Jerzy Ficowski


Jerzy Ficowski (2002)
Ficowskis Grab (2006)

Jerzy Ficowski (* 4. Oktober[1] 1924 in Warschau, Polen; † 9. Mai 2006 ebenda) war ein polnischer Schriftsteller, Dichter, Übersetzer und Ethnologe.

Leben

Ficowski ging in Warschau zur Schule. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen diente er als Freiwilliger in der polnischen Heimatarmee Armia Krajowa (AK). 1943 wurde er festgenommen und kam für einige Wochen ins berüchtigte Pawiak-Gefängnis. Ab August 1944 kämpfte Ficowski während des Warschauer Aufstands im Baszta-Regiment gegen die deutschen Besatzer. Zusammen mit anderen Überlebenden des Aufstands kam Ficowski in deutsche Gefangenschaft. Nach Kriegsende kehrte er nach Warschau zurück und studierte an der Universität Warschau Philosophie und Soziologie. Bereits 1948 veröffentlichte er sein erstes poetisches Werk Die Zinnsoldaten.

Um der Verfolgung durch die Staatssicherheit des stalinistischen Systems zu entgehen, tauchte er jahrelang bei einer Roma-Wandersippe unter. Dort erlernte er deren Sprache, erforschte ihre Bräuche und Geschichte [2] und publizierte deren Volksdichtung im Original und in polnischer Übersetzung, u. a. die Gedichte der von ihm seit 1949 geförderten Sängerin Bronisława Wajs, genannt Papusza[3]. Ficowski unterstützte als Berater der polnischen Regierung für „Zigeunerfragen“ die Ansiedlungspolitik, welche die Roma zu bewegen versuchte sesshaft zu werden: zuerst durch Wohnungsangebote und finanziellen Hilfen, später mit Zwang.

Zusammen mit Adam Michnik und Jacek Kuroń war Ficowski im Juni 1976 Mitgründer des oppositionellen KOR-Komitees.

Er war zweimal verheiratet.

Ficowski wurde auf dem militärischen Teil des Nationalfriedhofs Powązki in Warschau begraben. An der Beisetzung nahmen christliche und staatliche Würdenträger, aber auch viele Roma und Juden teil, unter ihnen Michael Szudrich, der Oberrabbiner Polens.

Werke

Ab 1956 erforschte er das Werk des polnisch-jüdischen Dichters Bruno Schulz in Drohobycz und veröffentlichte eine Reihe von Essays, Artikel und Bücher über ihn. Im Jahr 1988 veröffentlichte er die Übertragung des poetischen Werkes von Jizchak Katzenelson über die Ermordung der Juden in Polen. Ebenfalls 1988 erschien die von ihm übertragene Anthologie der jiddischen Volksdichtung in Polen (Rodzynki z migdalami - Rosinen mit Mandeln).

Einzelnachweise

  1. Als Geburtstag wird in manchen Quellen auch der 4. September angegeben.
  2. Ficowski, Jerzy: The Gypsies in Poland. History and Customs, Warsaw 1985.
  3. Ficowski, Jerzy (ed.): Pieśni Papuszy. Papušakere gila, Wroclaw 1956.

Weblinks


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