Burgruine Birkenstein (Eichsfeld)


Burgruine Birkenstein
Die Burg mit Hochwald bewachsen

Die Burg mit Hochwald bewachsen

Alternativname(n): Keller
Entstehungszeit: um 1250
Burgentyp: Hangburg
Erhaltungszustand: Gräben, planiertes Gelände
Ständische Stellung: Ortsadel
Bauweise: Bruchsteinmauerwerk
Ort: Birkungen
Geographische Lage 51° 21′ 15,7″ N, 10° 20′ 9,5″ O51.3543710.33596400Koordinaten: 51° 21′ 15,7″ N, 10° 20′ 9,5″ O
Höhe: 400 m ü. NN
Burgruine Birkenstein (Thüringen)
Burgruine Birkenstein

Als Burgruine Birkenstein werden Reste von Befestigungsanlagen auf dem Höhenzug Dün im thüringischen Eichsfeldkreis angesprochen. Die 1256 erstmals urkundlich erwähnten Burg wurde im 13. Jahrhundert an das Kurfürstentum Mainz verkauft. Im Ergebnis der Feldforschung wurde in den 1970er-Jahren eine als „Birkenstein II“ bezeichnete Burgstelle, kaum 300 Meter von der Hauptburg entfernt, vom Museum für Ur- und Frühgeschichte Weimar untersucht.

Lage

Die beiden Burgstellen Birkenstein befinden sich an der Westflanke auf dem nördlichen Teil des Wingert genannten Höhenzuges ungefähr einen Kilometer südlich des Ortes Birkungen im Landkreis Eichsfeld. Die Burgen waren Teil eines Systems hochmittelalterlicher Befestigungsanlagen, die das Umland von Dingelstädt beherrschte, zu dem auch das spätere Kloster Reifenstein gehört.[1]

Befunde

Birkenstein I

Die Hauptburg Birkenstein I befindet sich in Hanglage, ein Steinbruch hat das Burggelände bereits im 19. Jahrhundert stark verändert. Eine Vermessung der Baureste ergab ein Viereck von 70 × 50 Meter Kantenlänge mit abgerundeten Ecken. Die Wälle und Gräben sind nur auf der Bergseite deutlicher erkennbar. Oberirdische Mauerreste wurden vermutlich von den Steinbrucharbeitern abgetragen. Die wissenschaftliche Grabung fand im südöstlichen Teil der Burgfläche noch Gebäudestrukturen und Keramikreste. Hohlziegel und Brandschutt bedecken den Hang unterhalb der Burgstelle.

Birkenstein II

Die zuvor unbekannte Anlage wurde in den 1980er Jahren von Bodendenkmalpflegern gemeldet und befindet sich 300 m nordöstlich der Anlage Birkenstein I. Die Gräben bilden ein Viereck mit abgerundeten Ecken, die Ausdehnung beträgt 19 × 17 Meter. Der bereits teilweise zugerutschte Graben hat eine Restbreite von 3 m im Solenbereich. Im Nordosten liegt ein vorgelagerter Wall in Richtung auf den Berghang. Die angrenzende eingeebnete Fläche könnte mit Gebäuden bebaut gewesen sein.

Geschichte

Die erste Erwähnung des Ortes Birkungen fand im Jahr 1191 durch eine Schenkungsurkunde an das Zisterzienserkloster Reifenstein statt, bei der als Zeugen Bürger des Ortes „Bircunchen“ anwesend waren.[2] Schon 1206 wird ein Reinher von Birkenstein erwähnt, die Burg Birkenstein selbst erst 1256 durch eine Schenkung an das Kloster Reifenstein durch Ernst von Birkenstein.[3] Wahrscheinlich wurde sie aber schon unter Kaiser Heinrich I. erbaut. Im 13. Jahrhundert war die Burg Birkenstein im Besitz der Grafen von Gleichenstein. Diese standen im Dienst der Erzbischöfe von Mainz. Sie verfügten dadurch über große Gebiete Thüringens, vor allem in der Gegend um Erfurt und im Eichsfeld. 1287 wurden die Burgen Birkenstein, Gleichenstein und Scharfenstein an Mainz verpachtet und schließlich 1294 infolge hoher Verschuldung der Grafen von Gleichen dem Kurfürsten Gerhard II. von Eppstein verkauft. Damit ging der Verkauf des Eichsfeldes an das Kurfürstentum Mainz einher, das bis zur Säkularisierung 1802 auch eine Mainzer Exklave blieb. 1323 soll die Burg noch in einem guten Zustand gewesen sein. Die unten stehende Sage berichtet von der Zeit des Bauernkrieges, doch kann man davon ausgehen, dass der Ritter von Birkenstein in diesem schon keine Rolle mehr gespielt hat und die Burg aufgegeben wurde. Heute kann man die ehemalige Burg nur noch erahnen. Lediglich der Burggraben und eine mit Hochwald bewachsene Mauer sind erkennbar.[4]

Sage

Bis heute hat die Sage der Kellerjungfrau zu Birkenstein eine große Rolle im Ort Birkungen: Eines Tages soll die Burg Birkenstein von wütenden Bürgern des Ortes überfallen worden sein. Alle Bewohner der Burg bis auf eine Jungfrau konnten entfliehen. Diese versteckte sich im Vorratskeller der Burg und wartete, bis die Bauern verschwunden waren. Doch dann zog ein Sturm auf, der die Burg verwüstete. Erst als der Sturm vorüber war, schaffte es die Kellerjungfrau mühevoll nach draußen zu gelangen. Sie rannte in das Dorf, um nach der gräflichen Familie zu suchen. Mit einem Reisigbesen in der Hand befragte sie die Bewohner, doch diese gaben ihr die Nachricht, dass der Ritter von Birkenstein in der Schlacht bei Frankenhausen umgekommen sei. Nie wurde erzählt, dass die Kellerjungfrau gestorben sei – das Gegenteil ist der Fall: noch jüngere Generationen erzählen, dass sie die Jungfrau mit dem Reisigbesen gesehen haben wollen.[5]

Literatur

  •  Rolf Aulepp: Die Burgen und alten Straßen des Dün. In: Eichsfelder Heimathefte. Nr. 1/1985, Heiligenstadt 1985, S. 65–74.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze, 2. erw. und überarb. Aufl., Jena 2003. S. 67
  2. Online-Broschüre der Stadt Leinefelde-Worbis S. 22, abgerufen am 4. Mai 2012
  3. Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze, S. 67
  4. Hermann Förstemann (Hrsg.): Neue Mitteilungen aus dem Gebiete historisch-antiquarischer Forschungen, Bd. 2, Heft 1, Halle / Nordhausen, 1835, S. 280
  5. ZukunftsWerkStadt (PDF; 1,7 MB) Ausgabe 9, November 2007, S. 11 f., abgerufen am 20. Mai 2012

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