Hephaistos übergibt Thetis die Waffen für Achilleus (Innenbild der Namensvase des Erzgießerei-Malers, 490-480 v. Chr.; Altes Museum, Berlin)

Hephaistos ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:ISO15924:97: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), eingedeutscht Hephäst) ist in der griechischen Mythologie der Gott des Feuers, der Schmiedekunst und der Vulkane. Hephaistos entspricht dem späteren römischen Vulcanus. Er gehört zu den zwölf olympischen Gottheiten.

Hephaistos war für das gesamte künstlerische Spektrum der Metallverarbeitung „zuständig“, einschließlich der Herstellung von Geschmeide, Waffen, sakral-rituellen und profanen Gebrauchsgegenständen. Der ihm geweihte Tempel des Hephaistos im Zentrum Athens gehört zu den besterhaltenen griechischen Tempeln.

Mythos

Darstellung des Hephaistos, neo-attisches Relief, Vatikanische Museen
Thetis in der Schmiede des Hephaistos (Fresko aus Pompeji, Archäologisches Nationalmuseum Neapel)

Der Sohn des Zeus[1] und der Hera[2] (oder von Hera in Parthenogenese erzeugt[3]) wurde, da er klein, hässlich und schreiend auf die Welt kam oder bereits lahm war, von seiner Mutter vom Olymp geschleudert[4] und fiel bei der Insel Lemnos in den Okeanos – von manchen antiken Quellen wird die Lahmheit erst durch den Sturz erklärt. Dort wurde er von den Meernymphen Thetis und Eurynome gerettet, gesundgepflegt und aufgezogen. Bei ihnen lernte er die Schmiedekunst und fertigte ihnen Schmuck.[5] Sein Kult war wegen der Vulkantätigkeit dieser Insel von Lemnos ausgegangen, die Römer lokalisierten seine Werkstätte unter dem Ätna.[6]

Erwachsen, schickte er seiner Mutter einen goldenen Thron. Als sich Hera darauf setzte, wurde sie gefesselt und niemand konnte sie befreien.[7] Nachdem die Bemühungen anderer Götter Hephaistos nicht zur Rückkehr auf den Olymp zu bewegen vermochten, berauschte Dionysos Hephaistos mit Wein, band ihn auf einen Esel und transportierte ihn auf den Olymp zurück. Die Rückführung des Hephaistos ist ein Bildmotiv auf zahlreichen Vasen.

Nach einer anderen Darstellung soll Hephaistos bei einem Streit von Zeus und Hera die Mutter unterstützt haben, worauf ihn der Vater am Fuß packte und vom Olymp herabwarf. Ein thrakischer Volksstamm, die Sintoi, der nach Lemnos ausgewandert war (dort fiel Hephaistos ins Meer), pflegte ihn gesund,[8] aber ein Hinken blieb.

Zur Versöhnung beschloss Zeus, ihm Aphrodite zur Frau zu geben. Doch Aphrodite betrog ihn unter anderem mit Ares. Hephaistos erfuhr davon und fertigte ein kunstvolles, unzerstörbares Netz, das er am ehelichen Bette befestigte. Als sich – so berichtet es Homer[9] – Aphrodite und Ares in dem Bett vergnügten, wurden sie in diesem Netz gefangen, und Hephaistos rief die anderen Götter herbei, die bei dem Anblick in ein schallendes Gelächter ausbrachen, das sprichwörtliche „Homerische Gelächter“. Daraufhin trennten sich Hephaistos und Aphrodite.

Die Werkstätten des Hephaistos befanden sich unter dem Vulkanon auf Lemnos, wo die Zyklopen seine Schmiedegesellen waren. Weitere Gehilfen waren Bia (= Kraft) und Kratos (= Stärke).

Als Geburtshelfer erwies er sich, als Athena dem Kopf des Zeus entsprang („Hephaistosschlag“). Als Dank soll ihm Zeus Athena als Braut zugedacht haben. Athena verschwand jedoch; als Hephaistos sie eingeholt hatte und sich mit ihr vereinigen wollte, fiel laut der Bibliotheke des Apollodor sein Samen auf den Schenkel der Göttin, die ihn mit einem danach auf die Erde geworfenen Wollfetzen ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:149: attempt to index field 'data' (a nil value)) wegwischte.[10] So wurde Erichthonios, der legendäre Held der Athener, von Gaia („Erde“) geboren. Nach Augustinus, der eine andere volksetymologische Namenserklärung bietet, stammt der Namensbestandteil Eri- von {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:149: attempt to index field 'data' (a nil value) – dem Streit zwischen Hephaistos und Athena.[11] Auch die Aglaia, eine der drei Chariten (Töchter des Zeus und der Eurynome), soll der „ruhmreiche Hinkfuß“ Hephaistos geschwängert haben. Hesiod verschweigt allerdings den Namen des Kindes.[12]

Als sein Kind gilt der Bildhauer Ardalos[13], zudem der keulenschwingende Räuber Periphetes, den Theseus erschlug.[14]

Werke des Hephaistos

In seiner unterirdischen Schmiede fertigt Hephaistos seine berühmtesten Werke, die Attribute der Götter und Waffen von Helden:

