Ахатов Айдар Габдулхаевич / CC BY-SA 3.0

Gabdulchaj Achatow


Gabdulchaj Achatow (1927–1986)
Signature of Professor Gabdulkhay Akhatov.jpeg
Gebäude der Kasaner Staatlichen Pädagogischen Hochschule, Kasan
Verbreitungsgebiet der heutigen Turkvölker

Gabdulchaj Churamowitsch Achatow (russisch Габдулхай Хурамович Ахатов; tatarisch Габделхәй Хурам улы Әхәтов; englische Transkription Gabdulkhay Khuramovich Akhatov; * 8. September 1927 in dem Dorf Staro-Ajmanowo (tatar. Iske Ajman), Menselinski Kanton, Tatarische ASSR, UdSSR; † 25. November 1986 in Breschnew, Tatarische ASSR, UdSSR) war ein Linguist und Turkologist mit der Spezialisierung auf die tatarischen Dialekte, Doktor der philologischen Wissenschaft (1965), Professor (1970) an der Baschkirischen Staatlichen Universität in Ufa, sowie ein Reorganisator der Wissenschaft.[1]

Leben

Gabdulchaj Achatows Lehrbuch über die Dialektologie der Tatarischen Sprache

Seine Eltern waren in der Landwirtschaft tätig, wo sein Vater, Churamow Achat Churamowitsch (1893–1970) als Organisator der Agrargenossenschaft wirkte. Die Grundschulausbildung Achatows erfolgte in seinem Heimatdorf, weiterführende Schulen besuchte er in Polewskoi, die höhere Schule in Kalinin. Den Winter nutzte er für seine Studien, den Sommer arbeitete in der Landwirtschaft. Mit 14 Jahren war er bereits Vorarbeiter in der Agrargenossenschaft. Das Abitur schloss er mit einer Goldmedaille als Auszeichnung ab.

Er beendete sein Studium in Kasan an der Kasaner Staatlichen Pädagogischen Hochschule (russisch Казанский государственный педагогический институт) (1951) mit Auszeichnung. Die Hochschule wurde 1954 in eine Graduiertenschule umgewandelt. Von 1954 bis 1986 war er Leiter der Abteilung Tatarische Sprache und Literatur an verschiedenen Universitäten und Instituten in der Sowjetunion.

Durch sein Studium der phonetischen Unterschiede der verschiedenen Dialekte Sibiriens fand Achatow als einer der ersten aus der Gruppe von verschiedenen Wissenschaftlern heraus,[2] dass es bei der Sprache der sibirischen Tataren insbesondere um die Unterscheidungsmerkmale anhand der Aussprache ging. Seiner Meinung nach geradezu für die sibirischen Tataren der Kiptschaks.[3] In seinem später als Grundlagenforschung gewürdigten Werk über die Sprachen der westsibirischen Tataren betrachtete er dabei gerade die unterschiedliche Wiederansiedlung der Tataren in der Oblast Tjumen im Ural und der Oblast Omsk in Sibirien sowie deren Einflüsse auf deren Sprache.

Unterstützt durch ein integratives grammatisches und phonetisches System schloss Achatow, dass die Sprache der westsibirischen Tataren ein eigenständiger und ungeteilter Dialekt sowie eine der ältesten Turksprachen überhaupt sei.[2]

Achatow gab zum ersten Mal auf dem Gebiet der Turkologie eine an Harmonien und Strukturen orientierte systematische Beschreibung der idiomatischen Ausdrücke des Tatarischen. In der Folge war er auch Autor des bis heute weitbekannten Standardwerkes zur Phraseologie des Tatarischen: Phraseological dictionary of the Tatar language (Monographie). Kazan 1982.

