Holger Weinandt / CC BY-SA 3.0 de

Confluentes


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Confluentes
Alternativname Confluentes
Limes spätantiker Rheinlimes
Abschnitt Germania prima
Datierung (Belegung) 1. bis 5. Jhdt. n. Chr.
Ort Koblenz
Geographische Lage 50° 21′ 40″ N, 7° 35′ 43″ O50.3611111111117.5952777777778Koordinaten: 50° 21′ 40″ N, 7° 35′ 43″ O
Vorhergehend Burgus Neuwied-Engers (nordwestlich)
Anschließend Burgus Lahnstein (südlich)
Karte der spätrömischen und mittelalterlichen Stadtmauer von Koblenz
Fundort des frührömischen Kastells aus der Zeit des Kaisers Augustus an der Kastorkirche 2008
Datei:ORL 02a tab 08 pic 01-02 Relief- und Inschriftensteine.jpg
Relief- und Inschriftensteine aus Koblenz-Niederberg
Teilrekonstruierte Grundmauern der Villa Rustica am Remstecken

Castellum apud Confluentes (deutsch „Kastell bei den Zusammenfließenden“) ist der lateinische Name für die römische Ansiedlung am Zusammenfluss von Mosel (Mosella) und Rhein (Rhenus), aus der sich die deutsche Großstadt Koblenz entwickelte.

Geschichte

Frührömisches Kastell

Im Gallischen Krieg gegen die Germanen erreichten römische Truppen unter Gaius Iulius Caesar 55 v. Chr. den Rhein und errichteten zwischen Koblenz und Andernach einen ersten Rheinübergang. In Koblenz selbst reichen Siedlungsreste in der Nähe des heutigen Münzplatzes, an der Kastorkirche und am Kurfürstlichen Schloss bis ins ausgehende erste vorchristliche Jahrhundert zurück. Ein erstes Kastell wurde zur Zeit des Kaisers Augustus (27 v.–14 n. Chr.) am Zusammenfluss von Mosel und Rhein zur Sicherung der Rheinstraße Mainz–Köln–Xanten erbaut. Der erste Nachweis dieses frührömischen Kastells gelang im November 2008, als man bei Bauarbeiten zur Bundesgartenschau 2011 an der Kastorkirche einen antiken Graben entdeckte. Der vier Meter breite und heute immer noch 2,5 Meter tiefe Graben eines 100 × 100 Meter großen Kastells ist der fehlende Beweis für die frührömische Besiedlung von Koblenz, nach dem zuvor 150 Jahre lang vergebens im Bereich der Altstadt gesucht worden war.[1][2] Koblenz zählt somit zu den ältesten Städten Deutschlands. Die Römer nannten ihre Ansiedlungen Castellum apud Confluentes, was so viel wie „Kastell bei den Zusammenfließenden“ (Rhenus fluv. et Mosella fluv.) bedeutet. Zu dieser Zeit siedelten hier die Treverer, die die gesamte Moselregion beherrschten. Seit etwa 85 n. Chr. gehörte der Ort zu der um diese Zeit unter Domitian eingerichteten römischen Provinz Germania superior, die aus dem obergermanischen Heeresbezirk (exercitus Germanicus superior) gebildet wurde.

Römische Brücken wurden über Rhein und Mosel errichtet. Eine rund 350 Meter lange Pfahlbrücke über den Rhein wurde im Jahre 49 n. Chr.[3] zwischen dem heutigen Ehrenbreitstein und dem Koblenzer Rheinufer erbaut. Sie bestand aus etwa 650 bis 750 Eichenstämmen mit eisernen Spitzen, so genannten Pfahlschuhen, von denen 51 erhalten geblieben sind.[4] Die Moselbrücke, 50 Meter neben der heutigen Balduinbrücke gelegen, wurde als Teil der römischen Rheintalstraße erbaut.

