Joachim Jeremias (* 20. September 1900 in Dresden; † 6. September 1979 in Tübingen) war lutherischer Theologe und Orientalist sowie Abt des Klosters Bursfelde.

Leben

Joachim Jeremias lebte von 1910 bis 1915 in Jerusalem, weil sein Vater, Friedrich Jeremias, dort Propst der evangelisch-lutherischen Erlöserkirche war. 1922 und 1923 schloss er seine Studien der Theologie und der orientalischen Sprachen mit je einer Doktorprüfung ab (erwarb also die Titel Dr. phil. und Dr. theol.). Es folgte eine Zeit als Repetent am Theologischen Seminar der Brüdergemeine in Herrnhut und als Dozent in Riga.

Nach seiner Habilitation im Fach Neues Testament in Leipzig (1925) wurde er erst außerordentlicher Professor und Direktor des Institutum Judaicum Berlin, dann Professor in Greifswald (1929).

Schließlich wechselte er im Jahr 1935 nach Göttingen, wo er bis zu seiner Emeritierung verblieb. Von 1968 bis 1971 war Jeremias Abt des Klosters Bursfelde im Weserbergland. Seine Söhne sind der Neutestamentler Gert Jeremias und der Alttestamentler Jörg Jeremias.

Seine Forschungen beruhen auf breitem Fachwissen im Bereich der Theologie, Philologie, Geschichte, Geographie und Archäologie. Sein besonderes Bemühen galt der Rekonstruktion der Verkündigung Jesu vor dem Hintergrund des zeitgenössischen Judentums. Dazu kam ihm nicht zuletzt auch die in seiner Kindheit anschaulich erworbenen Kenntnisse der Verhältnisse in Palästina zugute.

Ehrungen

Joachim Jeremias erhielt zahlreiche Ehrungen. So war er Ehrendoktor der Universität Leipzig, der Universität St. Andrews (Schottland), der Universität Uppsala (Schweden) sowie der Universität Oxford. Er war Träger der Burkitt-Medaille der Britischen Akademie für Biblische Studien (London). Er war Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und Vorsitzender von deren Septuaginta-Kommission, Mitglied der Königlich-Niederländischen Akademie der Wissenschaften und Mitglied der Britischen Akademie (London).

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Jerusalem zur Zeit Jesu (1923, seine phil. Dissertation)
  • Die Abendmahlsworte Jesu (1935)
  • Die Gleichnisse Jesu (1947, Taschenbuchausgabe 1965)
  • Unbekannte Jesusworte (1948, Taschenbuchausgabe 1980)
  • Neutestamentliche Theologie. 1. Teil: Die Verkündigung Jesu (1970)

Literatur

  • Jörg Jeremias: Jeremias, Joachim. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 3, Bautz, Herzberg 1992, ISBN 3-88309-035-2, Sp. 51–53.

Weblinks

  • Literatur von und über Joachim Jeremias im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  • Martin Janßen: Jeremias, Joachim. In: Michaela Bauks, Klaus Koenen, Stefan Alkier (Hrsg.): Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex), Stuttgart 2006 ff.
  • Werke im SSG Vorderer Orient digital der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt

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