Hermann Scherenberg († 21.08.1897). / Public domain

Heinrich Kurz (Literaturhistoriker)


Heinrich Kurz, 1871.

Heinrich Kurz (* 28. April 1805 in Paris; † 24. Februar 1873 in Aarau) war ein deutsch-schweizerischer Literaturhistoriker, Sinologe, Übersetzer und Bibliothekar.

Leben

Heinrich Kurz wurde in Paris als Sohn des deutschen Schuhmachers Johann Georg Kurz und dessen französischer Ehefrau geboren. Nach dem Tod seines Vaters 1816 kam er zu seinem Onkel nach Hof und besuchte später ein Gymnasium. Ab 1824 studierte er an der Universität Leipzig mit wenig Neigung Theologie. Während seines Studiums wurde er 1824 Mitglied der Alten Leipziger Burschenschaft. Nachdem er wegen seiner Verwicklung in burschenschaftliche Aktivitäten relegiert worden war, erfolgte in München ein Studium der orientalische Sprachen. Nach der Ablegung des Doktorats begab er sich 1827 zur Weiterbildung in seine Geburtsstadt Paris, wo er im Collège de France bis 1830 bei Jean-Pierre Abel-Rémusat die chinesische Sprache erlernte und bald Abhandlungen über das Chinesische sowie Übersetzungen veröffentlichte. Von 1832 an lehrte er als Privatdozent in München chinesische Sprache und gab Die Zeit, eine liberale oppositionelle Zeitschrift, heraus, was ihm eine Verurteilung wegen Majestätsbeleidigung und eine Haftstrafe von zwei Jahren eintrug.[1] Im Gefängnis übersetzte er zwei chinesische Werke (1836 in St. Gallen veröffentlicht).

Nach seiner Freilassung emigrierte Kurz 1834 in die Schweiz, wo er eine Anstellung als Lehrer für deutsche Sprache und Literatur an der Kantonsschule in St. Gallen erhielt. 1838 heiratete er Barbara Sophia Amsler, die Tochter des Rechtsanwalts und aargauischen Regierungsrats Johannes Amsler, und erwarb das Bürgerrecht der Gemeinde Schwamendingen.[1]

1839 wechselte Kurz als Lehrer für deutsche Sprache an die Kantonsschule Aarau, wo er bis zu seiner krankheitsbedingten Pensionierung 1866 verblieb. 1844 wurde er zusätzlich zu seinem Lehramt Stellvertreter und 1846 Nachfolger des Kantonsbibliothekars Franz Xaver Bronner, eine Stellung, die er bis zu seinem Tod innehatte.[1]

Während seiner Zeit in Aarau wandte sich Kurz mit großem Interesse dem Gebiet der deutschen Literaturgeschichte zu und publizierte zahlreiche Schriften, darunter eine viel beachtete „Geschichte der deutschen Literatur“ mit Proben in vier Bänden. Er gab Anthologien zeitgenössischer Autoren und Ausgaben klassischer Schriftsteller heraus.

Erwin Kurz, das sechste seiner zehn Kinder, war Politiker und vertrat den Kanton Aargau zwanzig Jahre lang im Nationalrat.

Werke (Auswahl)

Literaturhistorische Werke

  • Beiträge zur Geschichte und Literatur: vorzüglich aus den Archiven und Bibliotheken des Kantons Aargau (Aarau, 1846, Digitalisat)
  • Geschichte der deutschen Literatur mit ausgewählten Stücken aus den Werken der vorzüglichsten Schriftsteller (Leipzig, 1853, 3 Bde.)
  • Leitfaden zur Geschichte der deutschen Literatur (Leipzig, 1860 Digitalisat 4. Auflage)

Anthologien

  • Handbuch der poetischen Nationallitteratur der Deutschen seit Haller (Zürich 1840–1843, 3 Bde.)
  • Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit (Zürich 1845–52, 3 Bde.)
  • Die Schweiz. Land Volk und Geschichte in ausgewählten Dichtungen (Bern 1853, Digitalisat)
  • Schweizerische Erzählungen (Zürich 1860, Digitalisat)
  • Blumenlese aus den neuern schweizerischen Dichtern (Zürich 1860, Digitalisat)
  • "Bibliothek der Deutschen Nationalliteratur", (Hildburghausen) u.a. mit "Lessings Werke" (1869-1870, 4 Bde.), Heinrich von Kleist "Gesammelte Werke" (1868, 2 Bde.)

Literatur

  •  The New International Encyclopedia. Bd. XI, Dodd, Mead and Company, New York 1906, S. 634.
  •  Meyers Konversationslexikon. Bd. 10, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig 1885–1892, S. 352.
  • Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I Politiker, Teilband 3: I–L. Heidelberg 1999, S. 210.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Albert Schumann: Kurz, Heinrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 17, Duncker & Humblot, Leipzig 1883, S. 421–424.

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