Berthold Werner / CC BY-SA 3.0

Capri


Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Capri (Begriffsklärung) aufgeführt.
Capri
Blick über die Stadt Capri (2004)
Blick über die Stadt Capri (2004)
Gewässer Golf von Neapel,
Tyrrhenisches Meer
Inselgruppe Kampanischer Archipel
Geographische Lage 40° 33′ 0″ N, 14° 14′ 0″ O40.5514.233333333333589Koordinaten: 40° 33′ 0″ N, 14° 14′ 0″ O
Capri (Italien)
Capri
Länge 6,3 km
Breite 2,7 km
Fläche 10,4 km²
Höchste Erhebung Monte Solaro
589 m
Einwohner 13.839 (2007)
1.331 Einw./km²
Hauptort Capri
Karte mit Sehenswürdigkeiten
Karte mit Sehenswürdigkeiten
Die Lage Capris am Südrand des Golfes von Neapel
Blick von Anacapri auf Capri (2000)

Capri ist eine italienische Felseninsel (Kalkstein) im Golf von Neapel. Sie ist 10,4 km2 groß und bekannt für die Höhlen am Meer. Die bekannteste Höhle ist die so genannte Blaue Grotte. Der höchste Punkt der Insel ist mit 589 m über dem Meer der Monte Solaro. Capri hat ein ausgeglichenes, mildes Klima. Die immergrüne Vegetation wird durch Terrassenkulturen mit Wein-, Öl- und Obstbäumen ergänzt. Haupterwerbszweig ist schon seit dem 19. Jahrhundert der ganzjährige Fremdenverkehr. Die Insel liegt nur rund fünf Kilometer vom Festland entfernt und gehört zur Provinz Neapel.

Geschichte

Historische Karte (um 1888)

Kaiser Tiberius wählte im Jahr 26 n. Chr. Capri zu seinem Regierungssitz und verbrachte dort, bis zu seinem Tod im Jahre 37 n. Chr., einen Großteil seiner letzten Lebensjahre in der Villa Jovis, die über einem senkrecht abfallenden Felsen lag. Die Gründe für diesen Schritt sind unter Historikern umstritten. Die wichtigsten Quellen für die Biographie des Tiberius sind die antiken Schriftsteller Sueton und Tacitus. Sie behaupten, der Kaiser habe sich nach Capri zurückgezogen, um in der Abgeschiedenheit besser seinen Lüsten frönen zu können (die von Sueton ausgiebig beschrieben werden). Möglicherweise war Überdruss an den Regierungsgeschäften in Rom und Misstrauen gegenüber den politischen Kräften in der Hauptstadt sein Motiv. Jedenfalls war auf diese Weise die kleine Insel Capri für elf Jahre Regierungssitz des Römischen Weltreichs, und dies aufgrund einer bewussten Entscheidung des Kaisers. Insgesamt zwölf Villen soll Tiberius (nach Sueton) auf Capri besessen haben, neben der Villa Jovis gelten heute die Villa Damecuta und der so genannte Palazzo al mare als Tiberianische Villen.

Bereits im 18. Jahrhundert wurde die Villa Jovis durch Grabungen des Österreichers Norbert Hadrawa ihrer Kostbarkeiten beraubt und die Objekte in alle Winde verstreut (berühmteste Stücke: der so genannte „Capri-Altar“ heute im Britischen Museum in London, und ein großer Mosaikfußboden im Museo di Capodimonte in Neapel). Heute ist die Villa Jovis die wichtigste archäologische Sehenswürdigkeit auf Capri. Sie liegt am östlichen Ende der Insel und ist in etwa einer Stunde Fußweg von der Piazzetta in Capri aus zu erreichen. Archäologische Spuren lassen vermuten, dass Tiberius auch die Blaue Grotte bereits gekannt und aufgesucht hat.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Capri beliebt als Winter- und Ferienquartier bei deutschen und anderen Künstlern, Schriftstellern und weiteren Berühmtheiten. Längere Zeit blieben u. a. Friedrich Alfred Krupp, Christian Wilhelm Allers, Rainer Maria Rilke, Maxim Gorki, Emil von Behring, Theodor Däubler, Karl Wilhelm Diefenbach, Curzio Malaparte, Norman Douglas und Axel Munthe. Ferdinand Gregorovius besuchte die Insel 1853 und verblieb einen Monat. Darüber berichtete er ausführlich[1]. Deutsche Besucher trafen sich damals oft im Hotel Pagano oder dem Lokal Zum Kater Hiddigeigei. 1899 errichteten sich die Deutschen sogar eine eigene Kirche, die bis heute existierende „Deutsche Evangelische Kirche“ auf Capri. Auch ein eigener Friedhof wurde von den Mitgliedern der Fremdenkolonie angelegt: der bis heute existierende "Cimitero acattolico", auf dem über 200 Menschen nicht-katholischer Konfessionen beigesetzt wurden.

