Choresmien in der Antike


Die Choresmien in der Antike und Choresmien überschneiden sich thematisch. Hilf mit, die Artikel besser voneinander abzugrenzen oder zu vereinigen (→ Anleitung). Beteilige dich dazu an der Redundanzdiskussion. Bitte entferne diesen Baustein erst nach vollständiger Abarbeitung der Redundanz und vergiss bitte nicht, den betreffenden Eintrag auf der Redundanzdiskussionsseite mit {{Erledigt|1=~~~~}} zu markieren. Tekisch 15:52, 20. Feb. 2011 (CET)
Fragment einer choresmischen Wandmalerei aus Qazaqli-yatqan

Choresmien war ein antikes Königreich, dessen Anfänge im Dunkeln liegen. Es lag auf dem Gebiet der heutigen Staaten Turkmenistan und Usbekistan und wurde auf der einen Seite von ausgedehnten Wüsten, auf der anderen Seite von Oasen und vor allem dem Fluss Amudarja begrenzt.

Allgemeines

Die Oasen und das Amadurjatal sind ausgesprochen fruchtbar. Eine Grundlage für den Reichtum der Gegend war die hochentwickelte Bewässerungslandwirtschaft. Neben Baumwolle und Reis, Obst und Wein wurde Getreide angebaut. In der Bronzezeit existierte etwas südlicher die sogenannte Oasenkultur, die aber um 1700 verschwand. Aus der folgenden Zeit sind die Suyargan (um 1900 v. Chr.), Tazabag'yab (1500-1000 v. Chr.), and Amirabad-Kulturen (ca. 1000-800 v. Chr.) bekannt.

Das antike Choresmien ist bisher erst wenig erforscht. Es gab an einigen Orten Ausgrabungen, die ein relativ gutes Bild der materiellen Kultur liefern, aber schriftliche Quellen sind nicht sehr zahlreich und Choresmien wird auch selten bei antiken Autoren erwähnt. Aus späterer Zeit gibt es einige islamische Quellen, doch bereitet es große Schwierigkeiten, die dort genannten Herrscher und Ereignisse mit den zeitgenössischen Quellen in Einklang zu bringen.

Anfänge

Erste Nachrichten stammen aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. Choresmien war ein frühes Zentrum der zoroastrischen Religion. Zoroaster missionierte 588 v. Chr. Vishtaspa, den aus anderen Quellen nicht bekannten König von Choresmien. In der Avesta, dem heiligen Buch des Zoroastrismus wird Choresmien erwähnt. Für die folgenden Jahre fehlen weitere Quellen, doch war das Land zeitweise Provinz des Achämenidenreiches. Es wurde von Kyros II. mit anderen zentralasiatischen Gebieten erobert. In einer unter Dareios I. angefertigten Inschrift zu dem Bau des Palastes von Susa wird auch Choresmien als Provinz aufgeführt. Ein Soldat aus Choresmien erscheint in einem Dokument, das auf Elephantine an der Südgrenze Ägyptens, am anderen Ende des persischen Reiches also, gefunden worden ist. Aus dieser Zeit sind ca. 400 Siedlungen bekannt.

Die Stadt Kyuzeli-gyr ist teilweise ausgegraben. Sie war ca. 25 ha groß und besaß einen eigenen Palast. Der Ort erlebte im 6. und frühen 5. Jahrhundert eine Blütephase. In Kalaly-gyr konnte ein Palast aus der Zeit um 400 v. Chr. untersucht werden, der wohl für einen Satrapen bestimmt war. Der Bau wurde nie fertiggestellt, was bedeuten könnte, dass Choresmien vor seiner Fertigstellung dem Perserreich wieder verlorengegangen ist.

Von Alexander dem Großen bis ca. 250 n. Chr.

