Joan du Plat Taylor


Joan Mabel Frederica du Plat Taylor (* 26. Juni 1906 in Glasgow, Schottland; † 21. Mai 1983 wohl in London) war eine britische Archäologin und Pionierin der Unterwasserarchäologie.

Leben

Sie entstammte dem französischen Adelsgeschlecht du Plat, dessen erster Vertreter in Deutschland Pierre Joseph du Plat (1657-1709) war, Stammvater der hannoverschen Linie. Mitglieder dieser deutschen Linie traten wiederum in königlich dänische und britische Dienste. Joan war die Enkelin von John Lowther du Plat Taylor (1829-1904), britischer Colonel und Gründer des Army Post Office Corps und einziges Kind des Lieutenant Colonel St.John Louis Hyde du Plat Taylor DSO (1865-1936) und der Alice Home Purves (1878-1965).

Plat Taylor wurde in den Glasgow Barracks geboren, wo ihr Vater stationiert war. Sie wuchs an der schottischen Grenze in Berwick-upon-Tweed auf.[1] Ihre Mutter versagte ihr eine ordnungsgemäße staatliche Schulbildung, allerdings hatte ihr Vater eine stattliche Bibliothek. Seit 1926 verbrachten ihre Eltern die Wintermonate regelmäßig auf Zypern. In Nikosia, damals noch ein ländlich strukturierter Ort, baute sich die Familie ein kleines Haus mit Stall, und Joan verbrachte ihre Zeit mit Reiten und den Hunden, mit Tennis und Golf. In diesen Jahren - während des Ersten Weltkrieges waren die archäologischen Forschungen auf Zypern gestoppt worden - begann man dort wieder verstärkt mit Ausgrabungen.

In den Jahren 1927 bis 1931 traf Plat Taylor auf den schwedischen Archäologen Einar Gjerstad (1897–1988), wurde von ihm in die Archäologie eingeführt und begann, als Volunteer ehrenamtlich im Cyprus Museum zu arbeiten. Sie wurde im Museumsladen und als örtliche Reiseleiterin eingesetzt. So kam Plat Taylor eher zufällig zur Archäologie, bildete sich aber in den Folgejahren autodidaktisch zu einer der ersten Meeresarchäologen aus. Von 1932 bis 1939 war sie Assistant Curator des Cyprus Museum.

Von 1945 bis zu ihrer Pensionierung 1970 war sie hauptberuflich Bibliothekarin des Institute of Archaeology an der Universität London, das sich durch Plat Taylor überhaupt erst der Unterwasserarchäologie zuwandte und dessen Bibliothek sie gründete. Mit ihrer Forschungsarbeit und ihren Ausgrabungen machte sie die Meeresarchäologie zu einer eigenständigen Wissenschaft.

Plat Taylor gründete 1964 den Council for Nautical Archaeology, leitete seit 1967 für die British School at Rome Ausgrabungen in Gravina di Puglia (Botromagno), von 1972 bis 1980 war sie Gründungsherausgeberin des The International Journal of Nautical Archaeology (IJNA). Sie anerkannte, dass auch Amateure Bedeutsames zur Archäologie beitragen können und schuf Grundlagen zu deren Ansporn und Ausbildung. Sie war der erste Präsident der Nautical Archaeology Society. Außerdem gründete Plat Taylor eine Stiftung zur Förderung von Veröffentlichungen meeresärchäologischer Forschungsergebnisse, förderte viele Meeresarchäologen und deren Forschungsprojekte. Seit ihrem Tod vergibt die Nautical Archaeology Society den nach ihr benannten Joan du Plat Taylor Award.1976 erhielt sie den Ehrendoktor der University of Pennsylvania.

Plat Taylor galt als „äußerst gut organisierte Person mit der besonderen Fähigkeit, auch andere Menschen für ihre Zwecke zu begeistern und einzusetzen“.[2] Sie starb unverheiratet 1983 an Leberkrebs.

