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Steinartefakte der Federmesser-Gruppen

Federmesser-Gruppen ist eine Sammelbezeichnung für Kulturgruppen des Jungpaläolithikums aufgrund ihrer charakteristischen archäologischen Leitform, dem einer Feder ähnelnden Federmesser. In der Forschungsgeschichte war der synonyme französische Begriff Azilien gebräuchlich, der heute nur noch für Federmesser-Fundplätze in Bayern verwendet wird (dort auch Rückenspitzen-Gruppen[1] oder „Atzenhofer Gruppe“[2] genannt). Datierungen von Fundstellen der Federmesser-Gruppen liegen zwischen ca. 12.000 und 10.800 v. Chr.[3]

Name

Der Begriff wurde 1933 von Hendrik Jan Popping (1885–1950) eingeführt, nach dem häufigsten Werkzeugtyp aus Feuerstein, dem Federmesser. Die Federmesser-Gruppen können ihrerseits in drei Gruppen untergliedert werden: die Tjonger-Gruppe, verbreitet in Nord-Belgien und in den Niederlanden (an das englische Creswellien anknüpfend), die Rissener Gruppe (Nordwestdeutschland und Nordöstliche Niederlande) und die Wehlener Gruppe (Süd-Schleswig und Nordost-Niedersachsen). In Südschweden und Dänemark wird die zeitgleiche Erscheinung Bromme-Kultur genannt, im Gebiet des heutigen Polens "Tarnowien".

Ausbreitung

Die Ausbreitung dieser aus dem Magdalénien hervorgegangenen Kultur erfolgte im klimabegünstigten feuchten Alleröd-Interstadial, das durch die erste großflächige Ausbreitung von Gehölzen (Kiefer- und Birkenwälder) nach der letzten Kaltzeit (Weichsel-Kaltzeit im Norden, Würm-Kaltzeit im Süden Deutschlands) gekennzeichnet war. Auch wenn die Federmesser-Fundplätze überwiegend mit dem Alleröd-Interstadial zu korrelieren sind, sind einige Fundplätze älter (Ältere Dryaszeit) und legen eine Überlappung mit der späten Hamburger Kultur (Havelte-Gruppe) nahe. Fundplätze im Raum zwischen Nordengland und Dänemark im Westen und Norden und der Ukraine im Osten sowie dem Voralpenraum wurden der Federmesserkultur zugeordnet.[4]

Endglazial – Eiskerndaten mit Kulturen

Die nördlichste Verbreitung zeigen Fundplätze in Dänemark:

  • Dollerup Sø
  • Egtved
  • Fogense Enge
  • Gamst Sømose
  • Hasselø Tværvej
  • Hjärup Mose
  • Rundebakke
  • Tingvad Bro

Gräber

Das Doppelgrab von Oberkassel datiert mit ca. 12.000 v. Chr. in die Zeit der Federmesser-Gruppen, nachdem es zuvor lange Zeit dem Magdalénien IV zugeschrieben worden war.

Siedlungsweise

Die Siedlungsweise der mobilen Jäger und Sammler lässt sich an umfassend ausgegrabenen und hochauflösend analysierten Lagerplätzen nachvollziehen. Da die einzelnen Siedlungsplätze meist nur kurzzeitig genutzt wurden und jeweils spezifische Funktionen hatten, stellen einzelne Lager nur kleine Ausschnitte aus der gesamten Siedlungsweise dar. Ganze Siedlungsareale mit mehreren Lagerplätzen sind nur selten archäologisch erschlossen, wie z. B. im Neuwieder Becken mit den Fundplätzen Niederbieber, Andernach, Urbar, Kettig, Bad Breisig.[5] Fundplätze der Federmessergruppen im Rheinland weisen mit der Tephra des Laacher Vulkans oft einen charakteristischen stratigraphischen Marker auf.

Wichtigstes Jagdwild waren Hirsch, Elch, Biber und Auerochse, vereinzelt Ren und Riesenhirsch. Huftierherden (Wildpferd) des Offenlandes waren weitgehend verschwunden. Wollhaarmammut und Wollnashorn waren im Zuge der Quartären Aussterbewelle am Ende der letzten Eiszeit weitgehend verschwunden und nur noch in den Steppenzonen Osteuropas und Sibiriens vertreten.

Inventar

Leitformen sind Federmesser (Rückenspitzen), Rückenmesser, Stichel, Spitzen und Kratzer aus Feuerstein.

In den Federmesser-Horizont datiert das Bernsteintier von Weitsche als eines der seltenen Kleinkunstwerke.[6] Dabei handelt es sich um die Darstellung einer Elchkuh.

Bekannte Fundplätze sind neben Weitsche auch Niederbieber am Mittelrhein und Rekem in Belgien.[7]

Literatur

  • Gerhard Bosinski: Die große Zeit der Eiszeitjäger. Europa zwischen 40.000 und 10.000 v. Chr. Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz, Band 34, Mainz 1987, S. 13–139.
  • Michael Baales: Der spätpaläolithische Fundplatz Kettig. Untersuchungen zur Siedlungsarchäologie der Federmesser-Gruppen am Mittelrhein. Monographien des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz, Band 51, Mainz 2002.
  • Frank Gelhausen: Siedlungsmuster allerødzeitlicher Federmesser-Gruppen in Niederbieber, Stadt Neuwied. Monographien des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz, Band 90, Mainz 2011.

Einzelnachweise

  1. M. Beck, S. Beckert, S. Feldmann, B. Kaulich, C. Pasda: Das Spätpaläolithikum und Mesolithikum in Franken und der Oberpfalz. Bericht der Bayerischen Bodendenkmalpflege 50, 2009, S. 269–291.
  2. Werner Schönweiss: Letzte Eiszeitjäger in der Oberpfalz: Zur Verbreitung der Atzenhofer Gruppe des Endpaläolithikums in Nordbayern. Verlag E. Bodner, Pressath 1992, ISBN 978-3-926817-16-7, 124 S.
  3. O. Jöris, B. Weninger: 14C-Alterskalibration und die absolute Chronologie des Spätglazials. In: Archäologisches Korrespondenzblatt. 30, 2000, S. 461–471.
  4. D. D. L. Stoop: Federmesser mobility patterns in the Western Meuse area, Limburg, the Netherlands: the case studies of Horn-Haelen and Heythuysen-de Fransman I, MA-Thesis, Leiden 2014, S. 27.
  5. Frank Gelhausen: Siedlungsmuster allerødzeitlicher Federmesser-Gruppen in Niederbieber, Stadt Neuwied. Monographien des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz, Band 90, 2011.
  6. Stephan Veil, Klaus Breest: The archaeological context of the art objects from the Federmesser site of Weitsche, Ldkr. Lüchow-Dannenberg, Lower Saxony (Germany) – a preliminary report. In: Eriksen, Bratlund: Recent Studies in the Final Palaeolithic of the European Plain. Aarhus University, 2002, S. 129–138.
  7. S. Veil & K. Breest: Die Kunde NF 51 Jahrgang 2000, S. 179.

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