Elicello / CC BY-SA 4.0

Ernst Fabricius


Ernst Christian Andreas Martin Fabricius (* 6. September[1] 1857 in Darmstadt; † 22. März 1942 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Provinzialrömischer Archäologe und Althistoriker. Er war ein Pionier der Limesforschung in Deutschland, dem es zu verdanken ist, dass die Limesforschung in Deutschland von einer Domäne der Heimatforscher und Amateurarchäologen zu einer Fachwissenschaft wurde.

Leben

Der Enkel von Andreas Schleiermacher studierte an der Universität Straßburg und der Universität Bonn und wurde 1881 in Straßburg mit der Dissertation De architectura Graeca commentationes epigraphicae promoviert. Zu seinen Lehrern zählten u. a. Adolf Michaelis, Rudolf Schöll, Heinrich Nissen und Hermann Usener.

Als Reisestipendiat des Deutsches Archäologisches Instituts bereiste er 1882–1885 zahlreiche Mittelmeerländer (Griechenland und Kleinasien). 1884 entdeckten er und Federico Halbherr in Gortyn (Gortys) das Stadtrecht von Gortys, eine Inschrift aus der Zeit um 500 v. Chr. bis 450 v. Chr., die aus 42 Steinblöcken besteht und insgesamt 17.000 Zeichen umfasst. Anschließend wurde Fabricius Assistent an der Antikensammlung Berlin, nach der Habilitation 1886 zudem Privatdozent für Klassische Philologie, Archäologie und Alte Geschichte an der Universität Berlin. Bei mehreren längeren Aufenthalten in Griechenland und Kleinasien nahm er an Ausgrabungen in Pergamon und auf Lesbos, Samos und Kreta teil. Im Sommer 1888 begleitete er den Geographen Heinrich Kiepert auf einer Reise durch Griechenland und Kleinasien; Kiepert kehrte vorzeitig nach Berlin zurück. Von 1888 bis zu seiner Emeritierung 1926 lehrte er als Professor für Alte Geschichte auf einem neu geschaffenen Lehrstuhl in Freiburg. An der Universität war er Dekan der Fakultät, Rektor und Vorsitzender einer Kommission zum Bau der Neuen Universität. Seit 1902 war er Leiter der Reichslimeskommission. Schon seit 1897 war Fabricius stellvertretender Streckenkommissar für den Limes-Abschnitt in Hessen-Nassau geworden, 1898 wurde er Leiter der Vermessungsarbeiten. Fabricius war Mitherausgeber des großen Limeswerkes Der obergermanisch-raetische Limes des Roemerreiches, in dessen Rahmen er das Kastell Seligenstadt bearbeitete sowie das damals vermutete Kastell am Arnheiter Hof. Fabricius war Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts. Ab 1940 war er korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, der Berliner, der Göttinger und der Heidelberger Akademie. Fabricius war Ehrensenator und Ehrendoktor der Universität Freiburg, Ehrendoktor der Universitäten Athen und Durham. Ernst Fabricius wies bei seinen zahlreichen eigenen Ausgrabungen wohl als erster Spuren antiker hölzerner Bauten in Deutschland nach.

Ernst Fabricius betätigte sich neben seiner wissenschaftlichen Laufbahn auch auf politischem Feld. So wurde er von 1913 bis 1918 als Abgeordneter der Universität in die erste Kammer der badischen Ständeversammlung entsandt. Des Weiteren engagierte sich Ernst Fabricius über viele Jahre in der Freiburger Ortsgruppe des Vereins für das Deutschtum im Ausland, heute Verein für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland, dessen Vorsitzender er ab 1920 für einige Jahre war. Ernst Fabricius galt als Befürworter des deutschen Kolonialismus und trat auch öffentlich für die kolonialen Bestrebungen Deutschlands ein.[2]. Angebote für den Wechsel in eine politische Karriere im Reichstag lehnte er ab. Ernst Fabricius war in erster Ehe mit Sophie Lampe aus Leipzig, nach deren Tod mit Mathilde Hirzel aus Zürich verheiratet und hatte drei Söhne und zwei Töchter [3]. Seit 1887 betätigte sich Fabricius in der "Freiwilligen Krankenpflege" und war im ersten Weltkrieg sehr aktiv in der Organisation des Roten Kreuzes engagiert. Im Besitz der Familie befinden sich zwei Ölbilder von Ernst Fabricius, gemalt von Ernst Prinz von Sachsen-Meiningen im Jahre 1923, eines in seinem früheren Freiburger Haus in der Goethestraße 44, das sich heute im Besitz seines Enkels befindet.

