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Deus ex machina


Der Deus ex machina [ˈdeːʊs ɛks ˈmakhina] (lat. Gott aus einer/der (Theater-)Maschine) ist eine Lehnübersetzung aus dem Griechischen ἀπὸ μηχανῆς Θεός (apò mēchanḗs theós) und bezeichnet ursprünglich das Auftauchen einer Gottheit mit Hilfe einer Bühnenmaschinerie. Heute gilt der Ausdruck auch als eine sprichwörtlich-dramaturgische Bezeichnung für jede durch plötzliche, unmotiviert eintretende Ereignisse, Personen oder außenstehende Mächte bewirkte Lösung eines Konflikts.[1]

Ursprung

In der antiken Tragödie gab es tragische Konflikte, die sich nicht immer kraft menschlicher Handlungen ‚lösen‘ ließen. Ihre Behebung oder Entscheidung erfolgte ‚von oben‘ durch das überraschende Eingreifen einer Gottheit, die dem Geschehen die Schlusswende gab.

Der Deus ex machina schwebte in einer kranähnlichen Hebemaschine, der sogenannten Theatermaschine, über der Bühne oder landete auf dem Dach des Bühnenhauses. Damit wollte man die Macht der Götter in der antiken Vorstellung darstellen, und in der Tat waren ihre Eingriffe in das Bühnengeschehen oft überraschend.

Beispiele für einen Deus ex machina bieten etwa die Eumeniden des Aischylos (Auftritt der Athene) oder die Iphigenie von Euripides (Hilfe durch Athene). Auch in modernen Dramen können Götter auftauchen, dann allerdings in ironischer Verwendung (vgl. Bertolt Brecht: Der gute Mensch von Sezuan; hier zeichnen die Götter allerdings auch bereits für den Ausgangspunkt des Stücks verantwortlich). Weiter können menschliche Bühnenfiguren die Aufgabe des Deus ex machina übernehmen, eine restlos verfahrene Situation aufzulösen (vgl. der ‚reitende Bote des Königs‘ in Brechts Dreigroschenoper, ein Element des Epischen Theaters). Ebenso der Staatspräsident in Friedrich Dürrenmatts Stück Frank der Fünfte; ähnlich, aber mit Wendung zum Schlechteren, die Anstaltsleiterin in seinem Stück Die Physiker.

Filmische Beispiele sind Shakespeare in Love, wo der durch nichts motivierte Auftritt der Königin Elisabeth am Ende die scheinbar unlösbar miteinander verwobenen Fäden der Intrige entwirrt, oder Jurassic Park, wo die Protagonisten am Ende von einem in letzter Sekunde auftauchenden Tyrannosaurus vor den Velociraptoren gerettet werden. In mehreren Western übernimmt ein plötzlicher, mehr oder weniger unvermittelter Kavallerieangriff die Funktion.

Einsatz

Man wird als Begründung für das Erscheinen des deus ex machina in der antiken Dichtung schwerlich behaupten können, der Mensch brauche das „Erscheinungswunder“ als Ausdruck göttlicher oder höherer Zuneigung, wenn man die Anweisung des Horaz[2] an den tragischen Dichter in Betracht zieht: „nec deus intersit, nisi dignus vindice notus / inciderit“ („und kein Gott sei im Spiel, außer es ist eine Verstrickung angefallen, die einen Befreier verlangt“). Das heißt, dass nur in Ausnahmefällen, nämlich wenn kein Mensch mehr in der Lage ist, den Knoten zu lösen, der Dichter einen Gott darf eingreifen lassen. Im griechischen und römischen Theater erscheint der Deus ex machina überraschend dem erstaunten Publikum. Im Mittelalter treten Hexen und Dämonen mit Schwefel und Rauch aus sich öffnenden Erdspalten, und besonders charismatischen Menschen erscheinen Maria, die Mutter Jesu, Heilige sowie Zeichen. Das (Film-)Theater der Neuzeit verwendet Dei ex machina beispielsweise in Gestalt des bekannten Westernklischees, dass die Kavallerie am Ende des Films erscheint und die Protagonisten rettet. Weiters kann ein Deus ex machina auch eingesetzt werden, um durch die Unwahrscheinlichkeit bzw. Unplausibilität einen komischen Effekt hervorzurufen, wie beispielsweise in einigen Sketchen und Filmen der britischen Komikergruppe Monty Python.[3]

Heutiger Gebrauch des Begriffs

Heute bezeichnet man mit Deus ex machina – in Literatur und Alltag – meist eine unerwartet auftretende Person oder Begebenheit, die in einer Notsituation hilft oder die Lösung bringt. In Unterhaltungsmedien sind Dei ex machina oft auch Hilfsmittel von Autoren, um die Geschichte mit einfachen, unerklärten Mitteln in die gewünschte Richtung zu bewegen, weshalb der Ausdruck meist herabwertend als Kritik an der Schreibfähigkeit der Autoren verwendet wird und die Unfähigkeit bezeichnet, eine Handlung mit kontinuierlich logischen Zusammenhängen zu schaffen. Beispiele findet man vor allem in Verbindung mit Soaps, die über Jahre hinweg in konstanten zeitlichen Abständen neue Handlungsmotive und Konflikte mit entsprechenden Auflösungen benötigen und damit zwangsläufig zum Einsatz solcher Dei ex machina führen. Auch Grimms Märchen verwenden häufig dieses Stilmittel, um dem jeweiligen Titelhelden der Geschichte zur Seite zu stehen.

Einzelnachweise

  1. Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 1955 erstmals erschienen, 8. erw. Aufl. Stuttgart: Kröner. 2001, S.160f, ISBN 3-520-23108-5
  2. de arte poetica 191
  3. Anton Fuxjäger: Lernbehelf zur Lehrveranstaltung Film- und Fernsehanalyse: Einführung in die grundlegende Terminologie. Aktualisierte Neuauflage für das SS 2007. Wien, 2004, S.38

Literatur

  • Karl Richard Fösel: Der Deus ex machina in der Komödie. Palm & Enke, Erlangen, 1975 (Erlanger Studien 10, ISSN 0179-1710).
  • Walter Nicolai: Euripides' Dramen mit rettendem Deus ex machina. Universitätsverlag Carl Winter, Heidelberg, 1990, ISBN 3-533-04255-3.
  • Gero von Wilpert: Deus ex machina. In: Sachwörterbuch der Literatur. 8. verbesserte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart, 2001, ISBN 3-520-23108-5, S. 160f.
  • Andreas Spira: Untersuchungen zum Deus ex machina bei Sophokles und Euripides. Kallmünz: Lassleben. 1960, 167 S.
  • Wieland Schmidt: Der Deus ex machina bei Euripides. 1963, 231 S.

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