Halbsesshaftigkeit


Halbsesshaftigkeit ist eine Zwischenform zwischen den Lebensformen Nomadentum und Sesshaftigkeit.

Im Gegensatz zum Halbnomadismus hat laut dem Ethnologen Alfrad Janata bei der Halbsesshaftigekit der Pflanzenanbau eine größere Bedeutung, bei der saisonalen Wanderung nehmen nur Teile des Gesellschaft teil. Der Kulturgeograph Erwin Grötzbach fasste Almwirtschaft, Transhumanz und weitere Lebensweisen als Erscheinungsformen der Halbsesshaftigkeit zusammen, ihr gemeinsames Merkmal sei, dass die Sommermonate bei den Feldern verbracht werden, als Wohnstätte diene ein mobile Behausungen wie ein Zelt oder eine Hütte, die Felder seien meistens nur in geringer Entfernung vom Dorf. Vom Halbnomadismus sei der Begriff der Halbsesshaftigkeit durch die geringere Distanz und kürzere Dauer der saisonalen Wanderungen abzugrenzen.

Grötzberg vermerkt zur Halbsesshaftigkeit weiter, dass die Aufenthalte bei den Feldern und Gärten einem bestimmten Zweck dienen – der Bewachung der Feldfrüchte oder des Weideviehs. Der Halbnomadismus lasse sich teils ökologisch, teils ökonomisch und teils ethnokulturell deuten: In den oberen Höhenlagen sei sie eine Anpassung an die klimatischen Bedingungen, so etwa bei Tadschiken und Nuristani im Hindukusch, die mobilen Behausungen seien weniger von Ungeziefer heimgesucht; bei den nordafghanischen Turkvölkern, Hazara und Paschtunen ortet er ethnokulturelle Wurzeln.

Literatur

  • Erwin Grötzbach: Afghanistan: Eine geographische Landeskunde. Wissenschaftliche Länderkunden, Bd. 37, hrsg. von Werner Storkebaum. Darmstadt: Wiss. Buchges. 1990. ISBN 3534068866
  • Walter Hirschberg (Hg.), Alfred Janata: Neues Wörterbuch der Völkerkunde. 1988

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