Bruno Manser


Bruno Manser (* 25. August 1954 in Basel; vermisst seit 25. Mai 2000 in Malaysia und am 10. März 2005 amtlich für verschollen erklärt[1]) war ein Schweizer Ethnologe und Umweltaktivist.

Leben

1973 schloss Bruno Manser die Matura am Basler Realgymnasium ab. Es folgten verschiedene Weiterbildungskurse, unter anderem als Senn, zu Alm- und Landwirtschaft, Heilkunde, traditionellem Handwerk, und Schreinerei. 1973 bis 1984 arbeitete Bruno Manser als Senn und Schafhirt im Kanton Graubünden. Ab 1977 machte er ein Praktikum am naturhistorischen Museum in Basel. Von 1984 bis 1990 lebte er im Dschungel von Borneo in Indonesien/Malaysia, machte Aufzeichnungen über die Fauna und Flora des Regenwaldes und über die Sprache und Kultur der Penan, einer nomadisch lebenden Volksgruppe von Borneo. Im April 1990 musste er in die Schweiz fliehen bzw. wurde von der malaysischen Regierung ausgewiesen und zur unerwünschten Person erklärt. Zusätzlich wurde ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt.

Fortan widmete sich Bruno Manser international der Vortrags- und Aufklärungsarbeit über das Schicksal der Urvölker des Regenwaldes, über die Machenschaften von Holzhandel und Holzindustrie und über die Menschenrechtslage im malaysischen Sarawak. Daneben entstand 1992 in Basel der Bruno Manser Fonds (BMF), der sich zu einem weltweit angesehenen Regenwald-Informationszentrum und einer Lobby für die indigene Bevölkerung entwickelte.

1992 erschien im Zytglogge Verlag sein Buch Stimmen aus dem Regenwald. 1993 beteiligte sich Manser an einer Fastenaktion bzw. einem Hungerstreik vor dem Bundeshaus in Bern zum Protest gegen Importe von Tropenholz. Es folgten 1995 bis 1997 diverse Ausstellungen, unter anderem im Musée d’Ethnographie in Genf, im Zoologischen Museum in Strassburg und im Schweizerischen Landesmuseum in Zürich.

1995 bis 1998 führte Manser weitere Aktionen gegen die Zerstörung der Regenwälder durch, etwa 1996 in Zermatt und 1998 einen Fallschirmabsprung über Genf. Von 1997 bis 1998 lief die Kampagne Verzicht auf Holz aus Raubbau, schliesslich 1998 Aktionen zur Kontaktaufnahme mit der malaysischen Regierung.

Im Juli 1999 sorgte Bruno Manser für Aufregung in lokalen Medien, als er bei einem Einkaufscenter einen Köcher voller Giftpfeile in einem Gebüsch deponierte. Ihm wurde Fahrlässigkeit vorgeworfen, da es schwerwiegende Folgen hätte haben können, wenn Kinder die Pfeile gefunden hätten.[2]

Aus der Furcht, dass die Penan kaum noch als eigenständiges Volk Überlebenschancen hätten, entschloss sich Manser zu einer erneuten Reise. Am 22. Mai 2000 reiste er trotz Einreiseverbots und ausgesetzten Kopfgelds vom indonesischen Teil Borneos (Kalimantan) über die grüne Grenze in das malaysische Sarawak zu den Penan.

Seit dem 25. Mai 2000 gilt er als vermisst. Suchexpeditionen blieben erfolglos. Am 10. März 2005 wurde Manser vom Basler Zivilgericht amtlich für verschollen erklärt.

Im Mai 2004 sind die Tagebücher aus dem Regenwald beim Christoph Merian Verlag in Basel erschienen, welche Bruno Manser zwischen 1984 und 1990 im Dschungel von Sarawak geschrieben hat und die Penankultur wie auch deren Engagement für ihren Lebensraum aufzeichnen. Der Bruno Manser Fonds führt seine Arbeit für die Penan und andere Urwaldvölker weiter.

Auszeichnungen

  • 1993 Basler Kopf des Jahres
  • 1993 Eisbrecher des Jahres (Piolet Cointreau Auszeichnung)
  • 1993 VCU-Preis für Zivilcourage (Vereinigung christlicher Unternehmer der Schweiz)
  • 1994 Bindingpreis für Natur- und Umweltschutz

Werke und Literatur

  • Bruno Manser: Stimmen aus dem Regenwald. Zeugnisse eines bedrohten Volkes. Zytglogge, Gümligen 1992
  • Bruno Manser: Tagebücher aus dem Regenwald. 4 Bände im Schuber. Merian, Basel 2004, ISBN 3-85616-214-3
  • Ruedi Suter: Bruno Manser. Die Stimme des Waldes. Zytglogge, Oberhofen 2005, ISBN 3-7296-0688-3
  • Bruno Manser: Ein Leben für den Regenwald. Auszüge aus den Tagebüchern. Merian, Basel 2007, ISBN 3-85616-317-4

Medien

Der Schweizer Regisseur Christoph Kühn begab sich mit dem Film Bruno Manser – Laki Penan auf den Spuren Bruno Mansers in den Dschungel von Sarawak. Es kommen darin jene Penan zu Wort, die zu Mansers zweiter Familie wurden: Sie erzählen von ihren gemeinsamen Abenteuern und Ängsten, Mansers Kämpfen mit Riesenschlangen, seinen Begegnungen mit Geistern – und von seinem Versuch, die Penan im Widerstand gegen die Holzfäller und Polizei zu vereinen. Dieser Film war ab dem 5. April 2007 in den Schweizer Kinos zu sehen.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. bmf.ch: Bruno Manser Fonds | Bruno Manser, Zugriff am 29. Juli 2010
  2. Er kam, sah und verschwand – fast (PDF; 124 KB), Artikel der Berner Zeitung vom 7. Mai 2004; Archiv-Version

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