Große Sphinx von Gizeh


Die Große Sphinx von Gizeh, im Hintergrund die Pyramide des Cheops

Die Große Sphinx von Gizeh, auch der Große Sphinx von Gizeh, in Ägypten ist die mit Abstand berühmteste und größte Sphinx. Sie stellt einen liegenden Löwen mit einem Menschenkopf dar und wurde vermutlich in der 4. Dynastie um 2700–2600 v. Chr. errichtet.

Merkmale

Die Sphinx unausgegraben, im Hintergrund die Cheops-Pyramide (1858)
Frontansicht der Sphinx mit Chephren-Pyramide
Fragment des Bartes (British Museum, London)

Die Sphinx ragt seit mehr als vier Jahrtausenden aus dem Sand der ägyptischen Wüste, wobei sie die meiste Zeit bis auf den Kopf von Sand bedeckt war, was zu ihrer Erhaltung beitrug.

Die Sphinx besteht aus einem Menschenkopf auf einem Löwenkörper, wobei der Menschenkopf in Relation zum Löwenkörper eher klein geraten ist. Der Grund für diese Disproportion ist unbekannt. Der Menschenkopf ist von einem Kopftuch bedeckt. Die Nase ist abgebrochen. Der Löwenkörper besteht aus Rumpf, Vorder- und Hinterbeinen sowie einem Schwanz, der sich um den Oberschenkel des rechten Hinterbeins windet.[1]

Farbreste am Ohr lassen darauf schließen, dass die Figur ursprünglich bunt bemalt war. Sie wurde aus dem Rest eines Kalksteinhügels gehauen, der als Steinbruch für die Cheops-Pyramide diente. Neben der Sphinx wurde ein Tempel errichtet, der mit dem Taltempel der Chephren-Pyramide fast exakt in einer Linie liegt. Thutmosis IV. errichtete zwischen den Pranken der Sphinx die sogenannte Traumstele, deren Inschriften aus seinem Leben berichten.

Maße

Die Länge der Sphinx beträgt rund 73,5 m, wovon 15 m auf die ausgestreckten Vorderbeine entfallen. Das Gesicht der Sphinx ist 4 m breit, der Kopf mit Kopftuch 6 m. Die Höhe der Sphinx beträgt 20,2 m.[1][2]

Funktion

Wozu die Sphinx diente, ist bis heute unbekannt. Möglicherweise sollte sie das Plateau von Gizeh bewachen. Der deutsche Ägyptologe Herbert Ricke meint, dass die Statue zum Sonnenkult gehörte und Harmachis darstellt, eine lokale Form des Sonnengottes Horus. Vielleicht ist die Statue aber auch ein Bild des als Horus dargestellten Pharaos Chephren oder auch ein Abbild des Cheops. Mark Lehner, der von 1979 bis 1983 an der Sphinx geforscht hat, vermutet wie andere Chephren als Erbauer. Der deutsche Ägyptologe Rainer Stadelmann bevorzugt dagegen den König Cheops. Mit modernsten Methoden wurden in den vergangenen Jahren andere Abbildungen und Statuen dieser beiden Pharaonen mit dem Kopf der Sphinx verglichen. Eine eindeutige und zweifelsfreie Zuordnung war jedoch bisher nicht möglich.

Aufbau

Dass der Kopf der Sphinx erst später auf den Löwenkörper gesetzt worden sei, ist wissenschaftlich widerlegt. Die deutlichen Farbunterschiede rühren von den verschiedenen Gesteinsschichten her. Der Geologe Thomas Aigner identifizierte die Steine, die für den Sphinx-Tempel verwendet wurden, mit einer Lage, die sich in Brusthöhe des Kolosses befindet. Für den Taltempel des Chephren verwendete man Blöcke, die aus dem oberen Teil der Sphinx stammen. Von der traditionellen Ägyptologie werden Datierungen wie „über 8000 Jahre alt“ als unwissenschaftliche Spekulation angesehen. Nach Meinung der Forscher wurde der Kopf im Laufe der Zeit mehrmals überarbeitet.

Untergrund

Durch Suchbohrungen in dem Gesteinsuntergrund der Sphinx wurde auch der Vermutung nachgegangen, es gäbe unter der Statue bisher unentdeckte, von Menschen angelegte Anlagen. Dabei konnten jedoch keinerlei künstlich erschaffene Hohlräume entdeckt werden. Da bei einer dieser meißelnden Erkundungsbohrungen die Sphinx erheblich beschädigt zu werden drohte, wurden weitere Aktivitäten dieser Art von der ägyptischen Altertumsbehörde (SCA) untersagt.

Ausgrabung

Im Laufe der Zeit wurde die Sphinx mehrmals von Sand befreit. So von Thutmosis IV., der daraufhin die sogenannte Traumstele zwischen den vorderen Pranken aufstellen ließ. Weitere Säuberungen erfolgten unter den römischen Kaisern Marcus Aurelius (161–180) und Septimius Severus (193–211).

