Ayanıs


38.7082743.21118Koordinaten: 38° 42′ 30″ N, 43° 12′ 40″ O
Karte: Türkei
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Ayanıs
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Türkei

Die urartäische Festung von Agartı Kalesı in Ağarti (früher Ayanis) liegt 35 km nördlich von Van auf einem Felsvorsprung 250 m über dem Van-See (1867 m ü. NN). Die Festung kontrolliert die Straße von Turušpa nach Erciş. Sie wurde im 7. Jahrhundert unter Rusa II. gegründet und trug den Namen Rusahinili Eidorukai. Sie war eine der großen urartäischen Festungen (É.GAL), die wahrscheinlich neben Tušpa als Hauptstadt dienten.

Ausgrabungen

Ausgrabungen fanden 1989–1997 unter Leitung von Altan Çilingiroğlu von der Ege Üniversitesi statt. Unter anderem wurde ein Turm-Tempel (susi) für den Reichsgott Ḫaldi entdeckt. Eine Inschrift aus diesem Tempel erwähnt auch Opfer von Schafen für den Mondgott Šelardi.[1] Die Ausgrabungen konzentrierten sich auf das Innere der Festung. Bisher sind circa 10 % der Fläche freigelegt worden.[2] Die Inschrift am Eingang des Säulen-Tempels ist eine der längsten, die aus Urartu bekannt sind. Sie ist in einen Basaltblock eingegraben.[3]

„Rusa spricht: Dieser Fels war unberührt, nichts hatte hier vorher gestanden. Ich habe ein Heiligtum und eine Festung in Vollendung erbaut, Ich habe neue Wingerte und Obstgärten angelegt und eine Siedlung gegründet.“ Die Inschrift endet mit den üblichen Flüchen gegen den, der den Namen von Rusa auslöscht und seinen eigenen Namen einfügt: „Mögen Ḫaldi und der Wettergott und der Sonnengott ihn vertilgen.“

Architektur

Die Mauern aus Lehmziegeln standen auf Steinfundamenten, die Fundamente waren in den gewachsenen Fels gehauen.[4] Im Süden bestehen die Fundamente aus Basalt, dem bevorzugten Material urartäischer Architekten, sonst aus dem anstehenden Kalkstein. Der Eingang liegt im Südosten und ist durch zwei Türme gesichert. Eine Inschrift an dem Tor nennt Rusa, Sohn des Argišti als Erbauer der Festung „vor dem Berg Eidoru“, dem göttliche Ehren zuteilwurden und dem Tiere geopfert wurden.[5]

Funde

Die Räume enthielten teilweise Funde in situ, Hinweis auf eine plötzliche Auflassung. Ein Teil der Keramik trägt Töpfermarken, insgesamt 141 verschiedene Zeichen, gestempelt oder eingeritzt.[6] Im Ḫaldi-Tempel lagen die Weihegaben, die ursprünglich an den Wänden gehangen hatten, auf dem Fußboden, wohin sie bei der Zerstörung der Festung gefallen waren. Sie waren auch später nicht geplündert worden, ein Anzeichen für das Ausmaß der Katastrophe.[7]

Literatur

  • Çilingiroğlu, A.: Ayanıs. An Iron Age Site in the East, In: S. R. Steadman – G. McMahon, The Oxford Handbook of Ancient Anatolia 10‘000-323 B.C.E. (Oxford 2011).
  • Çilingiroğlu, A.: Ayanıs Fortress, In: K. Köroğlu – E. Konyar (Hrsg.), Urartu. Transformation in the East (Istanbul 2011) 338-363.
  • Çilingiroğlu, A.: Recent Excavations at the Urartian Fortress of Ayanıs, In: A. T. Smith – K. S. Rubinson (Hrsg.), Archaeology in the Borderlands. Investigations in Caucasia and Beyond (Los Angeles 2003) 197-212.
  • Çilingiroğlu, A. – Salvini, M.: Ayanıs I. Ten Years’ Excavations at Rusaḫinili Eiduru-kai 1989-1998 (Rom 2001).
  • Çilingiroğlu, A. – Salvini M.: Rusaḫinili in Front of Mount Eiduru. The Urartian Fortress of Ayanıs (7th Century B. C.), Studi micenei ed egeo-anatolici(SMEA) 35, 1995, 111-124.
  • Çilingiroğlu, A: Decorated stone vessels from the Urartian fortress of Ayanıs, Tell Aviv 21, 1994, 68–76.
  • Çilingiroǧlu, A. – Salvini, M.: When Was the Castle of Ayanıs Built and What Is the Meaning of the Word 'Šuri'? In: A. Çilingiroǧlu (Hrsg.), Proceedings of the Fourth Anatolian Iron Ages Colloquium held at Mersin, 19-23 May 1997 (London 1999) 55-60.
  • Derin, Z: Potters' Marks of Ayanıs Citadel, Van, In: A. Çilingiroǧlu (Hrsg.), Proceedings of the Fourth Anatolian Iron Ages colloquium, Mersin, 19-23 May 1997 (London 1999) 81–100.
  • Erdem, A. Ü. – Batmaz, A: Contributions of the Ayanis Fortress to Iron Age Chronology, Ancient Near Eastern Studies (ANES) 45, 2008, 65-84.
  • Hellwag, U.: LÚA.ZUM-li versus LÚA.NIN-li. Some Thought on the Owner of the so-called Prinzensiegel at Rusa II’s Court. In: A. Çilingiroǧlu – G. Darbyshire (Hrsg.), Proceedings of the Fifth Anatolian Iron Ages Colloquium held at Van, 6-10 August 2001 (London 2005).
  • Newton, M. W. – Kuniholm, P. I.: A Revised Dendrochronological Date for the Fortress of Rusa II at Ayanıs: Rusaḫinili Eiduru-kai. In: A. Çilingiroǧlu – A. Sagona (Hrsg.), The Proceedings of the Sixth Anatolian Iron Ages Colloquium held at Eskişehir, 16-20 August 2004 (Leuven 2007) 195-206.

Einzelnachweise

  1. Zafer Derin: Potters’ Marks of Ayanıs Citadel, Van. Anatolian Studies 49, 1999, 85
  2. Altan Çilingiroǧlu, Recent excavations a the Uratian Fortress of Ayanis In: Adam T. Smith, Karen S. Rubinson (Hrsg.), Archaeology in the Borderlands, 201
  3. Altan Çilingiroǧlu, Recent excavations a the Uratian Fortress of Ayanis In: Adam T. Smith, Karen S. Rubinson (Hrsg.), Archaeology in the Borderlands, 205
  4. Altan Çilingiroǧlu, Recent excavations a the Uratian Fortress of Ayanis In: Adam T. Smith, Karen S. Rubinson (Hrsg.), Archaeology in the Borderlands, 177
  5. Altan Çilingiroǧlu, Recent excavations a the Uratian Fortress of Ayanis In: Adam T. Smith, Karen S. Rubinson (Hrsg.), Archaeology in the Borderlands, 208
  6. Zafer Derin: Potters' Marks of Ayanıs Citadel. Van. Anatolian Studies 49, 1999, 81
  7. Tuğba Tanyeri-Erdemir, Agency, Innovation, change, continuity: considering the agency of Rusa II in the production of the imperial art and architecture of Urartu in the 7th Century BC. In: Peterson, D. L./Popova, L. M./Smith A. T. (Hrsg.), Beyond the Steppe and the sown. Proceedings of the 2002 University of Chicago Conference on Eurasian Archaeology. Colloquia Pontica 13 (Leiden Brill 2006) 265

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