Jaime do Inso


Datei:Jaime do Inso.jpg
Jaime do Inso als Marineleutnant

Jaime Correira do Inso[1] (* 18. Dezember 1880 in der Freguesia Nossa Senhora da Graça, Kreis Nisa, Distrikt Portalegre, Portugal; † 1967)[2] war ein portugiesischer Marineoffizier, Autor und Orientalist.

Leben

Datei:Pátria em Rio de Janeiro.jpg
Die Offiziere der Pátria in Rio de Janeiro 1906
Datei:Pátria em Timor.jpg
Die Pátria vor Timor 1912

Anfang des 20. Jahrhunderts trat Inso als Fähnrich in die Marineschule ein. Ab 1903 absolvierte er seinen Dienst auf See. An Bord des Truppentransporters África durchquerte er das Mittelmeer und fuhr das erste Mal nach Macao. Die Rückfahrt führte nach Mosambik, Angola und den Kapverden.[2]

1904 wurde Inso zum Kanonenboot Pátria versetzt. Ab dem Frühjahr 1905 war die Pátria Teil des Marinebereichs (Divisão Naval) Südatlantik, deren Basis im angolanischen Luanda war. Neun Monate kartographierte das Kanonenboot die wichtigsten Häfen Brasiliens und fuhr als erstes Kriegsschiff den Amazonas bis nach Manaus hinauf. Mitte 1906 kehrte das Boot nach einem kurzen Aufenthalt auf den Kapverden wieder zurück nach Lissabon. Hier wurde Inso zum Leutnant zweiten Grades befördert. Zurück in Angola diente er ein Jahr im Marinedepot, bevor er zur Pátria zurückkehrte, als Mitglied des Marinekorps.[2] 1908 wurde die Pátria zum Marinestützpunkt Macao zum Einsatz in der Flotte Fernost versetzt. Hier ging sie unter anderem gegen Piraten vor.[3]

Ab 1909 arbeitete Inso für die Annalen des Clube Militar Naval. Er verfaßte mit „Apontamentos sobre Movimentos Atmosféricos“ (Hinweise zur atmosphärischen Bewegungen) einen Artikel, wie Schiffe Wirbelstürme vermeiden könnten. 1910, in dem Jahr als die Monarchie fiel und Portugal Republik wurde, folgte ein Artikel über Mängel in der portugiesischen Marine.[2]

Unter Kommando von Kapitänleutnant Gago Coutinho kam Inso mit der Pátria 1912 nach Portugiesisch-Timor. Detailliert berichtete er in seinem Buch Em Socorro de Timor über die Niederschlagung der Rebellion von Manufahi, an der die Pátria maßgeblich beteiligt war. Für die Verteidigung des Ortes Baucau vom 29. Juni bis 25. Juli erhielt Inso eine Belobigung durch den Kommandeur der Marinestation in Macao. Es folgte noch ein Einsatz gegen Rebellen in Oecusse.[2]

Inso diente im Marinekorps und der Divisão Naval de Instrução e Manobra, später als Garnisonsoffizier des Kreuzers São Gabriel, mit dem er von September bis April 1914 seine letzte Reise nach Angola machte. In diesem Jahr wurde Inso zum Leutnant ersten Grades (1° tenente) befördert. Zum Thema Ballistik und Artillerie veröffentlichte er den Artikel „Preliminares do Tiro“.[2]

Die nächsten acht Jahre verbrachte Inso an Land als Adjutant des Marinekorps, Sektionschef in der Abteilung Repartição da Majoria General da Armada und als Artillerieausbilder an der Marineschule. Dann kam er an Bord der Fregatten D. Fernando II e Glória und der Kreuzer Adamastor und Carvalho Araújo. Die Carvalho Araújo brachte 1922 das Flugzeug von Insos ehemaligen Kommandanten Gago Coutinho,mit dem er als erster den Südatlantik überquert hatte. 1919 war Inso zum Kapitänleutnant (capitão-tenente) befördert.[2]

Mitte 1923 übernahm Inso den Posten des Hafenkapitäns von Vila Real de Santo António, wo er für zwei Jahre blieb. Danach kehrte er wieder nach Macao zurück, wo er für drei Jahre das Kommando über die Pátria in den Gewässern Chinas übernahm, das in dieser Zeit in einen Bürgerkrieg fiel. Für seine Unterstützung spanischer Piloten auf dem Flug von Madrid nach Manilla erhielt Inso 1927 vom spanischen König das Kreuz erster Klasse des Ordens für Verdienste zur See. Es war Insos Abschied von Ostasien.[2][4]

