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Europide, Meyers Blitz-Lexikon 1932.

Europide (griech. für „den Europäern ähnlich, nach Art der Europäer“) oder Caucasoid[1][2][3] ist eine rassenkundliche Sammelbezeichnung für die ursprünglichen Bewohner Europas, Nordafrikas und Vorderasiens sowie deren Abkömmlinge.

Die typologische Beschreibung nennt als hervortretende Charakteristika ein reliefreiches Gesicht, schlichtes bis lockiges Haar und eine schmale hohe Nase, bei nördlichen Bevölkerungen außerdem eine wenig pigmentierte Haut, aufgrund derer die Europiden auch als Weiße bezeichnet wurden und werden. Europide gehörten nach veralteten Rassentheorien neben Mongoliden und Negriden zu den drei grundlegend unterschiedlichen Großrassen. Heute wird im Gegensatz zu den drei starren Großrassen von sieben Großgruppen der Menschheit mit fließenden Übergängen ausgegangen, von denen die Europäer eine Gruppe sind.[4]

Semantischer Bereich

Der 1795 von Blumenbach gefundene georgische Schädel, der auf eine kaukasische Herkunft der Europäer hinwies.

Die Bezeichnung europid wird meist in der Diskussion über die stammesgeschichtliche Entwicklung des Menschen sowie in der gerichtsmedizinischen Analyse menschlicher Überreste verwendet. Das Suffix -id zeigt „eine Ähnlichkeit an, nicht notwendigerweise eine genaue Entsprechung zu etwas anderem“, also kann sich europid auf einen weiteren, oder engeren Bereich erstrecken als die als europid bezeichneten Gruppen.

Es wird auch die Bezeichnung caucasoid verwendet, um eine vermeintliche Urheimat der Europiden im Kaukasus anzudeuten. In den angelsächsischen Ländern sind die entsprechenden Begriffe white oder caucasian auch in offiziellen Dokumenten wie zum Beispiel Formularen der Verwaltung oder Volkszählungsunterlagen nach wie vor üblich.

Anatomische und genetische Merkmale

Molekulargenetische Untersuchungen bestätigen die genetische Nähe der europäischen und der genannten asiatischen Bevölkerungen, aber nicht die Einteilung der Art Homo sapiens in sogenannte „Großrassen“.[5][6]

Der Versuch, den Ursprung und die Geschichte der Europiden auf genetische oder andere Ursachen zurückzuführen, ist problematisch, da das Bild durch neue Beweise und Deutungen einem ständigen Wandel unterliegt. Vor kurzem stellte man durch mtDNA die These auf, Europäer und Westasiaten hätten entfernte Wurzeln in Südasien, die auf eine Migration vor 20–30.000 Jahren von Südasien nach Mittel- und Westasien sowie Europa deuteten. Diese südasiatischen Vorfahren entstammten ihrerseits zusammen mit den Mongoliden einer früheren Migration von Menschen aus Afrika vor 50–70.000 Jahren (afrikanische Ursprungshypothese), der entweder alle Nichtafrikaner entsprungen wären, oder sie seien der größere und nördlichere Teil zweier Hauptmigrationen.

Literatur

  • Luigi Luca Cavalli-Sforza: Gene, Völker und Sprachen. Die biologischen Grundlagen unserer Zivilisation, Dtv 2003, ISBN 3-423-33061-9.

Weblinks

Quellen und Einzelnachweise

  1. Johann Friedrich Blumenbach, The anthropological treatises of Johann Friedrich Blumenbach, translated by Thomas Bendyshe. 1865. November 2, 2006.
  2. The concept of adaptation
  3. 18 th and 19 th Century Pre-Darwinian views on variation
  4. Marvin Harris, Menschen.Wie wir wurden was wir sind. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1997, S.108
  5. Lexikon der Biologie, Band 9, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2002, ISBN 3-8274-0334-0, S. 170–177 (Artikel: Menschenrassen)
  6. Lexikon der Biologie, Band 5, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2000, ISBN 3-8274-0330-8, S. 267–268 (Artikel: Europide)

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