Hans Fleischhacker


Hans Fleischhacker (* 10. März 1912 in Töttleben; † 1992[1]) war ein deutscher Anthropologe und SS-Obersturmführer. Er war wegen seiner Schädelvermessungen von KZ-Insassen im Zweiten Weltkrieg angeklagt und wurde 1971 von der Anklage freigesprochen.

Leben

Fleischhacker promovierte 1935 in München und war danach Assistent von Theodor Mollison. Ab 1937 arbeitete er als Assistent am Rassenbiologischen Institut in Tübingen, wo er sich 1943 als Anthropologe habilitierte.[2] Er trat im selben Jahr der SS bei und arbeitete im Rassenpolitischen Amt der NSDAP mit. Im Jahr 1940 trat er der NSDAP und der Waffen-SS bei. Ein Jahr später wurde er SS-Führer im SS-Rasse- und Siedlungshauptamt und wurde SS-Eignungsprüfer bei der Eindeutschung von Polen, als solcher war er hauptsächlich in Lodz eingesetzt. Am 10. Juni 1943 reiste er nach Berlin und einen Tag später ins KZ Auschwitz, wo er zusammen mit Bruno Beger Lagerinsassen für August Hirt vermessen sollte. Die vermessenen Personen wurden ins KZ Natzweiler-Struthof (Elsass) deportiert und im August 1943 ermordet. Die Leichen brachten SS-Männer in das von Hirt geleitete Anatomische Institut in Straßburg.[3] Nach dem Krieg wurde Fleischhacker zunächst als Mitläufer eingestuft und ab 1950 arbeitete er als Sachverständiger für Vaterschaftsgutachten der Deutschen Gesellschaft für Anthropologie und als Assistent am Institut für Vererbungswissenschaft der Universität Frankfurt. Ab 1960 war er als Dozent in Tübingen und danach als Privatdozent in Frankfurt beschäftigt.

Prozess

Für seine Mitwirkung bei den Vermessungen von 86 jüdischen Frauen und Männern 1943 in Auschwitz wurde Fleischhacker angeklagt. Durch diese Anklage verlor er seine Stelle als Privatdozent an der Frankfurter Universität. Er behauptete, dass er von den Folgen seiner anthropologischen Messungen in Auschwitz nichts gewusst habe. Wie Beger konnte er die Richter überzeugen, dass sie davon ausgingen, dass ihre Messungen lediglich dazu dienten, wissenschaftliche Methoden untereinander abzugleichen, da man aus unterschiedlichen Schulen stammte und im „Kommando K“ einen gemeinsamen Einsatz als Anthropologen vor sich hatte. Am 5. März 1971 wurde Fleischhacker vom Landgericht Frankfurt freigesprochen; er arbeitete später noch als Professor an der Universität Frankfurt.

Literatur

  • Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich - Wer war was vor und nach 1945, Frankfurt am Main, 2. Auflage: Juni 2007, S. 155.
  • Hans-Joachim Lang: Die Namen der Nummern. Wie es gelang, die 86 Opfer eines NS-Verbrechens zu identifizieren. Hamburg 2004; Frankfurt am Main 2007.

Einzelnachweise

  1. * [http://www.die-namen-der-nummern.de/index.html Die Namen der Nummern, darin eine Webseite zu Fleischhacker, eingesehen Januar 2010]
  2. Horst Junginger: Von der philologischen zur völkischen Religionswissenschaft, S. 281-282.
  3.  Maß für Maß. In: Der Spiegel. Nr. 46, 1970 (online).

Weblinks

  • Entnazifizierungsakte Hans Fleischhacker als digitale Reproduktion im Online-Angebot des Staatsarchivs Sigmaringen

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