Die Autorenschaft wurde nicht in einer maschinell lesbaren Form angegeben. Es wird Luidger als Autor angenommen (basierend auf den Rechteinhaber-Angaben). / CC-BY-SA-3.0

Kolossalstatue


Geflügelter Stier aus Khorsabad

Eine Kolossalstatue ist eine vollplastische, von einem Bildhauer geschaffene Statue (Skulptur oder Plastik) von vielfacher Lebensgröße meist einer menschlichen Person oder eines Tieres (seltener eines Objektes) aus Stein, Bronze, Kupfer oder Edelmaterialien wie Gold, Elfenbein auf Eisen oder Holz als Stützgerüst.

Bedeutung

Kolossalkopf Kaiser Konstantins I.
St. Carlo Borromeo gewidmete Großstatue in Arona, genannt „Sancarlone“

Bereits im frühen Altertum waren in den Hochkulturen Kolossalstatuen übliche Darstellungspraxis (geflügelte Stiere und Löwen in Mesopotamien). Der Hauptzweck ist die symbolbehaftete Gottes- und Herrscherdarstellung als Stand- oder Sitzbild, seltener als Reiterstandbild. Die Menschen vertraten die Ansicht, dass eine Götterstatue groß sein musste, um schön, bedeutend und der Gottheit angemessen zu sein. Der Brauch, riesige Statuen herzustellen, verlor sich nach dem Niedergang des römischen Reiches im Mittelmeerraum und wurde erst wieder zu Beginn der Renaissance belebt. Im Fernen Osten wurden dagegen weiterhin kolossale Buddhastatuen angefertigt, wie z.B. der Shwethalyaung-Buddha (errichtet im Jahr 994).

Wortursprung

Etymologisch ist das Wort „Koloss“ ein aus Kleinasien stammendes (vermutlich aus dem Phrygischen, siehe den Ortsnamen Kolossai), um 1000 v. Chr. ins altgriechisch-dorische importierte Wort (κολοσσός, lat. colossus), das zunächst nur eine Statue ohne Größenbezug bedeutete. Nachdem es auf den Helios von Rhodos Anwendung fand, wurde es synonym für eine gewaltige, riesige Statue, später generell für alles Überdimensionale.

Beispiele aus der Antike

  • die Memnonkolosse Amenhoteps III. aus Quarzit, 18 m; um 1370 v. Chr.
  • die Kolossalstatuen von Ramses II. aus Sandstein, 20 m; um 1250 v. Chr.
  • die große chryselephantine Statue der Athena Parthenos des Pheidias, Goldelfenbein auf Holz, 13 m; um 450 v. Chr.[1]
  • die große, chryselephantine (Goldelfenbein) Sitzstatue des Zeusstatue des Phidias von Olympia (das nach Errichtung vierte der Sieben Weltwunder nach den Pyramiden, Hängenden Gärten und dem Tempel der Artemis in Ephesos), 12 m; um 438 v. Chr.
  • die Zeusstatue des Lysippos in Tarent, Bronze auf Eisengerüst/Stein, 24 m; um 320 v. Chr.
  • der Helios oder Koloss von Rhodos (6. der Sieben Weltwunder), Bronze/Eisengerüst/Stein, 34 m; um 290 v. Chr.; Namensgeber der Riesenstatuen
  • der Colossus Neronis (Koloss des Nero), eine vergoldete Bronzestatue Kaiser Neros in der Eingangshalle seines Goldenen Hauses (der Domus Aurea) nach dem Vorbild des Koloss' von Rhodos, 35 m; um 65 n. Chr.
  • die Kolossalstatue Kaiser Konstantin I., Stein, 12 m; um 330

Beispiele in der Neuzeit

  • die Statue (il Sancarleone) des Carlo Borromeo in Arona, Kupfer, 24,50 m (11,70 m Sockel, gesamt 36,2 m); 1624
  • die Statue des Cristo Redentor in Rio de Janeiro, 30 m auf 8 m hohem Sockel und mit 28 m Spannweite; 1931
  • die Bavaria, Bronze, 18,5 m; 1850
  • das Hermannsdenkmal aus Kupfer auf Eisenrohrgerüst, 26,57 m (Steinsockel 26,89 m), gesamt 53,46 m; 1875
  • die Freiheitsstatue in New York aus Kupfer auf Eisengerüst, 46,5 m (Sockel 55,5 m), gesamt 102 m; 1876
  • das Niederwalddenkmal, Bronze, 10,5 m (mit Sockel 38 m); 1883
  • das Bismarck-Denkmal (Hamburg) aus Granit, 14,8 m (Sockel 19,5 m), gesamt 34,3 m; 1906.
  • Arbeiter und Kolchosbäuerin, 24,5 m, aus Stahl Moskau (1937)
  • die Mutter-Heimat-Statue (Rodina-mat) in Wolgograd, 85 m ohne Sockel, 1967
  • die Athena Parthenos (nach Pheidias' Original) im Parthenon-Nachbau in Nashville (Tennessee), USA), Blattgold/Bronze/Gips auf Stahl/Fiberglas, 13 m; 1982-1990
  • der Spring Temple Buddha in Lushan, Volksrepublik China, Kupfer, 128 m; 2002

Siehe auch

  • Liste der höchsten Statuen

Literatur

  • Pausanias: Beschreibung Griechenlands - Descriptio Graecae. Buch I, 24, 5–7

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Pausanias: Beschreibung Griechenlands. Buch I, 24, 5–7

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