Gemeinden

Capri

Sehenswürdigkeiten Gemeindegebiet Capri, der Ort Capri hat 7285 Einwohner (am 31.Dezember 2007):

  • Arco Naturale
  • Faraglioni
  • Giardini Augusto
  • Grotta Matermania
  • Via Krupp
  • Ruinen der Villa Jovis des Tiberius
  • Villa Malaparte
  • Villa Lysis des Baron Fersen
  • Certosa (Klosteranlage) mit Museo Diefenbach
  • Deutsche Evangelische Kirche
  • Kirche San Costanzo
  • Kirche Santo Stefano

Anacapri

Anacapri hat 6554 Einwohner (am 31.Dezember 2007).

Sehenswürdigkeiten (Gemeindegebiet Anacapri):

  • Blaue Grotte
  • Le Boffe
  • Monte Solaro
  • Villa San Michele (Haus des Arztes und Schriftstellers Axel Munthe)
  • Kirche San Michele (1719)

Verkehr

Auf der Insel ist zwischen Frühling und Spätherbst Autofahren nur für Capresen erlaubt. Man kann mit dem Taxi fahren, die Funicolare benutzen (eine Standseilbahn) oder einen der Omnibusse.[2]

Von Anacapri führt seit 1952 ein Sessellift auf den Monte Solaro.

Zwischen der Insel und dem Festland gibt es viele Schiffsverbindungen. Große Fähren sind preiswerter als kleine, schnelle Tragflügelboote. Nächstgelegener Hafen ist Sorrent, es gibt auch Fährverbindungen nach Neapel und Ischia sowie (seltener) an die Häfen der Amalfiküste. Nächster Flughafen ist der Flughafen Neapel.

Bilder

Trivia

  • Nach der Insel Capri wurde ein Modell des Autoherstellers Ford benannt, siehe Ford Capri.
  • Nach der Insel Capri wurde der Vorspeisensalat Caprese benannt.
  • Torta Caprese ist in Italien der Name einer Schokoladentorte.
  • Der Markenname des Fruchtsaftgetränks Capri-Sonne entstand ebenfalls in Anlehnung an die Insel.
  • Der Speiseeis-Hersteller Langnese nutzt seit 1959 den Namen Capri für ein Fruchteis.
  • Der deutsche Schlager „Capri-Fischer“ war in den 1950er Jahren sehr beliebt.

Bekannte Capresen

  • Claretta Cerio (* 1927), Schriftstellerin
  • Edwin Cerio (1875–1960), Schriftsteller
  • Ignazio Cerio (1841–1921), Naturforscher und Arzt

Einzelnachweise

  1. Ferdinand Gregorivus: Wanderjahre in Italien, Agrippina-Verlag, Köln 1953, S. 127 - 153.
  2. Wie man sich fortbewegt auf Capri (englisch)

Literatur

  • C.W. Allers: Capri. München (Hanfstaengl) 1892.
  • Claretta Cerio: Capri. (Mit Fotografien von Umberto d'Aniello). Yvonne Meyer-Lohr (Hrsg.). Prestel Verlag, München 2007, ISBN 978-3-7913-3864-4.
  • Helge Classen: Sehnsucht nach Capri. (Taschenbuch mit vielen Farbfotos, Text von Claretta Cerio.) Harenberg, Dortmund 1988, ISBN 3-88379-547-X.
  • Friedrich Christian Delius, Dieter Richter, Petra Reski u.a.: Einmal Capri - Immer Capri, Caprigeschichten von heute, 18 Autoren, AZUR Verlag, Mannheim 2008, ISBN 978-3-934634-41-1.
  • Werner Helwig: Capri, magische Insel. Limes. Wiesbaden 1973.
  • Humbert Kesel: Capri – Biographie einer Insel. Prestel Verlag, München 1971, ISBN 3-7913-0007-5.
  • August Kopisch: Entdeckung der Blauen Grotte auf der Insel Capri, hrsg. v. Dieter Richter, Berlin (Wagenbach) 1997.2009.
  • James Money: Capri.Island of Pleasure. London (Heinemann) 1986.
  • Dietmar Noering, Capri. Der Ritt auf der Sphinx. Mit Illustrationen von Titus Lerner. 2. Auflage, Edition Bose, Wittlich 2012. ISBN 3-00-004977-0.
  • Dietmar Noering, Capri. Einladung zur Orgie. Mit Illustrationen von Julia Benz. Edition M & N, Dillenburg 2012. ISBN 978-3-928796-08-8.
  • Hubertus Prinz zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg, Capri für Kenner. Langen-Müller, München 1979, ISBN 3-7844-1724-8.
  • Jana Revedin: Lysis. Wieser, Klagenfurt 2011, ISBN 978-3-85129-906-9.
  • Dieter Richter (Hrsg.): Das Gotteshaus an der Via Tragara. 100 Jahre Deutsche Evangelische Kirche auf Capri. Capri (La Conchiglia) 2000.
  • Jutta Ruocco-Bienengraeber, Es begann auf Capri, 2.Auflage, AZUR Verlag 2007, ISBN 978-3-934634-30-5.
  • Stefanie Sonnentag: Spaziergänge durch das literarische Capri und Neapel. Arche-Verlag, Zürich-Hamburg 2003, ISBN 3-7160-2316-7.
  • Axel Munthe: The story of San Michele. Murray, London 1929.
  • Ferdinand Gregorovius: Die Insel Capri - Idylle vom Mittelmeer. Wolfgang Jess Verlag, Dresden 1952.

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Capri – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 <Lang> Commons: Capri – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

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