Zum 75-jährigen Bestehen des Londoner Institute of Archeology im Jahr 2012 erforschen Joe Flatman und Katie Meheux gemeinsam das Leben und Werk von Joan du Plat.[3]

Literatur

  • Nicolle Hirschfeld: Joan Mabel Frederica du Plat Taylor, 1906–1983, ausführliche Biografie mit Werksverzeichnis (pdf-Datei)
  • Barbara Kling, James David Muhly: Joan du Plat Taylor's excavations at the Late Bronze Age mining settlement at Apliki Karamallos, Studies in Mediterranean archaeology, Paul Åströms Förlag, 2007, ISBN 9170812268 bzw. ISBN 9789170812262

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Alastair Small (Hrsg.): An Iron Age and Roman Republican settlement on Botromagno, Gravina di Puglia. Excavations of 1965-1974, Band 1, British School at Rome Archaeological Monographs, 1992, Seite VIIf. (Auszug)
  2. Alastair Small (Hrsg.): An Iron Age and Roman Republican settlement on Botromagno, 1992, Seite IX
  3. Joan du Plat Taylor Project

Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages

Elemente:

,

02.03.2021
Wie sind Hunde nach Amerika gekommen?
Forscher analysierten das mitochondriale Genom des Hundes und kamen zu dem Schluss, dass das Tier zu einer Linie von Hunden gehörte, deren Entwicklungsgeschichte bereits vor 16.700 Jahren von der der sibirischen Hunde abwich.
18.02.2021
Neandertaler-Gene und Covid-19 Verläufe
Letztes Jahr entdeckten Forscher, dass wir den wichtigsten genetischen Risikofaktor für einen schweren Verlauf der Krankheit Covid-19 vom Neandertaler geerbt haben.
29.01.2021
Als Flüsse durch eine grüne Sahara flossen
Große Teile der heutigen Sahara-Wüste waren vor Tausenden von Jahren grün.
29.01.2021
Beweglicher Daumen ebnete den Weg zur menschlichen Kultur
Präzise Greifen und grazilere Werkzeuge herstellen: Vor rund zwei Millionen Jahren verschaffte ihre bessere Feinmotorik den ersten Menschen einen evolutionären Vorteil
23.01.2021
Befreundete Schimpansen kämpfen gemeinsam gegen Rivalen
Menschen kooperieren in großen Gruppen miteinander, um Territorien zu verteidigen oder Krieg zu führen.
21.01.2021
Über 18.000 Funde: Forschungsgrabung in Untermaßfeld abgeschlossen
Seit vier Jahrzehnten wird in der thüringischen Wirbeltierfundstelle Untermaßfeld regelmäßig ausgegraben.
21.01.2021
Was das Genom des Lungenfischs über die Landeroberung der Wirbeltiere verrät
Das vollständig sequenzierte Genom des Australischen Lungenfisches ist das größte sequenzierte Tiergenom und hilft, den Landgang der Wirbeltiere besser zu verstehen – Evolutionsbiologen der Universität Konstanz sind maßgeblich beteiligt
21.01.2021
Alte DNA gibt Aufschluss über die Besiedlung der Marianeninseln
Im Vergleich zur Erstbesiedlung Polynesiens hat die Besiedlung der Marianen im Westpazifik vor etwa 3.500 Jahren bisher nur wenig Beachtung gefunden.
21.01.2021
Asiatische Gewürze erreichten den Mittelmeerraum vor mehr als 3000 Jahren
Der LMU-Archäologe Philipp Stockhammer fand Hinweise über asiatische Gewürze wie Kurkuma und Früchte wie die Banane im Mittelmeerraum schon viel früher als bislang gedacht.
10.12.2020
Fossilien zeigen Folgen der Ozeanerwärmung auf
Forschende aus Berlin und Großbritannien haben die ökologischen Auswirkungen einer raschen und ungewöhnlich intensiven Phase der Klimaerwärmung während der Jurazeit vor etwa 182 Millionen Jahren auf die Meeresfauna erforscht.
03.12.2020
Das älteste “Ortsnamenschild” der Welt
Wissenschaftler der Universität Bonn haben zusammen mit dem Ägyptischen Antikenministerium das älteste Ortsnamenschild der Welt entschlüsselt.
30.11.2020
Der Popa-Langur: ein neu entdeckter Affe aus Asien