Der Nachlass von Ernst Fabricius (Lebensdokumente, Korrespondenzen und Skizzenbücher) befindet sich zum Teil im Universitätsarchiv der Universität Freiburg im Breisgau (C 122), teilweise noch im Familienbesitz. In der Universitätsbibliothek Mainz befinden sich zwei Faszikel Briefe und Akten über die Vereinigung "Pro Vindonissa" sowie Ausgrabungen in der Schweiz und in Badenweiler.

Bibliographie

Schriften (Auswahl)

  • Mitherausgeber: Der obergermanisch-raetische Limes des Roemerreiches. Im Auftrag der Reichs-Limeskommission, Petters, Berlin-Leipzig, Heidelberg 1894–1938
  • Die Entstehung der römischen Limesanlagen in Deutschland, Lintz, Trier 1902
  • Die Besitznahme Badens durch die Römer, Winter, Heidelberg 1905
  • Der Limes vom Rhein bis zur Lahn. Nach den Untersuchungen der Streckenkommissare, Peters, Heidelberg 1915
  • Über die Lex Mamilia Roscia Peducaea Alliena Fabia, Winter, Heidelberg 1924 (Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse, Jg. 1924/25, Abh. 1)

Literatur

  • Matthias Gelzer: Nachruf auf Ernst Fabricius, in: Gnomon Band 18, 1942, S. 238–240.
  • Wilhelm Schleiermacher: Fabricius, Ernst. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 4. Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. 733 f. (Digitalisat).
  • Fabricius, Ernst. In: Jan Filip, unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter und wissenschaftlicher Institutionen: Enzyklopädisches Handbuch zur Ur- und Frühgeschichte Europas, Band I (A - K), W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz 1966, S. 346.
  • Fabricius, Ernst. In: Deutsche Biographische Enzyklopädie (DBE), hrsg. von Walther Killy, K. G. Saur Verlag, München, New Providence, London, Paris 1996, Band 3: Ebinger - Gierke, S. 213, ISBN 3-598-23163-6.
  • Egon Schallmayer und Wolfgang Schmidt: Limes, Limesforschung. In: Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike. Band 15/1 La - Ot Rezeptions- und Wissenschaftsgeschichte, Verlag J. B. Metzler, Stuttgart, Weimar 2001, ISBN 3-476-01485-1, Sp. 163–164.
  • Fabricius, Ernst. In: Brockhaus Enzyklopädie in 30 Bänden. 21., völlig neu bearbeitete Auflage, Band 8: Emas - Fasy, F. A. Brockhaus Verlag, Leipzig, Mannheim 2006, ISBN 3-7653-4108-8, S. 684.
  • Eckhard Wirbelauer: Alte Geschichte und Klassische Archäologie, in: Eckhardt Wirbelauer (Hrsg.), Die Freiburger Philosophische Fakultät 1920–1960. Mitglieder - Strukturen – Vernetzungen, Freiburg, München 2006, S. 111–237.

Weblinks

Anmerkungen

  1. In der DBE und der NDB wird das falsche Geburtsdatum 9. Juli angegeben.
  2. Ernst Fabricius Rede vom 23. Januar 1907: Wahre und falsche Kolonialpolitik
  3. "Erinnerungen" von Ernst Fabricius niedergeschrieben Oktober 1937 - April 1941 (im Besitz der Familie)

Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages

Elemente:

,

21.11.2020
Manche mögen‘s heiß: Globale Erwärmung als Motor für Evolution der Langhalssaurier
Ein internationales Paläontologen-Team, zu dem auch SNSB-Forscher Oliver Rauhut gehört, findet Belege für einen raschen Klimawandel vor 180 Million...
11.11.2020
Der Popa-Langur: ein neu entdeckter Affe aus Asien
Erbgutanalysen, unter anderem an hundert Jahre altem Museumsexemplar, erlauben Einblick in die Evolutionsgeschichte der Haubenlanguren.
03.11.2020
Neanderthaler-Mütter stillten nach fünf bis sechs Monaten ab
Als Grund für das Aussterben der Neanderthaler vermuten einige Forscher, dass die damaligen Mütter ihre Säuglinge lange stillten und die Säuglinge...
31.10.2020
Populationsgeschichte der Hunde deckt sich nur teilweise mit der des Menschen
Wissenschaftler haben die Genome von bis zu 10.900 Jahre alten Hunden untersucht und zeigen, dass die Populationsgeschichte der prähistorischen Hunde...
30.10.2020
Denisovaner-DNA im Erbgut früher Ostasiaten
Forschende des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und der Mongolischen Akademie der Wissenschaften haben das Genom des ältesten me...
24.10.2020
Bissspuren und ausgefallene Zähne bringen Licht ins Fressverhalten von Dinosauriern
Forscherteam der Universität Tübingen untersucht 160 Millionen Jahre alten Fressplatz im Nordwesten Chinas.
22.10.2020
Kognitive Bausteine der Sprache existierten schon vor 40 Millionen Jahren
Nicht nur Menschen, sondern auch Affen und Menschenaffen erkennen Regeln in komplexen sprachlichen Konstruktionen. Dies haben Sprachwissenschaftler du...
21.10.2020
Mehr noch als Fleisch und Milch
Stabile Isotopendaten von Menschen- und Tierknochen zeigen eine sehr effektive Nutzung des vielfältigen Nahrungsangebots im nördlichen Kaukasus und ...
18.10.2020
Madagaskar: Mensch und Klima verursachten Massenaussterben
Die gesamte endemische Megafauna Madagaskars und der östlich davon gelegenen Inselkette der Maskarenen, zu der Mauritius und Rodrigues zählen, wurde...
17.10.2020
Chemische Evolution - Am Anfang war der Zucker
Der Ursprung allen Lebens liegt in organischen Molekülen. Doch wie sind diese aus anorganischen Stoffen entstanden? Der LMU-Chemiker Oliver Trapp ber...
14.10.2020
Der moderne Mensch kam auf Umwegen nach Europa
Klimatische Bedingungen leiteten die geographische Ausbreitung von Homo sapiens in der Levante vor 43.000 Jahren.
12.10.2020
Reiter wetteiferten vor 3000 Jahren um die ältesten Lederbälle Eurasiens
Wissenschaftler haben in Gräbern von Reitern in Nordwest-China die ältesten Bälle Eurasiens untersucht. Gemäss dem internationalen Forscherteam so...
08.10.2020
Forscher rekonstruieren Käfer aus der Kreidezeit
Ein internationales Forscherteam hat vier neu gefundene Exemplare der fossilen Käfer Mysteriomorphidae mithilfe der Computertomographie untersucht un...
01.10.2020
Jagdverhalten säbelzahntragender Raubtiere erforscht
Ein internationales Team von Forschenden aus dem Vereinigten Königreich und Spanien sowie unter Beteiligung vom Museum für Naturkunde in Berlin, unt...
25.09.2020
Vor 120.000 Jahren: Älteste sicher datierte Nachweise von Menschen auf der arabischen Halbinsel
Unter Verwendung hochauflösender paläoökologischer Informationen, die aus versteinerten Fußabdrücken gewonnen wurden, präsentiert eine neue, in ...
25.09.2020
Neandertaler haben männliches Geschlechtschromosom vom modernen Menschen übernommen
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Martin Petr und Janet Kelso vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipz...
21.09.2020
Versteinerte Bäume im Thüringer Wald: Forscherteam entschlüsselt fossile Mikrowelten
Paläontologen des Museums für Naturkunde Chemnitz und der TU Bergakademie Freiberg führen aktuell in Manebach bei Ilmenau wissenschaftliche Grabung...
21.09.2020
Auch Schimpansen leiden ein Leben lang, wenn sie im Kindesalter die Mutter verlieren
Der Tod eines Elternteils ist für ein Kind traumatisch und Waisenkinder leiden häufig für den Rest ihres Lebens unter diesem Verlust – ein verzö...
21.09.2020
Älteste Spermien der Welt
In einem Bernstein entdeckte ein internationales Team von Paläontologen im Inneren eines weiblichen Muschelkrebses 100 Millionen Jahre alte Riesenspe...
17.09.2020
Schimpansenverhalten und -kultur sind in variabler Umwelt am vielfältigsten
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und dem Deutschen Zentrum für integrat...
15.09.2020
Weinpresse aus der Eisenzeit gibt Aufschluss über Bautechnik der Phönizier
Forschungsteam der Universität Tübingen entdeckt seltenen Nachweis der frühen Weinherstellung an der Ausgrabungsstätte Tell el-Burak im Libanon.
09.09.2020
Die älteste Neandertaler-DNA Mittelosteuropas
Ein internationales Team berichtet in einer neuen Studie über das älteste mitochondriale Genom eines Neandertalers aus Mittelosteuropa. Das aus eine...
09.09.2020
Das letzte Zucken der Eiszeit
Ein internationales Team von Forschenden blickt präzise wie nie in das Ende der letzten Eiszeit. Wann und wo genau die Jüngere Dryaszeit begann und ...
03.09.2020
Milchverträglichkeit hat sich in wenigen Tausend Jahren in Mitteleuropa verbreitet
Paläogenetiker der Johannes Gutenberg-Universität Mainz finden nur in wenigen Knochen vom bronzezeitlichen Schlachfeld an der Tollense Hinweise auf ...
03.09.2020
Himmelsscheibe von Nebra wird neu datiert
Bisher galt die Himmelsscheibe von Nebra als frühbronzezeitlich und damit als älteste Himmelsdarstellung der Welt. Archäologen der Goethe-Universit...