Carl Engel


Dieser Artikel befasst sich mit dem Historiker Carl Engel. Zum Architekten und Maler siehe Carl Ludwig Engel; zu anderen Personen siehe Karl Engel.

Carl Engel (* 2. Oktober 1895 in Magdeburg; † 25. Januar 1947 in Speziallager Fünfeichen Neubrandenburg-Fünfeichen) war ein deutscher Vor- und Frühgeschichtshistoriker und Rektor der Universität Greifswald von 1942 bis 1945.

Leben

Carl Engel war Sohn eines Kaufmanns. 1913 begann er in München ein Studium der Philosophie und Naturwissenschaften. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs unterbrach er sein Studium um sich freiwillig zum Kriegsdienst zu melden. Er geriet in britische Kriegsgefangenschaft aus der er 1919 zurückkehrte. Bis 1927 verdiente er seinen Lebensunterhalt als Buchhändler in Magdeburg. Daneben befasste er sich weiter mit Ur- und Frühgeschichte und war ehrenamtlich im Kulturhistorischen Museum tätig. Er nahm ein Fernstudium an der Universität Tübingen auf, wo er 1928 mit einer Arbeit über jungsteinzeitliche Kulturen bei Robert Rudolf Schmidt promoviert wurde. Mangels beruflicher Perspektiven in Magdeburg wechselte er 1929 nach Königsberg an das Prussia-Museum. Bis 1934 war er in der Provinz Ostpreußen vor allem mit Rettungsgrabungen beschäftigt.

Engel war seit dem 1. Mai 1933 Mitglied der NSDAP.[1] 1934 wurde er Dozent, 1935 außerordentlicher und 1937 ordentlicher Professor für Vor- und Frühgeschichte am Herder-Institut in Riga, das er ab 1938 leitete. Ab 1936 war er zudem Lehrer für Ur- und Frühgeschichte an der Ordensburg Krössinsee. 1939 erhielt er den Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichte an der Universität Greifswald. Von 1942 bis 1945 war Engel Rektor der Universität Greifswald und Gaudozentenführer des Gaues Pommern.

Er war Mitglied im Reichsbund für Vorgeschichte und Mitherausgeber von dessen Zeitschrift Mannus, in der Themen der „Deutschen Vorgeschichte“ behandelt wurden.

Carl Engel war Mitarbeiter im Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete und im Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR). Am 21. August 1941 hatte Alfred Rosenberg seinen Mitarbeiter Hans Reinerth mit der „Feststellung, Sicherung und Erforschung der vor- und frühgeschichtlichen, germanischen wie slawischen Funde und sonstigen Hinterlassenschaft in den Museen, wissenschaftlichen Instituten, Privatsammlungen und an sonstigen Orten der besetzten Ostgebiete, soweit sie meiner Verwaltung unterstellt sind.“ beauftragt. Carl Engel war für die „Sicherstellung“ dieser Raubgüter im Reichskommissariat Ostland zuständig.[2]

Beim Herannahen der sowjetischen Truppen erreichte er als Parlamentär zusammen mit dem Mediziner Gerhardt Katsch und dem stellvertretenden Greifswalder Stadtkommandanten Max Otto Wurmbach (1885–1946) in der Nacht vom 29. zum 30. April 1945 die kampflose Übergabe der Stadt Greifswald. Nach Kriegsende wurde Engel von der sowjetischen Seite verhaftet und im Internierungslager Fünfeichen des NKWD bei Neubrandenburg interniert, wo er 1947 verstarb.

Werke

  • Bilder aus der Vorzeit an der mittleren Elbe. Ein Heimat- und Volksbuch für den Regierungsbezirk Magdeburg und seine Grenzlandschaften, Burg: Hopfer, 1930.
  • Die jungsteinzeitlichen Kulturen im Mittelelbgebiet, Burg: Hopfer, 1933 (Teildruck der Dissertation).
  • Vorgeschichte der altpreußischen Stämme, Königsberg: Gräfe & Unzer, 1935.
  • Kulturen und Völker der Frühzeit im Preußenland, Königsberg: Gräfe & Unzer, 1937 (mit Wolfgang LaBaume).
  • Typen ostpreußischer Hügelgräber. Aus dem Nachlaß hg. von Rudolf Grenz, Neumünster: Wachholtz, 1962.
  • Zwischen Greifswald und Riga : Auszüge aus den Tagebüchern des Greifswalder Rektors und Professors der Ur- und Frühgeschichte, Dr. Carl Engel, vom 1. November 1938 bis 26. Juli 1945. Hrsg. und erl. von Günter Mangelsdorf, Stuttgart: Steiner, 2007.
  • Die kampflose Übergabe der Stadt Greifswald im April 1945. Das Tagebuch des Rektors der Greifswalder Universität. Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin 1993. Nachdruck 2001, ISBN 3-935749-01-5.

Literatur

  • Michael Grüttner: Biographisches Lexikon zur nationalsozialistischen Wissenschaftspolitik. Heidelberg 2004, S. 43 f.
  • Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. 2. Auflage. Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-596-16048-8.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Andreas Köhn: Der Neutestamentler Ernst Lohmeyer. Mohr Siebeck, Tübingen 2004, ISBN 3-16-148376-6, S. 115, Anm. 6.
  2. Anja Heuss: Kunst- und Kulturgutraub. Eine vergleichende Studie zur Besatzungspolitik der Nationalsozialisten in Frankreich und der Sowjetunion, Heidelberg 1999, S. 147, ISBN 3-8253-0994-0.


Vorgänger Amt Nachfolger
Kurt Wilhelm-Kästner Rektor der Universität Greifswald
1942-45
Ernst Lohmeyer

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