Karl Florenz


Karl Florenz, Pionier der deutschen Japanologie

Karl Florenz (* 10. Januar 1865 in Erfurt; † 9. Februar 1939 in Hamburg) war ein Pionier der deutschen Japanologie.

Seine größten Leistungen stellen die umfangreiche und in Deutschland ohne echte Nachfolge gebliebenen Literaturgeschichte (1903–1906) und seine Übersetzungen der Hälfte des Kojiki, der religionsgeschichtlich wichtigen Teile des Nihongi (Japanische Annalen, 1892–97) und des ganzen Kogo-shūi dar (Japanische Mythologie, 1901, und Die historischen Quellen der Shinto-Religion, 1919).

Der Sohn eines Lehrers befasste sich bereits als Oberschüler mit dem Studium orientalischer Sprachen. An der Universität Leipzig begann er 1883 das Studium der Germanistik und Vergleichender Sprachwissenschaft. Er studierte verschiedene nahöstliche Sprachen und als Schwerpunkt Sanskrit und Indologie. Sein Doktorvater war Ernst Windisch, er hörte auch Vorlesungen bei Friedrich Max Müller. Bei Georg von der Gabelentz lernte er Chinesisch und belegte auch Japanisch. Sein Studium des Japanischen setzte er nach seinem Leipziger Abschluss bei Inoue Tetsujirō an der Berliner Universität fort.

1889 wurde er Lektor für Deutsche Sprache und Literatur an der Kaiserlichen Universität Tokio, 1891 Ordentlicher Professor für Deutsche Literatur und Vergleichende Sprachwissenschaft.

Für seine Übersetzung des Nihongi (auch Nihon shoki) wurde Florenz 1899 als erstem Ausländer der höchste japanische Gelehrtengrad (Bungaku-Hakushi) verliehen.

1914 erhielt er die erste Professur für Japanologie an einer deutschen Universität (und in Europa überhaupt), den Lehrstuhl am Seminar für Sprache und Kultur Japans am Hamburgischen Kolonialinstitut. 1935 emeritiert, arbeitete er mit dem niederländischen Japanologen Jan Lodewijk Pierson über die klassische Gedichtsammlung Manyoshu. Die 1938 gegründete Zeitschrift Monumenta Nipponica veröffentlichte in ihrer ersten Nummer einen Beitrag von Florenz. Herbert Zachert war sein letzter Schüler, sein Nachfolger auf dem Hamburger Lehrstuhl war Wilhelm Gundert.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Die staatliche und gesellschaftliche Organisation im alten Japan. 1890.
  • Dichtergrüße aus dem Osten: Japanische Dichtungen. 1894. Insgesamt 14 Auflagen.
  •  Japanische Dramen. Terakoya und Asagao. C.F. Amelangs Verlag, T. Hasegawa, Leipzig, Tokyo 1901 (Online beim Internet Archive).
  • Japanische Mythologie. 1901.
  • Japanische Annalen. 1892-97. Als 1 Band: Japanische Annalen A.D. 592-697 (Buch XXII-XXX). 1903.
  •  Geschichte der japanischen Litteratur. In: Die Litteraturen des Ostens in Einzeldarstellungen. Zehnter Band, C.F. Amelangs Verlag, Leipzig 1906 (Online beim Internet Archive).
  • Die Religionen der Japaner. 1906
  • Die historischen Quellen der Shinto-Religion. 1919
  • Wörterbuch zur altjapanischen Liedersammlung Kokinshū. 1925
  • Jan Lodewijk Pierson, Karl Florenz:The Manyosu, Buch V. Brill, Leiden 1938.

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