Johannes Scheffer


Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Sohn des Ritters Lüthold Scheffer siehe Johannes Scheffer, genannt der Witwen Sohn von Weitbruch
Datei:Scheffer.jpg
Johannes Scheffer

Johannes Scheffer (* 2. Februar 1621 in Straßburg; † 26. März 1679 in Uppsala) war ein deutsch-schwedischer Humanist und Gelehrter.

Ausbildung

Johannes Scheffer (latinisiert Johannes Schefferus) wurde als Sohn des wohlhabenden Kaufmanns Johann Scheffer und seiner Frau Elisabeth Kraschel geboren. Er studierte ab 1637 an der Universität Straßburg Philologie bei Johan Henrik Boeclerus. Danach begab er sich auf Reisen nach Holland, in die Schweiz und nach Leiden. 1643 gab er in Straßburg seine erste Schrift, De varietate navium, heraus.

Universität Uppsala

1648 wurde Scheffer von Königin Christina nach Schweden gerufen. In Uppsala übernahm er die berühmte Skytteanische Professur für Politik und Rhetorik (Skytteanska professuren i statskunskap och vältalighet), die er bis zu seinem Tod innehatte. 1665 wurde er Ehrendoktor der Rechtswissenschaft (Naturrecht und Völkerrecht). 1667 gehörte er zu den ersten Mitgliedern des Antiquitätskollegiums (schwedisch Antikvitetskollegium), das sich auf königlichen Wunsch mit alter nordischer Geschichte und Literatur befassen sollte. Ab 1677 war Scheffer auch Bibliothekar der Universität Uppsala.

Wissenschaftler

Während seiner Zeit in Uppsala konzentrierte sich Scheffer auf die Klassische Philologie. Er war unter anderem der Herausgeber einer textkritischen Ausgabe der Werke des römischen Fabeldichters Phaedrus (1663). Daneben interessierte er sich aber auch intensiv für andere Wissenschaftszweige. Besonders berühmt wurden Scheffers Rhetorik-Buch De stylo (1653) sowie 1671 das Buch Memorabilium sueticæ gentis exemplorum, ein national gesinntes Lehrwerk über Schweden. Er verfasste unter anderem das erste schwedische Werk zur Archäologie (De orbibus tribus aureis) und die erste vollständige Bibliografie der in Schweden gedruckten Literatur, Suecia literata, die 1680 postum erschien. Johannes Scheffer veröffentlichte auch unter seinem Pseudonym Constantinus Opelius.

Lappland

Bahnbrechend war Scheffers Band Lapponia, eine der ersten und wichtigsten Beschreibungen Lapplands und der samischen Völker seiner Zeit. Den Auftrag zur Erarbeitung eines realistischen Buchs über die Sitten und Gebräuche der Samen hatte er 1671 von dem Staatsmann Magnus Gabriel de la Gardie erhalten.

Die lateinische Ausgabe erschien 1673 in Frankfurt am Main. Das Buch hatte in Europa großen Erfolg und wurde zum Standardwerk. Bereits 1674 erschien in Oxford die englischsprachige Übersetzung, 1675 in Frankfurt am Main und Leipzig eine deutsche Ausgabe (Joannis Schefferi von Strassburg: Lappland, Das ist: Neue und wahrhafftige Beschreibung von Lappland und dessen Einwohnern) und 1678 in Paris in der Übersetzung von Augustin Lubin (1624–1695) das Werk auf Französisch.

Privatleben

1648 heiratet Johannes Scheffer Regina Loccenia, die Tochter des Juristen und Historikers Johannes Loccenius, der von 1628 bis 1642 Vorgänger auf dem Lehrstuhl Scheffers war. Das Paar hatte zwei Söhne.

