Eaglestein / CC BY-SA 3.0

Gargrube


Feuerstellenplatz bei Bommestad

Bei den erstmals im Jahre 1906 (durch W. Deecke) erkannten Gargruben (dän. Kokegroper, schwed. Kokgropar med Skärvsten, engl. Pit Alignments) handelt es sich um ein Phänomen der jüngeren Bronze- sowie der Eisenzeit in Skandinavien, Norddeutschland und auf den Britischen Inseln. [1] Die neuere Forschung in Deutschland bezeichnet derartige Fundstellen als Kultfeuer-[2] oder Feuerstellenplätze, wie die Plätze von Bötersen in Niedersachsen oder die von Jarmen, Jesendorf und Triwalk in Mecklenburg-Vorpommern und den von Zedau in der Altmark.

Abgrenzung

Gargruben sind keine Burnt Mounds (engl. für verbrannter Hügel), Deer Roast (Hirschbräter), Ancient cooking places oder gälisch Fulachta fiadh (in verschiedenen Schreibweisen), die primär auf den Britischen Inseln vorkommen und auch aus der Bronzezeit stammen. Viele sind aus anderen Teilen Europas, insbesondere aus Skandinavien bekannt. 1990 wurden die ersten Ergebnisse über bronzezeitliche Burnt mounds an den Küsten Schwedens veröffentlicht.

Beschreibung

Die Lage der Gargruben als Kultfeuerplätze ist stets ähnlich:

  • exponierte Lage im Gelände auf Höhenzügen oder Kuppen
  • Nähe zum Wasser, jedoch nicht zu Wohnplätzen

Es handelte sich um viele hundert Meter lange Reihen aus runden, ovalen oder rechteckigen Gruben, die gelegentlich in geschlossene Gräben übergehen. 1989 listet Sigrid Heidelk-Schacht bereits 30 derartiger Plätze in Mecklenburg-Vorpommern und im Norden von Brandenburg und Sachsen-Anhalt (Zedau) auf. Die Gruben bestehen aus der Ballung "muldenförmiger Erdgruben" mit gebrannten Steinen an der Peripherie sowie schwarzer Branderde und Holzkohleanteilen. Auf der Mehrzahl der Plätze sind diese Gruben regellos verteilt. Auf den übrigen, besonders in England. sind sie zu Reihen angeordnet. Mangels besserer Deutungsmöglichkeiten werden die Feuerstellenreihen als Ausdruck kultisch-religiöser Handlungen angesehen, weshalb sie auch als Kultfeuerplatze oder Feuerkultplätze bezeichnet weiden.

Sie finden sich in Deutschland nordöstlich bis südöstlich des Harzes, von der Magdeburger Börde bis zum Unstrutgebiet, in einem bogenförmigen Areal von etwa 100 Kilometern Länge und maximal 50 Kilometern Breite. Die Ostgrenze liegt im Bereich Leipzigs. Die größten Ansammlungen liegen bei Jesendorf (334) und Rønnige Søgard (über 300) auf Fünen in Dänemark, von vermutlich jeweils etwa 500 Feuerstellen ausgegraben wurden. Ein Schwerpunkt der Brandplätze war auch Mecklenburg, wo inzwischen mehr als 30 Fundstellen bekannt sind. 2005 wurde bei Egeln Nord (Salzlandkreis) in Sachsen-Anhalt Reihen und verstreut liegende Feuergruben bzw. Herdstellen auf einer unvollständig ergrabenen Trasse gefunden. Von Zedau, einem Ortsteil von (Osterburg) in der Altmark ist eine gleichartige Konzentration bekannt, die auf das 8. und 7. vorchristliche Jahrhundert datiert werden konnte. In Reinach, im Schweizer Kanton Baselland wurden ähnliche bronzezeitliche Gargruben ausgegraben (Quelle: Arch. Schweiz 2006/1 S.4).

Literatur

  • Lil Gustavson, Tom Heibreen & Jes Martens (Hrsg.): De gatefulle Kokegroper: Kokegropeseminaret, 31.[!] November 2001, Kunsthistorisk Museum, Oslo 2005 (mit kurzen engl. Zusammenfassungen)
  • Kersin Lundin: Kokgropar i Norrbottens kustland. Ett försök till tolkning av groparnas funktion. Arkeologi i norr. 3:139-174. Umeå 1992.
  • Detlef Jantzen: Töpferei und Feuerkult - Vom Leben auf der Anhöhe bei Triwalk, Lkr. Nordwestmecklenburg. 2006 In: „Die Autobahn A20“ Norddeutschlands längste Ausgrabung. S. 33 - 36
  • Jens-Peter Schmidt: Grillfest oder Operkult - Der Feuerstellenplatz von Jarmen, Lkr. Demmin 2006 In: „Die Autobahn A20“ Norddeutschlands längste Ausgrabung. S. 71-76.

Einzelnachweise

  1. Neue Untersuchungen in Schottland datieren die Gruben sogar bis in die Jungsteinzeit zurück: http://www.tafac.org.uk/TAFAJ_2_4.pdf.
  2. Sigrid Heidelk-Schacht: Jungbronzezeitliche und früheisenzeitliche Kultfeuerplätze im Norden der DDR (1989)

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