verwaltungsreform in der DDR von 1952 gingen Aufgaben und Funktionen des damaligen Landesamts für Vorgeschichte zum 1. Januar 1953 direkt an das Landesmuseum über, das seither zentral dem Staat unterstellt war. Im Jahre 1954 übernahm es die Ruine des Japanischen Palais und richtete es langsam wieder her. Nach der Wende wurde das Landesmuseum Bestandteil des neu gegründeten Landesamtes für Archäologie. Im Jahre 1997 zog das Depot des Landesmuseums in die zu einem modernen Hochregal-Lager umgebaute Turnhalle der ehemaligen Luftkriegsschule I nach Klotzsche um, Anfang 2000 folgte ihm das Landesamt nach. Der Museumsbestand wird durch neue Funde immer weiter ausgebaut.

Literatur

  • Werner Coblenz: Entwicklung und Aufgaben des Landesmuseums für Vorgeschichte der Bodendenkmalpflege in Sachsen. In: Dresdner Wissenschaftliche Museen. Dresden, Leipzig 1956, S. 87–98.
  • Werner Coblenz: 100 Jahre Prähistorische Staatssammlung in Dresden. In: Blick ins Museum (Sonderausgabe) 10/11 1973, S. 38–47.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. freiepresse.de: Museum für Archäologie eröffnet erst Anfang 2014
  2. mdr.de: Name des künftigen Landesmuseums steht fest

51.05972222222213.7375Koordinaten: 51° 3′ 35″ N, 13° 44′ 15″ O