Darüber hinaus untersuchte Achatow auch übergreifende linguistische Phänomene: So veröffentlichte er ein grundlegendes Werk über die Hauptkennzeichen von Begriffspaaren am Beispiel des Finno-Ugrischen,[4] öffnete eine gründliche Untersuchung über die Natur der Doppelten Verneinung im Türkischen[5] sowie deren Gesetze der Begriffs- bzw. Wortpaare.[6]

Gabdulchaj Achatow war pro bono Mitglied des sowjetischen Komitees der Turkologie und Mitglied der Obersten Attestations-Kommission des Ministerrates der UdSSR. Als Vorsitzender einer Kommission zur Koordinierung von Magister- und Doktorandenthesen kam ihm eine besondere Rolle bei der wissenschaftlichen Zusammenarbeit innerhalb der Sowjetunion zu. 1982 erhielt er durch Leonid Iljitsch Breschnew persönlichen einen Ruf an die neugegründete Hochschule in Tatarstan, Nabereschnyje Tschelny,[7] die er organisatorisch aufbauen sollte, um hier die Kamaz-Produktion durch fähige Absolventen zu unterstützen. Allem Anschein waren diese Bemühungen von Erfolg gekrönt, da ihm eine diesbezügliche Auszeichnung verliehen wurde.

Bei ihm wurden rund 40 Kandidaten promoviert, er selbst veröffentlicht etwa 200 wissenschaftliche Publikationen. Für sein Wirken wurde er mit dem Orden des sowjetischen Bildungsministeriums für exzellente Leistung auf dem Gebiet der Hochschulbildung ausgezeichnet.

Seine wissenschaftlichen Arbeiten wurden während der XIII. Internationalen Linguistischen Kongresses in Tokio besonders 1982 hervorgehoben.[8]

Gabdulchaj Achatow ist ein Autor vieler grundlegender wissenschaftlicher Arbeiten, Wörterbücher, Lehrbücher, Handbücher und Programme für Dialektologie und Phraseologie, Lexikologie sowie Phonetik,[9] die in vielen Bibliotheken weltweit, wie z.B. auch der Library of Congress, aufbewahrt werden.

Achatow war mit Rosa Achatowa, geborene Deminowa (* 11. Juli 1929) vom 23. August 1951 bis zu seinem Tode verheiratet. Aus dieser Ehe stammten zwei Kinder, die Tochter Aida (* 1955) und der Sohn Aydar (* 1957).

