Deutsche Gesellschaft für Völkerkunde


Die Deutsche Gesellschaft für Völkerkunde e.V. (DGV) ist eine Vereinigung von Völkerkundlern bzw. Ethnologen und an der Völkerkunde/Ethnologie interessierten Personen und Institutionen, die der Förderung der Wissenschaft dient. Sie wurde 1929 gegründet, hatte aber ältere Vorgänger. Die DGV hat etwa 400 Mitglieder. Ihr wesentliches Ziel ist es, in der Öffentlichkeit für die außereuropäischen Völker und ihre Probleme Verständnis zu erwecken und die Kenntnisse über sie zu vertiefen.

Aufgaben

Die DGV hat insbesondere die folgenden Aufgaben:

  • Unterstützung der völkerkundlichen Forschung und Lehre.
  • Empfehlungen und Auskünfte zu völkerkundlichen Fragen.
  • Ausbau der völkerkundlichen wissenschaftlichen Einrichtungen.
  • Mitwirkung an der Verbreitung gesicherten völkerkundlichen Wissens und Publikation von Mitteilungen und Veröffentlichungen.
  • Veranstaltung wissenschaftlicher Tagungen.
  • Förderung der Zusammenarbeit und des Gedankenaustauschs ihrer Mitglieder und Vertretung von deren Interessen.
  • Pflege der Beziehungen zu den Nachbarwissenschaften und zu völkerkundlichen Institutionen des Auslandes.

Vorstand

Der Vorstand der Gesellschaft besteht aus

  • der Vorsitzenden Carola Lentz (Mainz)
  • dem stellvertretenden Vorsitzenden Matthias Krings
  • der Schatzmeisterin Ute Röschenthaler

Arbeits- und Regionalgruppen

Die Arbeits- und Regionalgruppen bieten innerhalb der DGV ein Forum zum wissenschaftlichen Austausch über bestimmte Themen, Aspekte oder Regionen. Anfang 2009 gab es folgende aktive Gruppen:

Arbeitsgruppen

  • Entwicklungsethnologie
  • Ethik
  • Ethnologische Bildung
  • Ethnologische Geschlechterforschung
  • Fachgeschichte
  • Hochschul- und Studienfragen
  • Kognitive Ethnologie
  • Medical Anthropology
  • Medien (Anthropologie)
  • Migration, Multikulturalität und Identität
  • Sozialanthropologie Europas
  • Visuelle Anthropologie
  • Kulinarische Ethnologie

Regionalgruppen

Regionalgruppen gib es für Afrika, Afroamerika, Nepal und Himalayaraum, indigenes Nordamerika, Ozeanien, Sibirien und Zirkumpolargebiete, Südamerika, Südasien, Südostasien, sowie für den Mittelmeerraum.

Geschichte

Die Ethnologen organisieren sich in der 1929 gegründeten Gesellschaft für Völkerkunde (GV), die sich vor Kriegsende nur noch einmal, vom 12. bis 14. Oktober 1936 in Leipzig, traf. 1938 wurde sie in Deutsche Gesellschaft für Völkerkunde (DGV) umbenannt. Dieser Verband versteht sich von Beginn an in erster Linie als eine wissenschaftliche Vereinigung oder ein Fachverband – aber nicht als Berufsverband. Nach dem Krieg versuchen v.a. Jensen, Termer und Trimborn, die DGV erneut zu beleben. 1946 fand in Frankfurt/Main ein erstes informelles Treffen der Fachvertreter, 1947 die erste ordentliche Tagung in Hamburg statt. Seit 1965 werden die Tagungen zusammen mit den österreichischen Kollegen abgehalten. Von 1952-69 wurden die Tagungen, sofern möglich, alternierend von Universitäts- und von Museumskollegen durchgeführt. 1967 wurde auf Initiative des Vorsitzenden Hans Rhotert eine Satzungsänderung verabschiedet, die Studenten die Vollmitgliedschaft ermöglichte.