In spätflavischer, spätestens in frühtrajanischer Zeit, also kurz vor oder um das Jahr 100 n. Chr., wurde auf der rechten Rheinseite auf dem Gebiet des heutigen Koblenz-Niederberg das Kastell Niederberg für Auxiliartruppen zum Schutz des Obergermanischen Limes errichtet. Die römischen Truppen wurden damit von Koblenz auf die rechte Rheinseite verlegt. Das Kastell existierte, bis um 259/260 n. Chr. das rechtsrheinische Gebiet in der Folge der fränkischen Offensive von den Römern geräumt wurde.[5]

Spätrömisches Kastell

Wohl nach der Aufgabe des Limes begann der Bau einer rund 8,5 Hektar umfassenden Befestigungsanlage auf dem Gebiet der heutigen Altstadt. Nach dem Fall des Limes ließ Kaiser Konstantin (306–337) diesen Bereich mit einem zwei bis zweieinhalb Meter mächtigen und bis zu sechs Meter hohen Mauerring mit 19 Rundtürmen sowie einem festen Tor versehen. Die Fundamente der Alten Burg bestehen aus den Resten eines der Rundtürme. Weitere Reste befinden sich unter dem Chor der Florinskirche, beim Pfarrhaus Liebfrauen und teilweise noch in Wohnhäusern der Kornpfortstraße.

Am Remstecken finden sich Überreste eines römischen Bauernhofes (Villa rustica), der teilweise ausgegraben und teilrekonstruiert worden ist. Oberhalb von Koblenz wurde im heutigen Stadtwald unweit der Römerstraße eine Tempelanlage für den römischen Gott Mercurius und die gallische/keltische Göttin Rosmerta erbaut. Dort gefundene römische Münzen belegen eine Nutzung der Anlage bis in das 5. Jahrhundert.

Im Verlauf des Zusammenbruchs des Weströmischen Reiches im 5. Jahrhundert wurde Koblenz von den Franken erobert und danach ein fränkischer Königshof begründet. Beim Abzug der römischen Truppen wurden Rhein- und Moselbrücken zerstört. Die römische Stadtmauer blieb bis ins Frühmittelalter erhalten. Bis heute zeugen Mauerreste und die Straßenzüge von Altengraben, Plan, Entenpfuhl, Kornpfortstraße in der Koblenzer Altstadt von der spätrömischen Befestigung.

Siehe auch

  • Geschichte der Stadt Koblenz

Literatur

  • Energieversorgung Mittelrhein GmbH (Hrsg.): Geschichte der Stadt Koblenz. Gesamtredaktion: Ingrid Bátori in Verbindung mit Dieter Kerber und Hans Josef Schmidt
    • Bd. 1: Von den Anfängen bis zum Ende der kurfürstlichen Zeit. Theiss, Stuttgart 1992, ISBN 3-8062-0876-X.
    • Bd. 2: Von der französischen Stadt bis zur Gegenwart. Theiss, Stuttgart 1993, ISBN 3-8062-1036-5.
  • Max Bär: Aus der Geschichte der Stadt Koblenz. 1814-1914. Krabben, Koblenz 1922 (Digitalisat)
  • Hans Bellinghausen: 2000 Jahre Koblenz. Geschichte der Stadt an Rhein und Mosel. Boldt, Boppard 1973.
  • Maximilian Ihm: Confluentes 1. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band IV,1, Stuttgart 1900, Sp. 871–872.
  • Hans-Helmut Wegner: Koblenz und der Kreis Mayen-Koblenz. Theiss, Stuttgart 1986, ISBN 3-8062-0462-4 (Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland, 12; Archäologie an Mittelrhein und Mosel. 3).
  • Hans-Helmut Wegner: Koblenz. In: Heinz Cüppers: Die Römer in Rheinland-Pfalz. Lizenzausgabe der Originalausgabe von 1990. Nikol, Hamburg 2002, ISBN 3-933203-60-0, S. 418–423.
  • Axel von Berg: Koblenz im Wandel. Von der Frühzeit zur modernen Stadt. (Archäologie an Mittelrhein und Mosel, Band 22) Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Koblenz 2011, ISBN 978-3-929645-15-6.
  • Reinhard Kallenbach: Koblenzer Geschichte neu erzählt. Mittelrhein Verlag, Koblenz 2012, ISBN 978-3-925180-03-3.

Weblinks

 <Lang> Commons: Confluentes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: confluentes – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary Wiktionary: Confluentes – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary Wiktionary: Koblenz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Frührömisches Kastell entdeckt – Stadtgeschichte auf den Kopf gestellt – Antiker Graben an der Basilika St. Kastor weist in die Zeit des Imperators Augustus. In: Rhein-Zeitung. 19. November 2008.
  2. Koblenz am Rhein gegründet: BUGA macht Geschichte. auf: spd-koblenz.de, 20. November 2008.
  3. Dendrochronologisch gesichertes Datum.
  4. Hansjörg Groenert: Die Römische Rheinbrücke bei Koblenz.
  5. Das Auxiliarkastell von Koblenz Niederberg auf der offiziellen Webpräsenz des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland Pfalz.

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