Nach seiner Rückkehr nach Lissabon Mitte 1929, brachte er eine Serie von Chroniken, Reiseberichten und Erzählungen heraus, die ihn bald zu einem der beliebtesten Schriftstellern über die Geschichte Macaos und die Portugiesen in China machte, neben Camilo Pessanha und Wenceslau de Moraes.[2] Dabei tauschte Inso sich auch mit anderen Orientalisten per Brief aus.[4]

Bis 1938 diente Inso immer wieder begrenzt weiter auf See als 1. Offizier auf dem Kreuzer Vasco da Gama und als Kommandant der Fregatte D.Fernando II e Glória. Zwei Jahre lang war er beim Generalkommando der Kriegsflotte Offizialverteidiger beim Marinegericht, später war Inso als Inspektionsoffizier und diente in verschiedenen Kommissionen zu Personalangelegenheiten.[2]

In den 1930ern veröffentlicht Inso zahlreiche Artikel über Macao und China. 1932 erscheint sein Buch A Caminho do Oriente und im Jahr darauf mit Visões da China ein weiteres, indem er verschiedene seiner Artikel zusammenfasst und auch einige bisher unveröffentlichte Briefe von Wenceslau de Moraes abdruckt, die der portugiesische Konsul in Kōbe ihm zwischen 1913 und 1927 geschickt hatte. 1936 folgte in zwölf Bänden das Monumentalwerk China. Die luxuriös gestaltete Edition wurde nur an Abonnenten vergeben und wurde zu einem sehr erfolgreichen Nachschlagewerk über das asiatische Land.[2]

1931 erhielt Inso eine Belobigung vom Marineminister für seinen Beitrag zu einer portugiesischen Kolonialausstellung in Antwerpen. 1933 repräsentierte Inso die Marine auf der Kolonialwoche der Geographischen Gesellschaft in Lissabon. Wieder erhielt er eine Belobigung. Für die Veranstaltung verfaßte Inso einen Artikel für die Annalen der Gesellschaft. In den folgenden Jahren arbeitete er weiter über die Geschichte portugiesischer Kriegsschiffe und den Fernen Osten, so mit dem Thesenpapier A Colonização e o Problema do Oriente Português (Die Kolonisation und das Problem des portugiesischen Orients), das er beim ersten Kolonisationskongress 1934 in Porto vorstellte.[2]

1935 folgte die Beförderung zum Fregattenkapitän (capitão-de-fragata) und die Rückkehr zur Artillerieschule der Marine, mit Basis auf der Fregatte D. Fernando II e Glória. Von Dezember 1937 bis April 1938 fungierte Inso gleichzeitig als Kommandant des Schiffs und Direktor der Schule, bis er voder Forschung zur portugiesischen Marinegeschichte. 1939 wurde Inso per Ministererlass zuständig für Geschichte im Admiralstab. In diesem Jahr beendete er sein Werk A Marinha Portuguesa na Grande Guerra (Die portugiesische Marine im Großen Krieg), das er bereits seit 1937 in einzelnen Kapiteln veröffentlichte.[2]

1943 veröffentlichte Inso mit Arte de Navegar ein Werk, in dem er über Navigation und die menschliche Psychologie in Bezug auf die Seeschifffahrt schrieb. 1947 folgte ein Artikel mit dem Titel Os Genários in der Zeitung Diário de Notícias. Hier widmete sich Inso mehr einer soziologischen Studie über Männer, die das 50. Lebensjahr „umschifft“ hatten.[2]

1947 wurde Inso Leiter der Marinebibliothek und des damals angeschlossenen Marinemuseums, während er gleichzeitig Mitglied des Marinestabes war. Zwischen 1950 und 1957 war er außerdem jedes Jahr Beisitzer der Kommission zur Abfassung der Marineannalen. 1953 verfasste Inso für die Zeitschrift Olissipo den Artikel A Estética Histórica-Maritíma da Cidade de Lisboa (Die historisch-maritime Ästhetik der Stadt Lissabon) und 1964 Nossa Senhora de Penha de França na Evocação Maritíma ((Die Kirche) Heilige Muttergottes von Penha de Franca in der maritimen Erinnerung).[2]