Im Jahr 329/328 v. Chr. erschien der choresmische König Pharasmanes bei Alexander dem Großen und bot ihm ein Bündnis an. Das Land wurde von Alexander dem Großen nicht erobert und blieb unabhängig. Aus dieser Zeit stammt eine große Anlage bei Koj-Krylgan-Kala, die eventuell als Mausoleum für die choresmischen Herrscher diente. Ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. lässt sich eine eigene Schriftsprache belegen, wobei Choresmisch mit einer Abwandlung des aramäischen Alphabets geschrieben wurde. In diese Zeit datieren auch diverse Zerstörungshorizonte in choresmischen Siedlungen. Aus anderen Quellen ist bekannt, dass der Ostiran, Nordindien und Baktrien von Nomadenvölkern der Yuezhi und Saken überrannt wurden. Schriftliche Quellen für Choresmien fehlen, aber die Zerstörungshorizonte scheinen die Ankunft der Nomaden auch hier deutlich zu belegen.

Um die Zeitenwende oder etwas früher beginnt die choresmische Münzprägung, die sich zunächst stark an baktrischen Vorbildern orientiert und dabei auch verderbte griechische Legenden zeigt. Wenig später erscheinen aber auch Münzinschriften auf Choresmisch, aus denen die Namen zahlreicher Herrscher bekannt sind. Die Münzen orientierten sich zu dieser Zeit an parthischen Vorbildern, zeigen aber auch einen eigenständige Stilmerkmale. Kurz vor der Zeitenwende scheint auch der Beginn einer eigenen choresmischen Zeitrechnung zu liegen. Das bisher höchste bekannte Datum dieses Kalenders ist 753. Da nun davon auszugehen ist, dass mit der arabischen Eroberung um 712 der islamische Kalender eingeführt wurde, muss der choresmische also ca. 750 Jahre vor diesem Datum begonnen haben.

Im 2. Jahrhundert scheint das Reich von den Kuschan erobert worden zu sein, obwohl dies umstritten ist und nicht belegt werden kann. Immerhin fanden sich viele Kuschanmünzen in Choresmien, was aber auch auf intensive Handelsbeziehungen deuten könnte, die generell gut belegt sind; so fanden sich viele Importgüter aus dem Mittelmeerraum.

Die Afrighiden-Dynastie

Eine typische Festungsanlage der Afrighidenzeit: Ayaz-Qala
Choresmische Silberschale, die vierarmige Göttin Nana zeigend (7. Jh.)

In der Mitte des 3. Jahrhunderts setzte dann wieder eine eigene Münzprägung in Silber und Kupfer ein. Diese Münzen folgen im Stil nicht denen von Kuschan, sondern den eigenen Prägungen um Christi Geburt. Die Münzlegenden sind nun choresmisch. Die Kopfbedeckung der Könige wechselt von Herrscher zu Herrscher, was auf sassanidischen Einfluss schließen lassen könnte. Es wird vermutet, dass König Vazamar, bei dem es sich wohl um den bedeutendsten choresmischen Herrscher handelte, das Reich von der Kuschanherrschaft befreite.

Vazamars Residenz könnte in Toprak-kala gelegen haben, wo sich Skulpturen, deren Kopfschmuck identisch mit denen auf seinen Münzprägungen ist, fanden. Dieser Ort macht einen ausgesprochen durchorganisierten Eindruck und lässt auf eventuell griechisch-baktrischen Einfluss in der Stadtplanung schließen. Die Innenräume, besonders der als Palast bezeichneten Anlagen, sind oftmals reich ausgestattet, wobei Wandmalereien neben Tonreliefs und Tonskulpturen belegt sind. Im Stil sind diese Werke schwer einzuordnen und zeigen deutlich einen eigenen zentralasiatischen Stil. Skulpturen wirken oft sehr naturalistisch. Die Gesichter haben Portraitcharakter. Dies mag auf baktrisch-griechischen Einfluss zurückgehen, wobei die Haartracht, die langen Bärte und der eher iranische Kleidungsstil mit langen Hosen diesen Werken ein nicht-griechisches Aussehen verleihen. In der Plastik ist daneben auch ein gewisser Hang zur Frontalität festzustellen, wie man ihn von der parthischen und der orientalischen Kunst her kennt. In der Malerei und im Relief werden die Figuren jedoch meist im Profil wiedergegeben, wobei Andeutungen von Räumlichkeit fehlen.