Wichtigste Werke

  • De varietate navium (1643)
  • De stylo illiusque exercitiis ad veterum consuetudinem disputatio prima-sexta (1652/53)
  • De militia navali veterum libri quatuor. Ad historiam græcam latinamque vtiles (1654)
  • De antiquorum torqvibus. Syntagma (1656)
  • Argentoratensis de stylo illiusque exercitiis ad veterum consvetudinem liber (1657)
  • Phædri Aug. Lib. Fabularum æsopiarum libri qvinqve (1663)
  • Arriani Tactica: & Mauricii Artis militaris libri duodecim (1664)
  • Memorabilium sueticæ gentis exemplorum liber singularis (1671)
  • De re vehiculari veterum libri duo (1671)
  • Lapponia: id est, regionis Lapponum et gentis nova et verissima descriptio (1673)
  • Svecia literata seu de scriptis & scriptoribus gentis Sveciæ (1680, postum)

Literatur

  • H[ans] Lindkjølen: Johannes Schefferus og bokverket "Lapponia" utgitt 1673, in: Festskrift til Ørnulv Vorren. Tromsø 1994 (= Tromsø museums skriftserie 25), S. 23ff.
  • Richard Hoche: Scheffer, Johannes Gerhard. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 30, Duncker & Humblot, Leipzig 1890, S. 680 f.

Weblinks


Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages

Elemente:

,

02.03.2021
Wie sind Hunde nach Amerika gekommen?
Forscher analysierten das mitochondriale Genom des Hundes und kamen zu dem Schluss, dass das Tier zu einer Linie von Hunden gehörte, deren Entwicklungsgeschichte bereits vor 16.700 Jahren von der der sibirischen Hunde abwich.
18.02.2021
Neandertaler-Gene und Covid-19 Verläufe
Letztes Jahr entdeckten Forscher, dass wir den wichtigsten genetischen Risikofaktor für einen schweren Verlauf der Krankheit Covid-19 vom Neandertaler geerbt haben.
29.01.2021
Als Flüsse durch eine grüne Sahara flossen
Große Teile der heutigen Sahara-Wüste waren vor Tausenden von Jahren grün.
29.01.2021
Beweglicher Daumen ebnete den Weg zur menschlichen Kultur
Präzise Greifen und grazilere Werkzeuge herstellen: Vor rund zwei Millionen Jahren verschaffte ihre bessere Feinmotorik den ersten Menschen einen evolutionären Vorteil
23.01.2021
Befreundete Schimpansen kämpfen gemeinsam gegen Rivalen
Menschen kooperieren in großen Gruppen miteinander, um Territorien zu verteidigen oder Krieg zu führen.
21.01.2021
Über 18.000 Funde: Forschungsgrabung in Untermaßfeld abgeschlossen
Seit vier Jahrzehnten wird in der thüringischen Wirbeltierfundstelle Untermaßfeld regelmäßig ausgegraben.
21.01.2021
Was das Genom des Lungenfischs über die Landeroberung der Wirbeltiere verrät
Das vollständig sequenzierte Genom des Australischen Lungenfisches ist das größte sequenzierte Tiergenom und hilft, den Landgang der Wirbeltiere besser zu verstehen – Evolutionsbiologen der Universität Konstanz sind maßgeblich beteiligt
21.01.2021
Alte DNA gibt Aufschluss über die Besiedlung der Marianeninseln
Im Vergleich zur Erstbesiedlung Polynesiens hat die Besiedlung der Marianen im Westpazifik vor etwa 3.500 Jahren bisher nur wenig Beachtung gefunden.
21.01.2021
Asiatische Gewürze erreichten den Mittelmeerraum vor mehr als 3000 Jahren
Der LMU-Archäologe Philipp Stockhammer fand Hinweise über asiatische Gewürze wie Kurkuma und Früchte wie die Banane im Mittelmeerraum schon viel früher als bislang gedacht.
10.12.2020
Fossilien zeigen Folgen der Ozeanerwärmung auf
Forschende aus Berlin und Großbritannien haben die ökologischen Auswirkungen einer raschen und ungewöhnlich intensiven Phase der Klimaerwärmung während der Jurazeit vor etwa 182 Millionen Jahren auf die Meeresfauna erforscht.
03.12.2020
Das älteste “Ortsnamenschild” der Welt
Wissenschaftler der Universität Bonn haben zusammen mit dem Ägyptischen Antikenministerium das älteste Ortsnamenschild der Welt entschlüsselt.
30.11.2020
Der Popa-Langur: ein neu entdeckter Affe aus Asien
Erbgutanalysen, unter anderem an hundert Jahre altem Museumsexemplar, erlauben Einblick in die Evolutionsgeschichte der Haubenlanguren.
25.11.2020
Treue Paare im Regenwald
Rote Springaffen verzichten auf Seitensprünge.
24.11.2020
Manche mögen‘s heiß: Globale Erwärmung als Motor für Evolution der Langhalssaurier
Ein internationales Paläontologen-Team, zu dem auch SNSB-Forscher Oliver Rauhut gehört, findet Belege für einen raschen Klimawandel vor 180 Millionen Jahren als Ursache für die Ausbreitung der weithin bekannten Langhalssaurier (Sauropoden).
03.11.2020
Neanderthaler-Mütter stillten nach fünf bis sechs Monaten ab
Als Grund für das Aussterben der Neanderthaler vermuten einige Forscher, dass die damaligen Mütter ihre Säuglinge lange stillten und die Säuglinge so nicht früh genug vielfältige Nährstoffe für eine Höherentwicklung des Gehirns erhielten.
31.10.2020
Populationsgeschichte der Hunde deckt sich nur teilweise mit der des Menschen
Wissenschaftler haben die Genome von bis zu 10.900 Jahre alten Hunden untersucht und zeigen, dass die Populationsgeschichte der prähistorischen Hunde sich nur teilweise mit der des Menschen deckt.
30.10.2020
Denisovaner-DNA im Erbgut früher Ostasiaten
Forschende des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und der Mongolischen Akademie der Wissenschaften haben das Genom des ältesten menschlichen Fossils, das bis jetzt in der Mongolei gefunden wurde, analysiert: Die 34.000 Jahre alte Frau hatte rund 25 Prozent ihrer DNA von Westeurasiern geerbt.
24.10.2020
Bissspuren und ausgefallene Zähne bringen Licht ins Fressverhalten von Dinosauriern
Forscherteam der Universität Tübingen untersucht 160 Millionen Jahre alten Fressplatz im Nordwesten Chinas.
22.10.2020
Kognitive Bausteine der Sprache existierten schon vor 40 Millionen Jahren
Nicht nur Menschen, sondern auch Affen und Menschenaffen erkennen Regeln in komplexen sprachlichen Konstruktionen. Dies haben Sprachwissenschaftler durch Experimente mit einer künstlichen Grammatik herausgefunden. Daraus lässt sich schliessen, dass diese Fähigkeit auf gemeinsame Vorfahren zurückgeht.
21.10.2020
Mehr noch als Fleisch und Milch
Stabile Isotopendaten von Menschen- und Tierknochen zeigen eine sehr effektive Nutzung des vielfältigen Nahrungsangebots im nördlichen Kaukasus und den vorgelagerten Steppen durch bronzezeitliche Viehhalter im heutigen Süden Russlands.
18.10.2020
Madagaskar: Mensch und Klima verursachten Massenaussterben
Die gesamte endemische Megafauna Madagaskars und der östlich davon gelegenen Inselkette der Maskarenen, zu der Mauritius und Rodrigues zählen, wurde im vergangenen Jahrtausend ausgerottet.
17.10.2020
Chemische Evolution - Am Anfang war der Zucker
Der Ursprung allen Lebens liegt in organischen Molekülen. Doch wie sind diese aus anorganischen Stoffen entstanden? Der LMU-Chemiker Oliver Trapp berichtet über einen Reaktionsweg, bei dem sich Zucker an Mineralien ohne Wasser bilden.
14.10.2020
Der moderne Mensch kam auf Umwegen nach Europa
Klimatische Bedingungen leiteten die geographische Ausbreitung von Homo sapiens in der Levante vor 43.000 Jahren.
12.10.2020
Reiter wetteiferten vor 3000 Jahren um die ältesten Lederbälle Eurasiens
Wissenschaftler haben in Gräbern von Reitern in Nordwest-China die ältesten Bälle Eurasiens untersucht.
08.10.2020
Forscher rekonstruieren Käfer aus der Kreidezeit
Ein internationales Forscherteam hat vier neu gefundene Exemplare der fossilen Käfer Mysteriomorphidae mithilfe der Computertomographie untersucht und weitestgehend rekonstruieren können. Die Ergebnisse lassen Rückschlüsse auf die Evolution der Arten während der Kreidezeit zu.