Johann Gottfried Wetzstein


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Johann Gottfried Wetzstein

Johann Gottfried „Fritz“ Wetzstein (* 19. Februar 1815 in Oelsnitz im Vogtland; † 18. Januar 1905 in Berlin) war ein deutscher Diplomat und Orientalist.

Leben

Grab auf dem Friedhof II der Sophiengemeinde in Berlin

Wetzstein lernte am Königlichen Gymnasium in Plauen und absolvierte sein Abitur an der Thomasschule zu Leipzig.[1] Er bezog 1836 die Universität Leipzig, wo er evangelische Theologie und bei Heinrich Leberecht Fleischer semitische Sprachen studierte. Er wurde 1840 zum Dr. phil. promoviert. 1843 ging er nach Oxford, um die Schätze der dortigen „Bodleian Library“ zu benutzen, wurde 1846 Dozent der arabischen Sprachen an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin und von 1849 bis 1861 preußischer Konsul in Damaskus.

Als solcher machte er sich um das Zustandekommen des Friedens zwischen den Drusen des Dschebel ad-Duruz im östlichen Teil des Hauran und der türkischen Regierung verdient. 1860 trat er erfolgreich für die verfolgten Christen ein. Als Wissenschaftler hielt er das Syrisch-Arabische fest. Er stand im engen Schriftverkehr mit Paul Ascherson, Alexander von Humboldt, Friedrich Delitzsch, Carl Ritter und Gustav Nachtigal.[2]

Er kehrte 1862 nach Europa zurück und nahm seinen Wohnsitz in Berlin. Als Privatdozent lehrte er von 1867 bis 1875 an der Berliner Universität und der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. Außerdem beriet er die Regierung Bismarck. So reiste er während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 mit dem Afrikaforscher Gerhard Rohlfs als preußischer Agent nach Tunesien, um von dort aus algerische Berberstämme zum Aufstand gegen Frankreich zu ermutigen. Die Mission scheiterte, da die französische Abwehr früh von den Absichten erfuhr sowie an der völligen Fehleinschätzung der Lage vor Ort.[3]

Wetzstein liegt auf dem Friedhof II der Sophiengemeinde Berlin begraben. Zu seinen Ehren wurde die „Dr. Johann Gottfried Wetzstein Stiftung“ ins Leben gerufen. Zahlreiche Manuskripte befinden sich heute in der Staatsbibliothek zu Berlin sowie den Universitäten in Leipzig und Tübingen.

Werke(Auswahl)

  • Reisebericht über Hauran und die Trachonen nebst einem Anhange über die sabäischen Denkmäler in Ostsyrien. Verlag von Dietrich Reimer, Berlin 1860. (Online bei Internet Archive)
  • Vorlesungen über die neuarabische Sprache. Berlin 1868.
  • Ausgewählte griechische und lateinische Inschriften, gesammelt auf Reisen in den Trachonen und um das Haurângebirge. Philologische und historische Abhandlungen der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Berlin 1864, S. 255–368
  • Sprachliches aus den Zeltlagern der syrischen Wüste. Leipzig 1868. (Online bei der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt)
  • Das batanäische Giebelgebirge: Excurs über Ps. 68,16 zu Delitzsch' Psalmencommentar . Leipzig 1884

Literatur

  • Ingeborg Huhn: Der Orientalist Johann Gottfried Wetzstein als preußischer Konsul in Damaskus (1849–1861): dargestellt nach seinen hinterlassenen Papieren. Islamkundliche Untersuchungen Bd. 136. Berlin: Schwarz, 1989. ISBN 3-922968-89-9
  • Ingeborg Huhn: Der Nachlass des Orientalisten Johann Gottfried Wetzstein in der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin - Preussischer Kulturbesitz. Kataloge der Handschriftenabteilung: Reihe 2, Nachlässe Bd. 9. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2006
  • Gerhard Küchler: Johann Gottfried Wetzstein. Königlich Preußischer Konsul in Damaskus 1848-1862, Orientalist und Freund Alexander von Humboldts. in: Jahrbuch für Brandenburgische Landesgeschichte 29 (1978), S. 7-24.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Ingeborg Huhn: Der Nachlass des Orientalisten Johann Gottfried Wetzstein in der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin - Preussischer Kulturbesitz. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2006, S. 11.
  2. Im 100. Todesjahr Johann Gottfried Wetzsteins: Orientabteilung erinnert an Diplomaten und Forscher.
  3. Peter Heine: Das Rohlfs/Wetzstein-Unternehmen in Tunis während des deutsch-französischen Krieges 1870/71. In: Die Welt des Islams 22 (1982), S. 61-66.

Weblinks

 Wikisource: Johann Gottfried Wetzstein – Quellen und Volltexte
Meyers Konversationslexikons logo.svg Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890.
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