Das Marinemuseum wurde unter Inso stark erweitert. Er integrierte die Sammlung von Schiffsmodellen, die der Privatmann Henrique Monfroy de Seixas aufgebaut hatte und nach seinem Tod Ende 1947 an das Museum vermachte. Zu Beginn der 1950er war das Museum Teil der Marineschule in der Rua do Arsenal und der dortigen Marinebibliothek angegliedert. Große Teile waren aber auch im Sala do Risco und im Palácio das Laranjeiras untergebracht. 1956 begann Inso, obwohl er 1950 bereits in den Ruhestand versetzt worden war, mit den Planungen, die Sammlung unter einem Dach zusammen zu führen. 1959 erhielt Inso den Titel des Museumsdirektors. Schließlich wurde das Museu de Marinha im August 1962 in seinen heutigen Räumen feierlich eröffnet.[2]

Als Museumsdirektor war Inso außerdem an der Gründung des Planetariums Calouste Gulbenkian 1965 beteiligt. Dazu verfasste er auch in den Clubannalen den Artikel Um planetário desconhecido (Ein unbekanntes Planetarium). 1967 erschien dort auch der Artikel O Museu de Marinha (Das Marinemuseum) mit einer Sammlung von verschiedenen Veröffentlichungen und erläuternden Einzelheiten als einfache Erzählungen über die Marine. Es war das letzte Werk Insos. Im selben Jahr starb er.[2]

Bibliographie

  • Ecos de Macau. Guerra dos Piratas. A Batalha de Lantau. Macao 1912.[2][5]
  • Em Socorro de Timor. Lissabon 1913.
  • Macau, a Jóia do Oriente, Lissabon 1913.
  • Macau : a mais antiga colónia europeia no extremo-oriente. Macao 1929.
  • O caminho do Oriente. Lissabon 1932.
  • Visões da China. Lissabon 1933.
  • China. Lissabon 1936.
  • Mr. Wu. von Louise Jordan, Übersetzung von Jaime do Inso, Lissabon 1936.
  • A Marinha portuguesa na Grande Guerra. 1937.
  • „Timor – 1912“. Neuauflage Lissabon 1939.
  • O Museu de Marinha, conferência promovida pela Comissâo de Estudos Militares da Sociedade de Geograia de Lisboa, realizada na mesma Sociedade no dia 29 le abril de 1949. Lissabon 1950.
  • O caminho do Oriente. Neuauflage vom Instituto Cultural de Macau 1996.
  • Cenas da vida de Macau. Neuauflage vom Instituto Cultural de Macau 1997.
  • A última revolta em Timor 1912. Neuauflage Lissabon 2004, OCLC 68189039.

Einzelnachweise

  1. WorldCat: A Marinha portuguesa na Grande Guerra
  2. 2,00 2,01 2,02 2,03 2,04 2,05 2,06 2,07 2,08 2,09 2,10 2,11 2,12 2,13 2,14 2,15 2,16 2,17 Revista da Armada: Jaime do Inso (portugiesisch), Zugriff am 12. Juni 2012.
  3. Portuguese Gunboat Macau
  4. 4,0 4,1 Macau antigo: Jaime do Inso (1880-1967)
  5. Existir em Macau: Jaime do Inso

Weblinks


Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages

Elemente:

