Kurt Tackenberg


Kurt Walter August Tackenberg (* 30. Juni 1899 in Tschammendorf, Kr. Neumarkt/Schlesien (heute: Samborz); † 10. November 1992) in Münster (Westfalen)), war Prähistoriker.

Leben

1934 wurde er ao. Professor in Leipzig. Von 1937 bis 1945 war er Hochschullehrer sowie Leiter des Instituts für Vor- und Frühgeschichte in Bonn und 1939 Dekan der Philosophischen Fakultät. Noch 1944 wollte ihn Karl F. Chudoba zum Rektor der Bonner Universität ernennen lassen.[1] Er wurde nach Kriegsende aus dem Professorenamt entlassen. Von 1955 bis 1965 war er Ordinarius in Münster.[2]

Während des Zweiten Weltkriegs war Tackenberg zeitweise Soldat, zeitweise Gastprofessor in Gent und ebenfalls zeitweise Direktor des Deutschen Kulturinstitutes in Brüssel, das dem Militärbefehlshaber und dem Auswärtigen Amt unterstand. Als Wissenschaftler kooperierte Tackenberg mit dem „Ahnenerbe“, der Wissenschaftsorganisation der SS, die er zur systematischen Erforschung von Verbindungen zwischen westeuropäischen und mitteleuropäischen Völkerstämmen im Raum Belgien/Frankreich Frankreich gewinnen wollte. Er war Mitglied der NSDAP (seit 1937) und des NS-Dozentenbundes.

Er gehörte zu einer kleinen Gruppe von Professoren um Rektor Karl F. Chudoba (zu der auch Feldmann gehörte), die Anfang 1945, nach Schließung der Universität zum WS 1944/45, vor den anrückenden Alliierten mit Chudobas als kriegswichtig angesehenem Mineralogisch-petrologischen Institut nach Göttingen verlagerten. Dort wurde auch noch nach der Besetzung Bonns durch US-amerikanische Truppen an der Verwaltung mit Bildung eines eigenen, autarken Rektorats festgehalten, obwohl durch den vor Ort in Bonn gebliebenen Prorektor Theodor Brinkmann bereits Verhandlungen mit den Besatzern zur Fortführung des Universitätsbetriebes geführt wurden.[3]

Er widmete sich in seinen Forschungen verschiedenen Gebieten der Vor- und Frühgeschichte. Die Schwerpunkte ergeben sich aus den aufgeführten Publikationen (vollständiges Schriftenverzeichnis siehe Jockenhövel 1996).

Er war seit 1959 Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Er erhielt 1974 das Große Verdienstkreuz des Niedersächsischen Verdienstordens.

Publikationen (Auswahl)

  • Kurt Tackenberg: Die Wandalen in Niederschlesien. Vorgesch. Forsch. 1 (Berlin 1925).
  • Kurt Tackenberg: Die Kultur der frühen Eisenzeit in Mittel- und Westhannover (Hildesheim 1934).
  • Kurt Tackenberg: Germanen und Slawen zwischen 1000 vor und 1000 nach Beginn unserer Zeitrechnung. Kriegsvorträge der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn a. Rh., Heft 12, 1940.
  • Kurt Tackenberg: Die Beusterburg. Ein jungsteinzeitliches Erdwerk in Niedersachsen. Veröff. urgesch. Samml. Landesmus. Hannover 13 (Hildesheim 1951).
  • Kurt Tackenberg: Die jüngere Bronzezeit in Nordwestdeutschland - Teil I: Die Bronzen (Hannover 1971), Teil II: Die Felssteingeräte (Hannover 1974).
  • Kurt Tackenberg: Ein Beitrag zur Verbreitung, Zeitstellung und Werkstätten-Herstellung von Hansa-Schüsseln. Offa 36, 1979, 145-151.
  • Kurt Tackenberg: Westfalen in der Urgeschichte Nordwestdeutschlands: Fundkarten von der Altsteinzeit bis in die Zeit um Christi Geburt (Münster 1996).
  • Studien aus Alteuropa. Festschrift für Kurt Tackenberg. Bonner Jahrb. Beih. 10 (Köln 1964)- 2 Bde.
  • Festschrift Kurt Tackenberg (Bonn 1974).

Nachruf

  • Die Kunde N.F. 44, 1993, 185ff.
  • A. Jockenhövel (Hrsg.), Kurt Tackenberg (1899 - 1992) zum Gedächtnis (Münster 1996).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. , 2001 ISBN 3-525-35357-X S. 257
  2.  Frank-Rutger Hausmann: "Auch im Krieg schweigen die Musen nicht" : die Deutschen Wissenschaftlichen Institute im Zweiten Weltkrieg. 2. durchges. Auflage. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2002, ISBN 3-525-35181-X, DNB 964533286.
  3. ”forsch” – Bonner Universitätsnachrichten: Geschichte(n): Auf verlorenem Außenposten; 1/2009, Seite 35

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