In der Neuzeit war Giovanni Battista Caviglia der erste, der die Sphinx 1816–1818 weitgehend freigelegt hatte, als er nach einem Eingang suchte. Dabei fand er unter anderem Fragmente des Bartes, die heute im Britischen Museum ausgestellt sind. Ihm folgte der französische Ingenieur Émile Baraize, der die Sphinx in den Jahren 1925–1926 bis zum Steinsockel freilegte und verwitterte Teile mit Kalkstein und Mörtel sicherte. Weitere Ausgrabungen erfolgten durch den Engländer John Perring[3], der auf der Suche nach geheimen Kammern in der Umgebung diverse Bohrungen vornahm. Ein Jahrzehnt nach Emile Baraize grub der ägyptische Archäologe Selim Hassan eine die Sphinx umgebende Lehmmauer aus und fand einen Ziegel mit der Aufschrift „Thutmosis IV.“.[4]

Abgeschlagene Nase

Sphinxkopf im Profil

In arabischer Zeit bekam die Sphinx den Namen „Abu Hol”, was so viel wie „Vater des Schreckens” bedeutet (arabisch ‏أبو الهول‎, DMG Abu l-Hūl). In einem seiner Bücher berichtet der arabische Historiker Al-Maqrīzī (1364–1442), dass der strenggläubige Scheich eines Kairoer Sufi-Klosters, Mohammed Saim el-Dar (Muhammad Şā'im ad-Dahr, deutsch: „Jemand, der die ganze Zeit fastet“), als fanatischer Bilderstürmer die Nase der Sphinx 1378 abschlug und von der aufgebrachten Menge umgebracht wurde.[5] Der aus Bagdad stammende arabische Historiker und Mediziner Abd al-Latif al-Baghdadi (1161–1231) bestätigte durch seine Beschreibung der Großen Sphinx und ihrer prächtigen Nase im 13. Jahrhundert indirekt diese Angaben. Im Mittelalter wurde die Sphinx von Teilen der Bevölkerung noch immer als Gott verehrt, strenggläubige Moslems verabscheuten diesen Kult.

Der dänische Künstler Frederick Ludewick Norden (1708–1742) fertigte 1738 auf Befehl seines Königs Christian VI. Kupferstiche verschiedener ägyptischer Bauten an. Darunter befand sich einer mit der verschütteten Sphinx („Tête colossale du Sphinx“), der ebenfalls den Kopf ohne Nase zeigt (1755 in französischer Sprache veröffentlicht). Das Gerücht, dass Soldaten von Napoléon Bonaparte oder türkische Truppen bei Artillerieübungen die Nase zerstört haben sollen, ist damit als falsch erwiesen. Napoléon war ein Enthusiast Ägyptens, der dieses Land als die „Wiege der Wissenschaften und Künste der gesamten Menschheit“ bezeichnete („l'Égypte – le berceau de la science et des arts de toute l’humanité“). Seine mit ins Land gekommenen Wissenschaftler zeichneten die Sphinx schon damals ohne Nase.

Parodien

Es existieren verschiedene Parodien über die Begebenheit der fehlenden Nase. Wohl eine der bekanntesten findet sich im Band Asterix und Kleopatra aus der Asterix-Reihe, in dem Obelix auf die Sphinx steigt und die Nase unter seinem Gewicht abbricht.

In Las Vegas (Nevada,USA) gibt es vor dem Luxor Hotel/Casino einen Nachbau der Sphinx.

Literatur

  • Michael Haase: Im Zeichen des Re. Herbig, München 2000, ISBN 3-7766-2082-X.
  • Selim Hassan: Excavations at Gîza VIII. 1936–1937. The Great Sphinx and its Secrets. Historical Studies in the Light of Recent Excavations. Government Press, Kairo 1953 (PDF; 81,6 MB).
  • Selim Hassan: The Sphinx. Its History in the Light of Recent Excavations. Government Press, Kairo 1949 (PDF; 22,1 MB).
  • Zahi Hawass: The Great Sphinx at Giza. Date and Function. In: Gian Maria Zaccone, Tomaso Ricardi di Netro (Hrsg.): Sesto Congresso Internazionale di Egittologia. Atti. Vol. II, Turin 1993, S. 177–195 (PDF; 9,9 MB).
  • Zahi Hawass: The Secrets of the Sphinx. American University in Cairo Press, Kairo 1998, ISBN 977-424-492-3. (PDF; 44,6 MB)
  • Mark Lehner: Geheimnis der Pyramiden. Bassermann, München 2004, ISBN 3-8094-1722-X.
  • Rainer Stadelmann: Die ägyptischen Pyramiden. von Zabern, Mainz 1997, ISBN 3-8053-1142-7.
  • Christiane Zivie-Coche: Sphinx. Primus, Darmstadt 2004, ISBN 3-89678-250-9.

Weblinks

 <Lang> Commons: Große Sphinx von Gizeh – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Sphinx facts
  2. Emporis Sphinx
  3. Pyramidenbau.info Sphinx von Gizeh
  4. ancient-cultures.com
  5. Joyce Tyldesley: Mythos Ägypten. Reclam, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-15-010598-6. S. 46

29.97527777777831.1375Koordinaten: 29° 58′ 31″ N, 31° 8′ 15″ O


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