Schriften

  • Issues of teaching methods of the Tatar language in the eastern dialect (Monographie). Tobolsk, 1958
  • The language of the Siberian Tatars. Phonetic features (Monographie). Ufa, 1960
  • About the ethnogenesis of the Western Siberian Tatars' .- Sat. Questions dialectology Turkic languages , Kazan, 1960
  • About the stress in the language of the Siberian Tatars in connection with the stress of modern Tatar literary language .- Sat
  • Problems of Turkic and the history of Russian Oriental Studies. Kazan, 1960
  • Some features of mother tongue in the eastern dialect of the Tatar language .- Sat Questions dialectology Turkic languages. *Kazan., 1960.
  • About peculiarities of phraseological units. – J. Soviet school. Kazan, 1960
  • Dialect West Siberian Tatars (Monographie). Ufa, 1963
  • Local dialects – a reliable source for comparative-historical study of language. – Sat. Questions dialectology of the Turkic languages. Baku, 1963
  • Lexical phraseological peculiarities of the eastern dialects of the Tatar language. – Sat. Proceedings of the Urals economic rayona.Yazykoznanie universities. – Sverdlovsk, 1963
  • About the stress in the language of the Siberian Tatars. – Sat. Problems of Turkic and Oriental history. Kazan: KSU Publishing House, 1964
  • Dialects West Siberian Tatars. Diss. on soisk. Kazan. Doctoral degree. philologist. of Sciences. Tashkent, 1965
  • Language contacts peoples of the Volga and the Urals (Monographie). Ufa, 1970
  • Fhraseology (Monographie). Ufa, 1972
  • The modern Tatar language (Programm für Studenten). Kazan: Publishing House of Kazan State Pedagogical Institute. 1974.
  • Vocabulary of modern Tatar language (Textbuch für Studenten). Ufa, 1975
  • Tatar phraseology (Programm für Studenten). Ufa: Izd. BSU, 1975
  • Dialect West Siberian Tatars in relation to the literary language. Ufa: Izd BSU, 1975
  • The use of dialect data for comparative-historical study of the Turkic languages. – Sat. Soviet Turkic and Turkic languages development in the USSR. Alma-Ata, 1976
  • Tatar dialectology. Dialect of the Western Siberian Tatars (Textbuch für Studenten). Ufa, 1977
  • Polisemantichnye words in the Tatar language (a program elective course for students). Ufa, Baku State University Publishing House, 1977
  • Tatar dialectology. Average dialect (Textbuch für Studenten). Ufa, 1979
  • About the drafting of the Tatar language phrase book, (Monographie). Ufa, 1979
  • Arsk subdialect of Kazan of dialect of Tatar language .- Sb. University them. IN Ulyanov, Cheboksary, 1979
  • Lexicology of modern Tatar literary language (Monographie). Kazan, 1979
  • Mishar dialect of Tatar language (Textbuch für Studenten). Ufa, 1980
  • Sources of the construction of historical dialectology of the Tatar language. – Sat. Linguistic geography and history of the language problem. Nalchik, 1981
  • Menzelinsky dialect of Tatar language .- Sb.ChuvGU them. IN Ulyanov, Cheboksary, 1981
  • About the main symptoms of paired words. – J. The Soviet Finno-Ugric. Talin, 1981
  • Dialects and place names of the Volga (Zusammenstellung mehrerer Universitäten). Cheboksary: publ. University them. IN Ulyanov. 1981.
  • Phraseological dictionary of the Tatar language (Monographie). Kazan, 1982
  • The modern Tatar literary language (Monographie). Kazan, 1982
  • Antonyms and principles of the first in the Tatar language dictionary of antonyms (Monographie). Ufa, 1982
  • Tatar dialectology (Textbuch für Studenten), Kazan, 1984
  • About the Nature of a double negative in the Turkic language of Kipchak-Bulgar subgroup. – J. Soviet Turkology. 1984, № 3
  • Winged words. – Jean Yalkyn. Kazan, 1985
  • About the law of the pairing of words in Turkic languages / Sat. Turcologica. – Moscow, 1987
  • Unsere vielsprachige Welt / NL, Berlin, 1986
  • Linguistik im Bund mit Computer / NL, Berlin, 1986
  • Vocabulary of the Tatar language (Textbuch für Studenten und Schüler). Kazan, 1995

Literatur

  • Bibliographic guide to Soviet and East European studies, New York Public Library. Slavonic Division, G. K. Hall 1983

Weblinks

 <Lang> Commons: Gabdulkhay Akhatov – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Tatar Enzyklopädie, Vol. 1: Der Artikel Gabdulchaj AchatowInstitute of Tatar Enzyklopädie, Kazan, 2002, S. 233 (in Russisch)
  2. 2,0 2,1 Gabdulchaj Achatow: Dialect West Siberian Tatars (Monographie). Ufa, 1963, S. 195.
  3. Gabdulchaj Achatow: Dialects West Siberian Tatars. Diss. on soisk. Kazan. Doctoral degree. philologist. of Sciences. Tashkent, 1965
  4. About the main symptoms of paired words. – J. The Soviet Finno-Ugric. Talin, 1981.
  5. About the Nature of a double negative in the Turkic language of Kipchak-Bulgar subgroup. – J. Soviet Turkology. 1984, № 3.
  6. About the law of the pairing of words in Turkic languages / Sat. Turcologica. – Moscow, 1987
  7. 1982 wurde Nabereschnyje Tschelny nach dem Generalsekretär des ZK der KPdSU, Leonid Breschnew, in Breschnew (Брежнев) umbenannt, erhielt aber 1988 seinen ursprünglichen Namen zurück.
  8. Proceedings of the 13th. International Congress of Linguists, August 29 — September 4, 1982, Tokyo, Japan
  9. Tatar Enzyklopädie, Vol. 1: Der Artikel Gabdulchaj i AchatowInstitute of Tatar Enzyklopädie, Kazan 2002, S. 233.

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