  • zwei mechanische (goldene) Dienerinnen[15]
  • Tor des Palastes und eherne Hallen auf dem Olymp als Wohnung der Götter[16]
  • Thron für Hera mit unsichtbarer Fessel[17]
  • Zepter[18] und Donnerkeil für Zeus
  • den Wagen des Helios
  • der Halsschmuck der Harmonia[19]
  • die Aigis der Athena
  • die Feuerspeienden Stiere des Aietes (im Auftrag von Zeus)[20]
  • Gestalt der Pandora (als Gattin für Epimetheus)[21]
  • Bogen der Artemis
  • Pfeile für Apollon und Artemis[22]
  • Fangnetz für seine mit Ares untreue Gattin Aphrodite[23]
  • Kette, um Prometheus an den Kaukasus zu fesseln[24]
  • die Rüstung des Ares
  • Waffen und Schild des Achilles (im Auftrag der Thetis)[25]
  • Schild des Aeneas (im Auftrag der Aphrodite)
  • Talos, den Bronzeriesen, der Kreta bewachte[26]
  • Zweizack des Hades
  • Dreizack des Poseidon

Schmiedegötter in anderen Kulturen

Hephaistos ist der einzige Handarbeiter unter den olympischen Gottheiten. Das könnte auf eine religiöse Bedeutung der Schmiedekunst weisen. Der Topos vom „Schmiedegott“ kommt auch in der finnischen Mythologie vor (Ilmarinen), und ein „lahmer Schmied“ erscheint in der germanischen Sage (Wieland der Schmied). Dies hat zu der Vermutung geführt, es handle sich hier um ein europäisches Wandermotiv. Die Brüder Grimm fanden eine Ähnlichkeit zum nordischen Loki. Wahrscheinlicher ist jedoch eine Verwandtschaft zu kleinasiatischen und syrischen Schmiedegöttern, wie Pygmalion, Kinyras und Kothar.

Siehe den Hauptartikel: Schmied in der Kultur.

Kunst

Der schmiedende Hephaistos wird in der bildenden Kunst auch nach der Antike noch oft dargestellt, beispielsweise von Tintoretto, Bassano, Rubens, Tiepolo, Velázquez und van Dyck.

Literatur

  • Frank Brommer: Die kleinasiatischen Münzen mit Hephaistos. In: Chiron. Band 2, 1972, S. 531–544.
  • Frank Brommer: Hephaistos. Der Schmiedegott in der antiken Kunst. von Zabern, Mainz 1978, ISBN 3-8053-0334-3.
  • Marie Delcourt: Héphaistos ou la légende du magicien. Belles Lettres, Paris 1957, ISBN 2-251-33414-9.
  • Antoine Hermary, Anne Jaquemin: Hephaistos. In: Lexicon Iconographicum Mythologiae Classicae (LIMC). Band IV, Zürich/München 1988, S. 627–654.
  • Klaus Junker, Sabrina Strohwald: Götter als Erfinder. Die Entstehung der Kultur in der griechischen Kunst. von Zabern, Darmstadt/Mainz 2012, ISBN 978-3-8053-4479-1.
  • Ludolf Malten: Hephaistos. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band VIII,1, Stuttgart 1912, Sp. 311–366.
  • Ruth Neubauer-Petzoldt: Hephaistos. In: Maria Moog-Grünewald (Hrsg.): Mythenrezeption. Die antike Mythologie in Literatur, Musik und Kunst von den Anfängen bis zur Gegenwart (= Der Neue Pauly. Supplemente. Band 5). Metzler, Stuttgart/Weimar 2008, ISBN 978-3-476-02032-1, S. 318–321.
  • Adolf Rapp: Hephaistos. In: Wilhelm Heinrich Roscher (Hrsg.): Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Band 1,2, Leipzig 1890, Sp. 2036–2074 (Digitalisat).

Weblinks

Commons: Hephaestus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Homer, Ilias 1,578
  2. Homer,Ilias 1, 572
  3. Hesiod, Theogonie 927–928
  4. Homer, Ilias 18,394–397
  5. Homer, Ilias 18,397–405
  6. Vergil, Äneis 8,440
  7. Vgl. Hyginus, Fabulae 166
  8. Homer, Ilias 1,590–594
  9. Homer, Odyssee 8,266–366
  10. Bibliotheke des Apollodor 3,14,6
  11. Augustinus, De civitate Dei 18,12,10
  12. Hesiod, Theogonie 64; 945–946
  13. Pausanias 2,31,3
  14. Pausanias 2,1,4; Bibliotheke des Apollodor 3,16,1; Ovid, Metamorphosen 7,437
  15. Homer, Ilias 18,417–420
  16. Homer, Ilias 1,607–608
  17. Hyginus, Fabulae 166
  18. Homer, Ilias 2,100–107
  19. Bibliotheke des Apollodor 3,4,2
  20. Bibliotheke des Apollodor 1,9,23
  21. Hesiod, Werke und Tage 47–105
  22. Hyginus, Fabulae 140
  23. Homer, Odyssee 8,272–275; Ovid, Metamorphosen 4,173–179
  24. Aischylos, Prometheus 3–6
  25. Homer, Ilias 18,478–482
  26. Bibliotheke des Apollodor 1,9,26

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