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Heinrich Menu von Minutoli


Johann Heinrich Karl Menu, seit 1820 Freiherr von Minutoli (* 12. Mai 1772 in Genf; † 16. September 1846 in Berlin) war ein preußischer Offizier, zuletzt Generalleutnant sowie Prinzenerzieher, Entdecker und Altertumsforscher.

Herkunft

Die Familie Minutoli stammte ursprünglich aus Lucca und wanderte im 17. Jahrhundert in die Schweiz aus. Heinrich war der Sohn von Daniel von Minutoli (1701-1811) und dessen Ehefrau Isabelle, geborene von Lucadou (1739-1816).

Leben

Johann Heinrich Karl Menu erhielt zunächst Privatunterricht, besuchte dann von 1782 bis 1784 das Gymnasium in Karlsruhe, wurde anschließend von einem österreichischen Ingenieurhauptmann in militärischen Dingen ausgebildet und trat 1786 mit vierzehn Jahren in den preußischen Militärdienst ein, auf Vermittlung seines Onkels Ludwig Moritz von Lucadou, eines preußischen Hauptmanns und späteren Generalmajors. Er diente zwei Jahre als Bombardier beim Feldartilleriekorps, erhielt dann ab 1789 eine Offiziersausbildung in dem bei Magdeburg stationierten Füsilierbataillon „von Legat“ Nr. 20. Da ihn die Kadettenausbildung geistig nicht befriedigte, lernte er während dieser Zeit zusätzlich auch Griechisch, Latein, Italienisch und Englisch. Am 17. Mai 1790 wurde Minutoli zum Sekondeleutnant befördert. Er nahm dann 1792/93 am Feldzug gegen Frankreich teil und kämpfte bei Pirmasens, am Schänzel sowie beim Sturm auf Bitsch. Hierbei wurde er schwer verwundet und blieb bis an sein Lebensende infolge dieser Verwundung im Gebrauch des rechten Armes behindert.

Aus diesem Grund wurde er 1794 als Stabskapitän, Lehrer und Ausbilder an das Adelige Kadettenkorps in Berlin berufen, seit 1797 amtierte er als Leiter der Ausbildung. Neben Ernst von Rüchel, Gerhard von Scharnhorst, Albrecht Karl von Hake, Georg Ludwig von Reinbaben, Friedrich Wilhelm Freiherr von Aderkas, den Brüdern Reinhold und Moritz von Schoeler, den Professoren Christian Kufahl und Christian August Stützer war er Gründungsmitglied der Militairischen Gesellschaft; er zählte neben General Rüchel zu den ersten Verfechtern der Allgemeinen Wehrpflicht.

1810 ernannte ihn Friedrich Wilhelm III. zum Erzieher des neunjährigen Prinzen Carl. Diese Stellung bekleidete er bis zum 11. März 1820.

Restitutionsstein auf dem Alten Garnisonfriedhof in Berlin-Mitte

Minutoli war stark an der Altertumskunde interessiert. Nachdem Prinz Carl die Volljährigkeit erreicht hatte, unternahm Minutoli zahlreiche Auslandsreisen. 1820 wurde er mit der Leitung der Expedition betraut, die bis August 1821 auf Kosten der Regierung Ägypten bereiste. Es begleiteten ihn unter anderem die Naturforscher Wilhelm Friedrich Hemprich und Christian Gottfried Ehrenberg, der Architekt Ludwig Theodor Liman, der nach der Ankunft in Alexandria am 13. Dezember 1820 an den Strapazen der Reise verstarb, und der Orientalist und Theologe Johann Martin Augustin Scholz, der sich dort von der Gesellschaft trennte und nach Kairo einschiffte. Bei der Rückkehr ging der größere Teil der Sammlungen Minutolis, 97 Kisten, bei der Verschiffung von Triest nach Hamburg verloren, als der für den Transport gecharterte Segler "Gottfried" in der Nacht zum 12. März 1822 in der Elbmündung in einem Orkan sank. Nur 20 Kisten, die auf dem Landweg transportiert wurden, erreichten Berlin. Sie wurden vom König von Preußen für 22.000 Taler angekauft und bildeten den Grundstock des neuen Ägyptischen Museums Berlin. Minutoli wurde zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften ernannt, nahm bald darauf mit dem Titel eines Generalleutnants seine Entlassung und zog sich auf eine Besitzung bei Lausanne zurück. Er wurde auf dem Alten Garnisonfriedhof in Berlin-Mitte beigesetzt.

Für seine Verdienste erhielt Minutoli am 2. Dezember 1845 den Roten Adlerorden I. Klasse. Außerdem war er seit 1820 Ehren- und Rechtsritter des Johanniterordens.

Familie

Minutoli heiratete 1801 Charlotte von Woldeck (1781–1863) die Tochter des Generalleutnantn Alexander Friedrich von Woldeck (1720-1795) und Luise Ernestine von Weltzien(1766–1834). Er hatte mit ihr drei Söhne:

  • Adolph, Hofmarschall in Meiningen
  • Julius u.a. Berliner Polizeipräsident und Gesandter am Persischen Hof
  • Alexander Kunstsammler.

1812 ließ er sich scheiden und heiratete 1820 in Triest die Gräfin Wolfardine von der Schulenburg, die ihn auf seiner Expedition nach Ägypten begleitete und einen Reisebericht verfasste, der in mehreren Übersetzungen erschien.

Werke

  • Militärische Erinnerungen aus dem Tagebuche des Generallieutenants von Minutoli. Druck und Verlag von Ferdinand Reichardt u. Co., Berlin 1845 Digitalisat bei Google Books
  • Der Feldzug der Verbündeten in Frankreich im Jahre 1792. Striese, Berlin 1847
  • Beiträge zu einer künftigen Biographie Friedrich Wilhelms III. so wie einiger Staatsdiener und Beamten seiner nächsten Umgebung. Aus eigener Erfahrung und mündlich verbürgten Mittheilungen zusammengetragen. Mittler, Berlin 1843–44
  • Der Graf von Haugwitz und Job von Witzleben. Eine Zugabe zu meiner Schrift, betitelt: Beiträge zu einer künftigen Biographie Friedrich Wilhelms III. so wie einiger Staatsdiener und Beamten seiner nächsten Umgebung. Logier, Berlin 1844
  • Über antike Glasmosaik. Berlin 1814
  • Reise zum Tempel des Jupiter Ammon und nach Oberägypten. Berlin 1824 (mit Atlas)
  • Über die Anfertigung und Nutzanwendung der farbigen Gläser bei den Alten. 1837
  • Friedrich u. Napoleon. Berlin 1840

Literatur

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