Erbgutanalysen, unter anderem an hundert Jahre altem Museumsexemplar, erlauben Einblick in die Evolutionsgeschichte der Haubenlanguren.
25.11.2020
Treue Paare im Regenwald
Rote Springaffen verzichten auf Seitensprünge.
24.11.2020
Manche mögen‘s heiß: Globale Erwärmung als Motor für Evolution der Langhalssaurier
Ein internationales Paläontologen-Team, zu dem auch SNSB-Forscher Oliver Rauhut gehört, findet Belege für einen raschen Klimawandel vor 180 Millionen Jahren als Ursache für die Ausbreitung der weithin bekannten Langhalssaurier (Sauropoden).
03.11.2020
Neanderthaler-Mütter stillten nach fünf bis sechs Monaten ab
Als Grund für das Aussterben der Neanderthaler vermuten einige Forscher, dass die damaligen Mütter ihre Säuglinge lange stillten und die Säuglinge so nicht früh genug vielfältige Nährstoffe für eine Höherentwicklung des Gehirns erhielten.
31.10.2020
Populationsgeschichte der Hunde deckt sich nur teilweise mit der des Menschen
Wissenschaftler haben die Genome von bis zu 10.900 Jahre alten Hunden untersucht und zeigen, dass die Populationsgeschichte der prähistorischen Hunde sich nur teilweise mit der des Menschen deckt.
30.10.2020
Denisovaner-DNA im Erbgut früher Ostasiaten
Forschende des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und der Mongolischen Akademie der Wissenschaften haben das Genom des ältesten menschlichen Fossils, das bis jetzt in der Mongolei gefunden wurde, analysiert: Die 34.000 Jahre alte Frau hatte rund 25 Prozent ihrer DNA von Westeurasiern geerbt.
24.10.2020
Bissspuren und ausgefallene Zähne bringen Licht ins Fressverhalten von Dinosauriern
Forscherteam der Universität Tübingen untersucht 160 Millionen Jahre alten Fressplatz im Nordwesten Chinas.
22.10.2020
Kognitive Bausteine der Sprache existierten schon vor 40 Millionen Jahren
Nicht nur Menschen, sondern auch Affen und Menschenaffen erkennen Regeln in komplexen sprachlichen Konstruktionen. Dies haben Sprachwissenschaftler durch Experimente mit einer künstlichen Grammatik herausgefunden. Daraus lässt sich schliessen, dass diese Fähigkeit auf gemeinsame Vorfahren zurückgeht.
21.10.2020
Mehr noch als Fleisch und Milch
Stabile Isotopendaten von Menschen- und Tierknochen zeigen eine sehr effektive Nutzung des vielfältigen Nahrungsangebots im nördlichen Kaukasus und den vorgelagerten Steppen durch bronzezeitliche Viehhalter im heutigen Süden Russlands.
18.10.2020
Madagaskar: Mensch und Klima verursachten Massenaussterben
Die gesamte endemische Megafauna Madagaskars und der östlich davon gelegenen Inselkette der Maskarenen, zu der Mauritius und Rodrigues zählen, wurde im vergangenen Jahrtausend ausgerottet.
17.10.2020
Chemische Evolution - Am Anfang war der Zucker
Der Ursprung allen Lebens liegt in organischen Molekülen. Doch wie sind diese aus anorganischen Stoffen entstanden? Der LMU-Chemiker Oliver Trapp berichtet über einen Reaktionsweg, bei dem sich Zucker an Mineralien ohne Wasser bilden.
14.10.2020
Der moderne Mensch kam auf Umwegen nach Europa
Klimatische Bedingungen leiteten die geographische Ausbreitung von Homo sapiens in der Levante vor 43.000 Jahren.
12.10.2020
Reiter wetteiferten vor 3000 Jahren um die ältesten Lederbälle Eurasiens
Wissenschaftler haben in Gräbern von Reitern in Nordwest-China die ältesten Bälle Eurasiens untersucht.
08.10.2020
Forscher rekonstruieren Käfer aus der Kreidezeit
Ein internationales Forscherteam hat vier neu gefundene Exemplare der fossilen Käfer Mysteriomorphidae mithilfe der Computertomographie untersucht und weitestgehend rekonstruieren können. Die Ergebnisse lassen Rückschlüsse auf die Evolution der Arten während der Kreidezeit zu.