Eduard Koschwitz


Eduard Koschwitz (* 7. Oktober 1851 in Breslau; † 14. Mai 1904 in Königsberg i. Pr.) war ein deutscher Romanist, Mediävist, Provenzalist und Phonetiker

Leben und Werk

Koschwitz promovierte 1875 in Breslau bei Gustav Gröber über die altfranzösische Karlsreise und war zwei Jahre Gymnasiallehrer. 1877 habilitierte er sich bei Eduard Böhmer in Straßburg, war dort Privatdozent und wurde 1880 als o. Professor für romanische Philologie nach Greifswald berufen, wo er 1894/95 Rektor war. 1896 ging er als Nachfolger von Edmund Max Stengel (der in Greifswald sein Nachfolger wurde) nach Marburg. Im selben Jahr wurde er Mitglied der Marburger Burschenschaft Rheinfranken.[1] 1901 wechselte er an die Albertus-Universität Königsberg.

Koschwitz’ besonderes Verdienst lag in der pionierhaften phonetischen und morphologischen Beschreibung der französischen Sprache seiner Zeit (teilweise in Zusammenarbeit mit dem französischen Phonetiker Abbé Jean Rousselot) und in der wissenschaftlichen Beachtung des Neuprovenzalischen, dessen Dichter Frédéric Mistral er persönlich kannte. Er engagierte sich für den Praxisbezug des Studiums, sowohl in der sprach- wie in der literaturwissenschaftlichen Komponente (Einbeziehung der neueren Literatur). Seit 1879 war er Herausgeber der Zeitschrift für neufranzösische Sprache und Literatur mit besonderer Berücksichtigung des Unterrichts im Französischen auf den deutschen Schulen (ab 1889 Z. f. französische Spr. u. Lit.). In Marburg hat er 1896 die Universitätsferienkurse, internationale Fortbildungskurse für Lehrer und Lehrerinnen der neusprachlichen Schulfächer, ins Leben gerufen. 1902 gründete er die Zeitschrift für französischen und englischen Unterricht.

Werke

  • Überlieferung und Sprache der Chanson du voyage de Charlemagne à Jérusalem et à Constantinople. Eine kritische Untersuchung, Heilbronn 1876
  • Sechs Bearbeitungen des altfranzösischen Gedichts von Karls des Großen Reise nach Jerusalem, Heilbronn 1879
  • Les plus anciens monuments de la langue française, Heilbronn 1879
  • Karls des Großen Reise nach Jerusalem und Constantinopel. Ein altfranzösisches Heldengedicht, Heilbronn 1880, 5. Auflage 1913 (Nachdruck Vaduz 1968)
  • (mit Wendelin Förster) Altfranzösisches Übungsbuch, Leipzig 1884
  • Commentar zu den ältesten französischen Sprachdenkmälern, Heilbronn 1886
  • Neufranzösische Formenlehre nach ihrem Lautstande, Oppeln/Leipzig 1888
  • Grammatik der neufranzösischen Schriftsprache (16.–19. Jahrhundert), 2 Bde, Berlin 1889, 1894
  • Zur Aussprache des Französischen in Genf und Frankreich, Berlin 1892
  • Les parlers parisiens, Paris 1893; Marburg 1898
  • Grammaire historique de la langue des félibres, Greifswald 1894
  • Ueber die Provenzalischen Feliber und Ihre Vorgänger, Berlin 1894
  • Französische Volksstimmungen während des Krieges 1870/71, Heilbronn 1894, frz. Ausgabe: Les Français avant, pendant et après la guerre de 1870-1871, Paris 1897
  • Anleitung zum Studium der französischen Philologie, Marburg 1897, russ. 1899, engl. 1899
  • Miréio, poème provençal de Frédéric Mistral. Edition publiée pour les cours universitaires, Marburg 1900
  • (Bearbeiter) Karl Bartsch, Chrestomathie provençale (Xe-XVe siècles), 6. Auflage, Marburg 1904

Einzelnachweise

  1. Marburger Burschenschaft Rheinfranken

Literatur

  • W. Theodor Elwert: Koschwitz, Eduard. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 12. Duncker & Humblot, Berlin 1980, ISBN 3-428-00193-1, S. 611 (Digitalisat).
  • Abbé Rousselot: Edouard Koschwitz. In: Revue de l’lnstitut catholique de Paris, juillet-août 1906.
  • Max Kaluza/Gustav Thurau: Eduard Koschwitz. Ein Lebensbild. In: Zeitschrift für französischen und englischen Unterricht 3, 1904, S. 385–432 (mit Verzeichnis der Schriften und der betreuten Dissertationen).

Weblinks


Vorgänger Amt Nachfolger
Gustav Pescatore Rektor der Universität Greifswald
1894
Victor Schultze

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