Codex Brucianus


Der Codex Brucianus auch Bruce Codex ist eine koptische gnostische Handschrift, in sahidischem Dialekt, die die zwei Bücher des Jeû enthält.

Der Kodex trägt den Namen des Schotten James Bruce, der die Handschrift 1769 in Ägypten in Medînet Hâbu kaufte. [1] Er bestand zur Zeit des Erwerbs aus 78 Blättern aus Papyrus im Quartformat. Karl Gottfried Woide konnte als erster dieses Manuskript kopieren, seine Abschrift befindet sich im Besitz der Clarendon Press, heute Oxford University Press. 1842 kaufte die Bodleian Library in Oxford das Manuskript von den Erben. Der Zustand der Handschrift ist schlecht und seit der ersten Abschrift von Woide sind aufgrund der feuchten Lagerung in England und zu spät erfolgter Konservierung 7 Blätter ganz verloren und 49 zur Hälfte zerstört oder zu Fragmenten zerfallen.[2]

Moritz Gotthilf Schwartze (1802−1848) konnte 1848 diese Abschrift Woides einsehen, kopieren und mit dem Original vergleichen, sein früher Tod verhinderte aber, dass er irgendetwas veröffentlichen konnte. Die erste komplette Ausgabe erfolgte 1892 durch den Kirchenhistoriker und Koptologen Carl Schmidt (1868−1938), der die Aufzeichnungen Woides und Schwartzes verwenden konnte.

Die erste Bindung erfolgte mangels Fachleuten in völliger Unkenntnis über die Schrift und den Inhalt, so dass die Seiten vertauscht und zum Teil auf dem Kopf in den Kodex eingebunden waren. Schmidt erkannte, dass es sich eigentlich um zwei verschiedene Kodices handelt, erkennbar an unterschiedlicher Papyrusqualität, verschiedenen Handschriften und unterschiedlichem Inhalt, die durch gemeinsamen Fund und Verkauf kombiniert worden sind. Er datierte die beiden Handschriften auf das 5. und auf das 5.-6. Jahrhundert.[3] Nach Schmidts Veröffentlichung wurden die Seiten nach seiner rekonstruierten Reihenfolge ein zweites mal gebunden.

Die originalen Werke war ursprünglich griechisch geschrieben, das zeigt sich an den griechischen Wörtern, die vom Original übernommen wurden, und an Wort für Wort übersetzten Passagen.[4]

Der erste Codex umfasst die zwei Bücher des Jeû, dazu am Schluss zwei fragmentarische gnostische Gebete und ein weiteres Fragment. Der zweite Kodex enthält ein altgnostisches Werk mit unbekanntem Titel. Die beiden Bücher des Jeû zeigen eine enge inhaltliche Verbindungen zur Pistis Sophia, die im Codex Askewianus überliefert ist. Schmidt hält es für möglich, dass beide Werke auf einen Verfasser zurückgehen.

Der Verfasser der enthaltenen Werke ist nicht bekannt. Woide hielt Valentinus für den möglichen Verfasser, aber Schmidt hält das für fragwürdig.[5]

Zusammen mit dem Codex Berolinensis Gnosticus 8502 und dem Codex Askewianus waren diese drei Manuskripte für längere Zeit die einzigen direkten Quellen zur Gnosis. Ansonsten gab es nur noch die indirekten Zeugnisse der Kirchenväter. Erst durch den Fund der Nag-Hammadi-Schriften verbesserte sich die Quellenlage deutlich.

Einzelnachweise

  1. Schmidt, Gnostische Schriften in koptischer Sprache aus dem Codex Brucianus S. 6-7.
  2. Schmidt, Gnostische Schriften in koptischer Sprache aus dem Codex Brucianus S. 6-7.
  3. Schmidt, Gnostische Schriften in koptischer Sprache aus dem Codex Brucianus S. 13.
  4. Schmidt, Gnostische Schriften in koptischer Sprache aus dem Codex Brucianus S. 11
  5. Schmidt, Gnostische Schriften in koptischer Sprache aus dem Codex Brucianus S. 11

Literatur


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