Auf der Göttinger Tagung 1969 kam es zum Eklat zwischen den Professoren und den studentischen Mitgliedern des Faches. In der Folge verließen eine Reihe von etablierten Fachvertretern die Gesellschaft. Die nächste ordentliche Tagung konnte erst wieder 1975 in Coburg durchgeführt werden. Seither trifft sich die Gesellschaft in zweijährigem Turnus und mit ständig wachsender Mitgliederzahl.

Während es zwischen 1969 und ca 2000 zu einer wachsenden Entfremdung von Museums- und Universitätsethnologen kam, ist seit der Jahrtausendwende eine zaghafte Wiederannäherung der beiden Richtungen zu verzeichnen; insbesondere mit der Tagung 2009 zeichnet sich ein fruchtbarer Dialog zwischen Museums- und Universitätsethnologen ab.

Immer wieder wurden die Tagungen der Gesellschaft in Städten abgehalten, in denen die Ethnologie nur schwach verankert war (z.B. Stuttgart, Freiburg i. Brsg., Coburg, Lübeck), um die Aussenwirkung des Faches zu stärken.

Tagungsorte

  • 1929: Leipzig
  • 1936: Leipzig
  • 1946: Frankfurt (informelles Treffen)
  • 1947: Hamburg (erste ordentliche Nachkriegstagung)
  • 1948: Mainz
  • 1952: Köln
  • 1954: Bremen
  • 1957: Berlin
  • 1959: Stuttgart
  • 1961: Freiburg
  • 1963: Heidelberg
  • 1965: Wien
  • 1967: St. Augustin
  • 1969: Göttingen
  • 1970: Mainz (außerordentliche MV)
  • 1971: Heidelberg (informelles Treffen)
  • 1973: Bremen
  • 1975: Coburg
  • 1977: Büdingen
  • 1979: Bad Homburg
  • 1981: Münster
  • 1983: Freiburg und Basel
  • 1985: Lübeck
  • 1987: Köln
  • 1989: Marburg
  • 1991: München
  • 1993: Leipzig
  • 1995: Wien
  • 1997: Frankfurt
  • 1999: Heidelberg
  • 2001: Göttingen
  • 2003: Hamburg
  • 2005: Halle
  • 2007: Halle
  • 2009: Frankfurt
  • 2011: Wien

Vorsitzende

  • 1929–1936: Fritz Krause (Leipzig)
  • 1936–1947: Franz Termer (Hamburg)
  • 1947–1954: Adolf Ellegard Jensen (Frankfurt/Main)
  • 1954–1957: Martin Heydrich (Köln)
  • 1957–1959: Hermann Trimborn (Bonn)
  • 1959–1963: Hans Rhotert (Stuttgart)
  • 1963–1965: Hermann Baumann (München)
  • 1965–1967: Willy Fröhlich (Köln), verstorben 1966; komm. Leitung ab 1966 durch Hans Rhotert
  • 1967–1969: Erhard Schlesier (Göttingen)
  • 1969–1973: Ernst Wilhelm Müller (Mainz)
  • 1973–1975: Hans Fischer (Hamburg)
  • 1975–1979: Eike Haberland (Frankfurt/Main)
  • 1979–1981: Ulrich Köhler (Münster)
  • 1981–1985: Rolf Herzog (Freiburg)
  • 1985–1989: Ulla Johansen (Köln)
  • 1989–1991: Matthias Samuel Laubscher (München)
  • 1991–1993: Dietrich Treide (Leipzig)
  • 1993–1997: Josef Franz Thiel (Frankfurt/Main)
  • 1997–1999: Jürg Wassmann (Heidelberg)
  • 1999–2001: Brigitta Hauser-Schäublin (Göttingen)
  • 2001–2003: Hartmut Lang (Hamburg)
  • 2003–2007: Günther Schlee (Halle)
  • 2007-2011: Karl-Heinz Kohl (Frankfurt/Main)
  • seit 2011 Carola Lentz (Mainz)

Veröffentlichungen

Archiv

Das Archiv der DGV befindet sich derzeit am Frobenius-Institut an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Weblinks


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