Kleine Ilias

Tabula Iliaca Capitolina mit Szenen aus der Kleinen Ilias aus dem späten 1. Jahrhundert v. Chr. (Palazzo Nuovo, Kapitolinische Museen in Rom)

Die Kleine Ilias ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:ISO15924:97: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) gehört als Teilepos des epischen Zyklus zum trojanischen Sagenkreis. Das verlorengegangene Werk dürfte etwa im 7. Jahrhundert v. Chr. entstanden sein und wird gewöhnlich dem Dichter Lesches zugeschrieben. Überliefert sind lediglich Kurzinhaltsangaben in der Chrestomathie des Proklos und der Bibliotheke des Apollodor, einige Testimonien, sieben direkte Zitate mit insgesamt 26 Hexametern.

Umfang und Erzählzeitraum

Nach Proklos bestand das Werk aus vier Büchern. Das Werk begann anscheinend bei der hoplon krisis, der Entscheidung, wem Achilleus’ Rüstung gebühre. Das Werk schloss sich deswegen wohl an die Aithiopis des Arktinos an. Die Kleine Ilias beschreibt die Ereignisse nach dem Tod des Achilleus, einschließlich des Baues des Trojanischen Pferdes.

Aristoteles merkte kritisch an, dass der von dem Werk gebotene Inhalt später zur Gestaltung von mehr als acht Tragödien verwendet wurde, während ein gutes Epos Stoff für höchstens zwei bieten solle.[1]

Verfasser und Titel

Meistens wird als der Verfasser der Kleinen Ilias[2] ein gewisser „Lesches“ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:149: attempt to index field 'data' (a nil value)) genannt, Pausanias hingegen nennt ihn „Lescheos“ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:149: attempt to index field 'data' (a nil value)).[3] Zusätzlich wird „von Mitylene“[4] sowie „von Pyrrha“[5] zu seinem Namen hinzugefügt.[6]

Fragmente

Insgesamt sind von der Kleinen Ilias 19 Fragmente erhalten.

Das Proömium – typischer Anfang des frühgriechischen Epos – der Kleinen Ilias lautet:

«Ἴλιον ἀείδω καὶ Δαρδανίην ἐύπωλον
ἧς πέρι πολλὰ πάθον Δαναοὶ θεράποντες Ἄρηος.»

„Ilion aeidō kai Dardaniēn eupōlon
hēs peri polla pathon Danaoi therapontes Arēos.“[7]

„Ich besinge Ilion und das pferdereiche Dardanien,
um das vieles litten die Danaer, Kriegsgefährten des Ares.“

Der Anfang ist ein typisch hymnischer.[8] Auffällig ist aber, dass hier kein Gott angerufen wird.

Inhalt

Proklos und Aristoteles in seiner Poetik geben Folgendes als die Themen der Kleinen Ilias an:[9]

  • Der Waffenstreit ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:149: attempt to index field 'data' (a nil value))
  • Philoktetes, Neoptolemos und Eurypylos
  • Armut ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:149: attempt to index field 'data' (a nil value))
  • Zerstörung Trojas ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:149: attempt to index field 'data' (a nil value))
  • Heimreise des Sinon und der Troaden ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:149: attempt to index field 'data' (a nil value))

Literatur

Textausgaben

  • Gottfried Kinkel: Epicorum graecorum fragmenta. Teubner, Leipbzig 1877, S. 36–48 (Digitalisat – Internet Archive).
  • Erich Bethe: Homer. Dichtung und Sage. Band 2, Teil 2: Kyklos – Zeitbestimmung. Zweite Auflage. Teubner, Leipzig/Berlin 1929, S. 169–178 (Digitalisat – Internet Archive).

Sekundärliteratur

  • Joachim Latacz: Ilias mikra. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 5, Metzler, Stuttgart 1998, ISBN 3-476-01475-4, Sp. 934.
  • Michael Reichel: Pseudo-Homerica und sonstige Epik der archaischen und klassischen Epoche. In: Bernhard Zimmermann (Hrsg.): Die Literatur der archaischen und klassischen Zeit (= Handbuch der Altertumswissenschaft. Abt. 7, Bd. 1). C.H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-57673-7, S. 66–77, hier: S. 68–71.
  • Friedrich Gottlieb Welcker: Der epische Cyclus oder die homerischen Dichter. Zweite Auflage. Band 1. Weber, Bonn 1865, S. 250–255 (Digitalisat – Internet Archive).

Anmerkungen

  1. Aristoteles, Poetik 23, 1459 a und b.
  2. Zum Titel siehe z. B. Pausanias 3,26,7; Clemens von Alexandria, stromata 1, p. 236; Aristoteles, Poetik 1459b 5.
  3. Pausanias 10, 25,5(3); vgl. Gottfried Kinkel: Epicorum graecorum fragmenta. Teubner, Leipbzig 1877, S. 38 (Digitalisat): „Poeta a plurimis Λέσχης nominatur, a Pausania semper Λέσχεως“; Otto Immisch: Lescheos–Lesches. In: Rheinisches Museum für Philologie. Neue Folge Band 48, 1893, S. 290–298 (Digitalisat), hielt Lescheos für die ursprüngliche, ionische Form.
  4. So nennt ihn Proklos: „{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:149: attempt to index field 'data' (a nil value)“, Codex Venetus A 454 fol. 6r.
  5. Tabula Iliaca Capitolina = IG XIV 1284 und Pausanias 10,25,3.
  6. Vgl. Friedrich Gottlieb Welcker: Der epische Cyclus oder die homerischen Dichter. Zweite Auflage. Band 1. Weber, Bonn 1865, S. 250 (Google Books).
  7. Pseudo-Herodot, vita Homeri 16 = Lesches fr. 1 Bethe = I Allen = 28 Bernabé = 1 Davies; vgl. Wolfgang Kullmann: Homerische Motive. Beiträge zur Entstehung, Eigenart und Wirkung von Ilias und Odyssee. Herausgegeben von Roland J. Müller (Aufsatzsammlung zum 65. Geburtstag). Franz Steiner, Stuttgart 1992, S. 96.
  8. Gleich aufgebaute Proömiumanfänge finden sich bei den Homerischen Hymnen 12, 18 und 27.
  9. Aristoteles, Poetik 1459b 5f., Proklos, Codex Venetus A 454 fol. 6r.

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