,

21.11.2020
Manche mögen‘s heiß: Globale Erwärmung als Motor für Evolution der Langhalssaurier
Ein internationales Paläontologen-Team, zu dem auch SNSB-Forscher Oliver Rauhut gehört, findet Belege für einen raschen Klimawandel vor 180 Million...
11.11.2020
Der Popa-Langur: ein neu entdeckter Affe aus Asien
Erbgutanalysen, unter anderem an hundert Jahre altem Museumsexemplar, erlauben Einblick in die Evolutionsgeschichte der Haubenlanguren.
03.11.2020
Neanderthaler-Mütter stillten nach fünf bis sechs Monaten ab
Als Grund für das Aussterben der Neanderthaler vermuten einige Forscher, dass die damaligen Mütter ihre Säuglinge lange stillten und die Säuglinge...
31.10.2020
Populationsgeschichte der Hunde deckt sich nur teilweise mit der des Menschen
Wissenschaftler haben die Genome von bis zu 10.900 Jahre alten Hunden untersucht und zeigen, dass die Populationsgeschichte der prähistorischen Hunde...
30.10.2020
Denisovaner-DNA im Erbgut früher Ostasiaten
Forschende des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und der Mongolischen Akademie der Wissenschaften haben das Genom des ältesten me...
24.10.2020
Bissspuren und ausgefallene Zähne bringen Licht ins Fressverhalten von Dinosauriern
Forscherteam der Universität Tübingen untersucht 160 Millionen Jahre alten Fressplatz im Nordwesten Chinas.
22.10.2020
Kognitive Bausteine der Sprache existierten schon vor 40 Millionen Jahren
Nicht nur Menschen, sondern auch Affen und Menschenaffen erkennen Regeln in komplexen sprachlichen Konstruktionen. Dies haben Sprachwissenschaftler du...
21.10.2020
Mehr noch als Fleisch und Milch
Stabile Isotopendaten von Menschen- und Tierknochen zeigen eine sehr effektive Nutzung des vielfältigen Nahrungsangebots im nördlichen Kaukasus und ...
18.10.2020
Madagaskar: Mensch und Klima verursachten Massenaussterben
Die gesamte endemische Megafauna Madagaskars und der östlich davon gelegenen Inselkette der Maskarenen, zu der Mauritius und Rodrigues zählen, wurde...
17.10.2020
Chemische Evolution - Am Anfang war der Zucker
Der Ursprung allen Lebens liegt in organischen Molekülen. Doch wie sind diese aus anorganischen Stoffen entstanden? Der LMU-Chemiker Oliver Trapp ber...
14.10.2020
Der moderne Mensch kam auf Umwegen nach Europa
Klimatische Bedingungen leiteten die geographische Ausbreitung von Homo sapiens in der Levante vor 43.000 Jahren.
12.10.2020
Reiter wetteiferten vor 3000 Jahren um die ältesten Lederbälle Eurasiens
Wissenschaftler haben in Gräbern von Reitern in Nordwest-China die ältesten Bälle Eurasiens untersucht. Gemäss dem internationalen Forscherteam so...
08.10.2020
Forscher rekonstruieren Käfer aus der Kreidezeit
Ein internationales Forscherteam hat vier neu gefundene Exemplare der fossilen Käfer Mysteriomorphidae mithilfe der Computertomographie untersucht un...
01.10.2020
Jagdverhalten säbelzahntragender Raubtiere erforscht
Ein internationales Team von Forschenden aus dem Vereinigten Königreich und Spanien sowie unter Beteiligung vom Museum für Naturkunde in Berlin, unt...
25.09.2020
Vor 120.000 Jahren: Älteste sicher datierte Nachweise von Menschen auf der arabischen Halbinsel
Unter Verwendung hochauflösender paläoökologischer Informationen, die aus versteinerten Fußabdrücken gewonnen wurden, präsentiert eine neue, in ...
25.09.2020
Neandertaler haben männliches Geschlechtschromosom vom modernen Menschen übernommen
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Martin Petr und Janet Kelso vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipz...
21.09.2020
Versteinerte Bäume im Thüringer Wald: Forscherteam entschlüsselt fossile Mikrowelten
Paläontologen des Museums für Naturkunde Chemnitz und der TU Bergakademie Freiberg führen aktuell in Manebach bei Ilmenau wissenschaftliche Grabung...
21.09.2020
Auch Schimpansen leiden ein Leben lang, wenn sie im Kindesalter die Mutter verlieren
Der Tod eines Elternteils ist für ein Kind traumatisch und Waisenkinder leiden häufig für den Rest ihres Lebens unter diesem Verlust – ein verzö...
21.09.2020
Älteste Spermien der Welt
In einem Bernstein entdeckte ein internationales Team von Paläontologen im Inneren eines weiblichen Muschelkrebses 100 Millionen Jahre alte Riesenspe...
17.09.2020
Schimpansenverhalten und -kultur sind in variabler Umwelt am vielfältigsten
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und dem Deutschen Zentrum für integrat...
15.09.2020
Weinpresse aus der Eisenzeit gibt Aufschluss über Bautechnik der Phönizier
Forschungsteam der Universität Tübingen entdeckt seltenen Nachweis der frühen Weinherstellung an der Ausgrabungsstätte Tell el-Burak im Libanon.
09.09.2020
Die älteste Neandertaler-DNA Mittelosteuropas
Ein internationales Team berichtet in einer neuen Studie über das älteste mitochondriale Genom eines Neandertalers aus Mittelosteuropa. Das aus eine...
09.09.2020
Das letzte Zucken der Eiszeit
Ein internationales Team von Forschenden blickt präzise wie nie in das Ende der letzten Eiszeit. Wann und wo genau die Jüngere Dryaszeit begann und ...
03.09.2020
Milchverträglichkeit hat sich in wenigen Tausend Jahren in Mitteleuropa verbreitet
Paläogenetiker der Johannes Gutenberg-Universität Mainz finden nur in wenigen Knochen vom bronzezeitlichen Schlachfeld an der Tollense Hinweise auf ...
03.09.2020
Himmelsscheibe von Nebra wird neu datiert
Bisher galt die Himmelsscheibe von Nebra als frühbronzezeitlich und damit als älteste Himmelsdarstellung der Welt. Archäologen der Goethe-Universit...