Guldgubber


Guldgubber aus Sorte Muld auf Bornholm, 6. Jahrhundert n.Chr.

Guldgubbe ist das schwedische Wort für „Goldmännchen“, ein bis zwei Zentimeter große Figuren aus Goldblech, deren Fundorte auf Skandinavien beschränkt sind. Die Verbreitung konzentriert sich auf Jütland (2), Bornholm (40), Norwegen (50) und Schweden (50). Von den schwedischen Funden stammen 26 aus der Siedlung auf Helgö im Mälarsee und 15 von der Burg Eketorp auf Öland. Die Exemplare von Eketorp sind der größte zusammenhängende Fund von Guldgubber. Wegen der gut ausgeführten Motive haben die Fundstücke der altesten Toreutik des Nordens früh Aufmerksamkeit erregt.

Name

Ihre Benennung folgt einer im Jahre 1791 veröffentlichten Abhandlung des schwedischen Altertumsforschers Niels Henrik Sjöborg (1767–1838), in der es heißt, dass die Bevölkerung von Ravlunda, bei Kivik in Schonen in den Dünen kleine Goldbleche zu finden pflegte, die sie „guldgubbar“ nannte.

Beschreibung

Die Goldblechfiguren sind manchmal nackt, zumeist jedoch geradezu festlich bekleidet. Die Kleidung ist trotz des Kleinformates mit großer Genauigkeit wiedergegeben. Die Guldgubber sind Menschengravuren, von vorn oder von der Seite gesehen, auf einem relativ dicken Goldblech eingeschnitten. Die teils einseitig geprägten, viereckigen Bleche enthalten die Bilder von Männern, Frauen oder Paaren. Mann-Frau-Kompositionen werden als Liebespaare (Liebespaartyp) gedeutet, da sie einander umfassen. Sie sind stets im Profil dargestellt. Alle Goldbleche von Helgö gehören diesem Typ an. Die en face dargestellten Frauen der Bleche von Eketorp tragen einen langen Rock, der von einer gemusterten Borte abgeschlossen wird und oft in einer Schleppe endet. Ein Schal liegt über den Schultern. Das Haar wird in einem losen Nackenknoten gesammelt. Die im Profil gesehenen Männer von Eketorp tragen langes Haar und pelzähnliche Kittel, mitunter auch lange Hosen.

Norwegische Guldgubber zeigen in Mäntel gehüllte Männer mit vorn und hinten herabhängenden Zipfeln. Derartige Mäntel sind für das 1. Jahrtausend von verschiedenen Darstellungen belegt:

  • auf dem wikingerzeitlichen Runenstein von Jæren in Norwegen in Ritztechnik.
  • auf einem Bildstein derselben Zeit aus Sanda auf Gotland.
  • auf vendelzeitlichen gotländischen Bildsteinen.

Zeitstellung

Die Helgöbleche lagen verstreut auf dem Jahrhunderte hindurch bewohnten Platz, so dass sie keinen Anhaltspunkt für die Datierung liefern. Guldgubber sind in einigen dänischen Funden mit römischen Solidi und Brakteaten vom D-Typ vergesellschaftet. Das deutet auf den Übergang von der Völkerwanderungs- zur Vendelzeit. Nicht anders verhält es sich mit den Blechen von Eketorp, zu denen auch einige Stücke des für die Völkerwanderungszeit typischen goldenen Spiraldrahtes gehörten. Sie stammen aus der unteren Siedlungsschicht, so dass sie mit großer Wahrscheinlichkeit in die Völkerwanderungs- (375-550 n. Chr.) oder in die ältere Vendelzeit (ab 550 n. Chr.) zu datieren sind. Die Gräber in Småland und Ulltuna weisen auf die Vendelzeit.

Wie die Bilder zu deuten sind, ist ungewiss. Einige Guldgubber stammen aus Schatzfunden, doch die meisten sind Einzel- oder Siedlungsfunde. Nur selten sind sie zum Annähen durchbohrt, einige weisen Ösen auf.

In diesem Zusammenhang steht ein kleines Bronzeschmuckstück aus einem vermutlich vendelzeitlichen Grab bei Norsborg/Botkyrka in Södermanland. Es zeigt zwei einander umarmende Figuren im Stil der Goldbleche, doch stellen beide Figuren Frauen dar. Von Interesse ist auch ein Bronzeplättchen (1,0 x 1,4 cm) aus einer Siedlung bei Vä in Schonen, das das Reliefbild einer Frau vom Typ der Goldbleche zeigt. Eventuell handelt es sich um eine Matrize zur Herstellung der Goldblechfiguren.

Siehe auch

Guldgubber aus Sorte Muld

Literatur

  • M. Stenberger: Vorgeschichte Schwedens. In: Nordische Vorzeit Bd. 4. Wachholtz, Neumünster 1977, ISBN 3-529-01805-8, S. 387ff.
  • Margarethe Watt: Die Goldblechfiguren („guldgubber“) aus Sorte Muld, Bornholm. In: K. Hauck (Hrsg.): Der historische Horizont der Götterbildamulette aus der Übergangsepoche von der Spätantike zum Frühmittelalter. 1992, ISBN 3525825870, S. 195–227.
  • Margarethe Watt: Gubber. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Bd. 13, Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer, Dieter Timpe (Hrsg.). De Gruyter, Berlin – New York 1999. ISBN 3-11-016315-2.

Diese Artikel könnten dir auch gefallen