Karl-Ernst Behre (* 13. Februar 1935 in Bremen) ist ein deutscher Archäobotaniker, bekannt für seine Arbeiten zur historischen Küstenforschung an der Nordsee.

Leben

Behre studierte ab 1954 Biologie, Chemie und Geographie an der Universität Marburg, der Universität Innsbruck und der Universität Göttingen, wo er 1961 promoviert wurde[1]. Ab 1962 war er am Niedersächsischen Landesinstitut für Marschen- und Wurtenforschung (ab 1988 Niedersächsisches Landesinstitut für Historische Küstenforschung, NIhK) in Wilhelmshaven tätig. 1978 wurde er wissenschaftlicher Direktor und 1991 Direktor der Einrichtung. 2000 ging er in den Ruhestand, ist aber weiter wissenschaftlich aktiv. Behre habilitierte sich 1969 in Göttingen in Botanik und war von 1994 bis 2000 in Teilzeit Professor für Vegetationsgeschichte des Quartärs an der Freien Universität Amsterdam.

Behre befasste sich insbesondere mit der historischen Siedlungsgeschichte an der Nordsee (unter anderem Wurten, auch Haithabu an der Ostsee), Vegetationsgeschichte und Biostratigraphie Norddeutschlands im Quartär und Klimageschichte und Geschichte der Meeresspiegelschwankungen an der Nordsee im Holozän.

Von 1971 bis 1995 war Behre Präsident des Marschenrats zur Förderung der Forschung im Küstengebiet der Nordsee, dessen Ehrenpräsident er ist. Er ist Gründer und war von 1992 bis 2001 Herausgeber der Zeitschrift Vegetation History and archaeobotany und war Mitherausgeber von Eiszeitalter und Gegenwart, Acta Palaeobotanica, Studia Quarternaria. Er ist Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts und war von 1992 bis 2002 Mitglied von dessen Römisch-Germanischer Kommission. 2000 erhielt er den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland und 2004 die Albrecht-Penck-Medaille der Deutschen Quartärvereinigung. 2010 würdigte die Oldenburgische Landschaft Behre mit der Verleihung der Landschaftsmedaille.[2]

Schriften

  • Landschaftsgeschichte Norddeutschlands, Neumünster 2008
  • Herausgeber mit H. van Lengen Ostfriesland- Geschichte und Gestalt einer Kulturlandschaft, 3. Auflage, Aurich 1998, darin von Behre: Die Entstehung und Entwicklung der Natur- und Kulturlandschaft der Ostfriesischen Halbinsel
  • Kleine historische Landeskunde des Elbe-Weser-Raumes, Stade, Landschaftsverband 1994
  • Beiträge in Hans-Erich Reineck (Herausgeber): Das Watt. Ablagerungs- und Lebensraum, Frankfurt am Main, Senckenberg-Buch, 3. Auflage 1982 (zuerst 1970), darin von Behre Die Geschichte des Jadebusens und der Jade
  • Die Entwicklung der Nordseeküstenlandschaft aus geobotanischer Sicht, Berichte der Reinhard-Tüxen-Gesellschaft, Band 3, Hannover 1991, S. 45-58
  • Die ursprüngliche Vegetation in den deutschen Marschgebieten und deren Veränderung durch prähistorische Besiedlung und Meeresspiegelschwankungen, Verhandl. der Ges. f. Ökologie, Band 13, 1985, Göttingen, S. 85-96
  • Wie der Mensch die Küste eroberte, in J. Newig, H. Theede (Herausgeber) Sturmflut. Gefährdetes Land an der Nordsee, Hamburg 2000, S.75-97
  • Meeresspiegelschwankungen und Siedlungsgeschichte in den Nordseemarschen, Vorträge der Oldenburgischen Landschaft, 1987, S. 1-47
  • Holozäne Küstenentwicklung, Meeresspiegelbewegungen und Siedlungsgeschehen an der südlichen Nordsee, Bamberger Geographische Schriften, Band 20, 2001, S.1-28
  • Die nacheiszeitlichen Meeresspiegelbewegungen und ihre Auswirkung auf die Küstenlandschaft und deren Besiedlung, in H.-J. Schellnhuber, H. Sterr (Herausgeber) Klimaänderung und Küste, Heidelberg 1993, S. 57-76
  • Veränderungen der niedersächsischen Küstenlinien in den letzten 3000 Jahren und ihre Ursachen, Probleme der Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet, Band 26, 1999, S. 9-33
  • mit W. Haio Zimmermann, Peter Schmid Die Entwicklungsgeschichte einer Siedlungskammer im Elbe-Weser-Dreieck seit dem Neolithikum, Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte, Band 42, 1973, S. 97-122
  • mit Peter Schmid Das Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung: 60 Jahre Forschungstätigkeit im Küstengebiet, Wilhelmshaven, Brune 1998
  • Ernährung und Umwelt der wikingerzeitlichen Siedlung Haithabu, Neumünster 1983
  • Untersuchung des botanischen Materials der frühmittelalterlichen Siedlung Haithabu (Ausgrabung 1963-1964), Berichte über die Ausgrabung in Haithabu, Band 2, Wachholtz, Neumünster 1969
  • Herausgeber Anthropogenic indicators in Pollen diagrams, Balkema, Rotterdam 1986 (Konferenz Wilhelmshaven 1985)
  • Mit dem Spaten in die Vergangenheit: 5000 Jahre Siedlung und Wirtschaft im Elbe-Weser-Dreieck, Landkreis Cuxhaven, Bremerhaven 1982
  • Der Neuenburger Urwald - ein Denkmal der Kulturlandschaft, Brune-Mettcker, Wilhelmshaven 2010, ISBN 978-3-930510-38-2
  • Die Geschichte der Landschaft um den Jadebusen, Brune-Mettcker, Wilhelmshaven 2012, ISBN 978-3-941929-02-9

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Pollen- und diatomeenanalytische Untersuchungen an letztinterglazialen Kieselgurlagern der Lüneburger Heide, Flora, Band 152, 1962, S. 325-370
  2. Pressemitteilung Nr. 46/10. Abgerufen am 18. Februar 2013.

Diese Artikel könnten dir auch gefallen


Die News der letzten 14 Tage 1 Meldungen

Knochen des Tages
KNM-SO 5352
KNM-SO 5352

Proconsul

Elemente:

Songhor , Kenia