Nach dem moslemischen Historiker Abu Rayhan Biruni kam im Jahr 305 die Afrighiden-Dynastie an die Macht, doch bereitet es der modernen Forschung große Schwierigkeiten seine Angaben mit denen der antiken Quellen zu vereinbaren. Abu Rayhan Biruni überliefert die Namen zahlreicher Herrscher, doch ist kaum einer von ihnen mit den Namen, die auf zeitgenössischen Denkmälern und vor allem Münzen erscheinen, zu identifizieren.

Im vierten und fünften Jahrhundert hatte das Reich wohl mit einfallenden Nomaden zu kämpfen und war wohl auch zeitweise Teil des spätantiken Sassanidenreiches. Es konnte sich erst im sechsten Jahrhundert wieder erholen. Aus dieser Zeit stammen einige bedeutende Palastanlagen, die ergraben wurden. Sie waren stark befestigt und teilweise auch reich ausgestattet. Zentrum der Anlagen war meist ein Wohnturm. In dieser Zeit setzt auch eine bemerkenswerte Produktion von Silberschalen ein. Viele von diesen fanden sich nicht in Choresmien selbst, sondern im Gebiet des Ural.

Zu Beginn des achten Jahrhunderts (712) ist Choresmien von den Moslems erobert worden, doch kam es zu keiner dauerhaften Besetzung, und das Reich blieb für einige Zeit unabhängig. Für das Jahr 751 ist eine Delegation an den kaiserlichen Hof der Tang-Dynastie bezeugt, die um Hilfe gegen die Araber bat. Erst im dritten Viertel des neunten Jahrhunderts traten die Herrscher von Choresmien zum Islam über. Das Ende der Dynastie kam im Jahr 995, als die Afrighiden von einer rivalisierenden Familie angegriffen und vernichtet wurde.

Siehe auch

  • Liste der Choresm-Schahs

Literatur

  • Boris J. Stawiskij: Die Völker Mittelasiens im Lichte ihrer Kunstdenkmäler. Bonn 1982, ISBN 3921591236.

Weblinks


Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages

Elemente:

,

21.11.2020
Manche mögen‘s heiß: Globale Erwärmung als Motor für Evolution der Langhalssaurier
Ein internationales Paläontologen-Team, zu dem auch SNSB-Forscher Oliver Rauhut gehört, findet Belege für einen raschen Klimawandel vor 180 Million...
11.11.2020
Der Popa-Langur: ein neu entdeckter Affe aus Asien
Erbgutanalysen, unter anderem an hundert Jahre altem Museumsexemplar, erlauben Einblick in die Evolutionsgeschichte der Haubenlanguren.
03.11.2020
Neanderthaler-Mütter stillten nach fünf bis sechs Monaten ab
Als Grund für das Aussterben der Neanderthaler vermuten einige Forscher, dass die damaligen Mütter ihre Säuglinge lange stillten und die Säuglinge...
31.10.2020
Populationsgeschichte der Hunde deckt sich nur teilweise mit der des Menschen
Wissenschaftler haben die Genome von bis zu 10.900 Jahre alten Hunden untersucht und zeigen, dass die Populationsgeschichte der prähistorischen Hunde...
30.10.2020
Denisovaner-DNA im Erbgut früher Ostasiaten
Forschende des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und der Mongolischen Akademie der Wissenschaften haben das Genom des ältesten me...
24.10.2020
Bissspuren und ausgefallene Zähne bringen Licht ins Fressverhalten von Dinosauriern
Forscherteam der Universität Tübingen untersucht 160 Millionen Jahre alten Fressplatz im Nordwesten Chinas.
22.10.2020
Kognitive Bausteine der Sprache existierten schon vor 40 Millionen Jahren
Nicht nur Menschen, sondern auch Affen und Menschenaffen erkennen Regeln in komplexen sprachlichen Konstruktionen. Dies haben Sprachwissenschaftler du...
21.10.2020
Mehr noch als Fleisch und Milch
Stabile Isotopendaten von Menschen- und Tierknochen zeigen eine sehr effektive Nutzung des vielfältigen Nahrungsangebots im nördlichen Kaukasus und ...
18.10.2020
Madagaskar: Mensch und Klima verursachten Massenaussterben
Die gesamte endemische Megafauna Madagaskars und der östlich davon gelegenen Inselkette der Maskarenen, zu der Mauritius und Rodrigues zählen, wurde...
17.10.2020
Chemische Evolution - Am Anfang war der Zucker
Der Ursprung allen Lebens liegt in organischen Molekülen. Doch wie sind diese aus anorganischen Stoffen entstanden? Der LMU-Chemiker Oliver Trapp ber...
14.10.2020
Der moderne Mensch kam auf Umwegen nach Europa
Klimatische Bedingungen leiteten die geographische Ausbreitung von Homo sapiens in der Levante vor 43.000 Jahren.
12.10.2020
Reiter wetteiferten vor 3000 Jahren um die ältesten Lederbälle Eurasiens
Wissenschaftler haben in Gräbern von Reitern in Nordwest-China die ältesten Bälle Eurasiens untersucht. Gemäss dem internationalen Forscherteam so...
08.10.2020
Forscher rekonstruieren Käfer aus der Kreidezeit
Ein internationales Forscherteam hat vier neu gefundene Exemplare der fossilen Käfer Mysteriomorphidae mithilfe der Computertomographie untersucht un...
01.10.2020
Jagdverhalten säbelzahntragender Raubtiere erforscht
Ein internationales Team von Forschenden aus dem Vereinigten Königreich und Spanien sowie unter Beteiligung vom Museum für Naturkunde in Berlin, unt...
25.09.2020
Vor 120.000 Jahren: Älteste sicher datierte Nachweise von Menschen auf der arabischen Halbinsel
Unter Verwendung hochauflösender paläoökologischer Informationen, die aus versteinerten Fußabdrücken gewonnen wurden, präsentiert eine neue, in ...
25.09.2020
Neandertaler haben männliches Geschlechtschromosom vom modernen Menschen übernommen
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Martin Petr und Janet Kelso vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipz...
21.09.2020
Versteinerte Bäume im Thüringer Wald: Forscherteam entschlüsselt fossile Mikrowelten
Paläontologen des Museums für Naturkunde Chemnitz und der TU Bergakademie Freiberg führen aktuell in Manebach bei Ilmenau wissenschaftliche Grabung...
21.09.2020
Auch Schimpansen leiden ein Leben lang, wenn sie im Kindesalter die Mutter verlieren
Der Tod eines Elternteils ist für ein Kind traumatisch und Waisenkinder leiden häufig für den Rest ihres Lebens unter diesem Verlust – ein verzö...
21.09.2020
Älteste Spermien der Welt
In einem Bernstein entdeckte ein internationales Team von Paläontologen im Inneren eines weiblichen Muschelkrebses 100 Millionen Jahre alte Riesenspe...
17.09.2020
Schimpansenverhalten und -kultur sind in variabler Umwelt am vielfältigsten
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und dem Deutschen Zentrum für integrat...
15.09.2020
Weinpresse aus der Eisenzeit gibt Aufschluss über Bautechnik der Phönizier
Forschungsteam der Universität Tübingen entdeckt seltenen Nachweis der frühen Weinherstellung an der Ausgrabungsstätte Tell el-Burak im Libanon.
09.09.2020
Die älteste Neandertaler-DNA Mittelosteuropas
Ein internationales Team berichtet in einer neuen Studie über das älteste mitochondriale Genom eines Neandertalers aus Mittelosteuropa. Das aus eine...
09.09.2020
Das letzte Zucken der Eiszeit
Ein internationales Team von Forschenden blickt präzise wie nie in das Ende der letzten Eiszeit. Wann und wo genau die Jüngere Dryaszeit begann und ...
03.09.2020
Milchverträglichkeit hat sich in wenigen Tausend Jahren in Mitteleuropa verbreitet
Paläogenetiker der Johannes Gutenberg-Universität Mainz finden nur in wenigen Knochen vom bronzezeitlichen Schlachfeld an der Tollense Hinweise auf ...
03.09.2020
Himmelsscheibe von Nebra wird neu datiert
Bisher galt die Himmelsscheibe von Nebra als frühbronzezeitlich und damit als älteste Himmelsdarstellung der Welt. Archäologen der Goethe-Universit...