Augustin Krämer


Augustin Krämer (* 27. August 1865 in Los Angeles, Chile; † 11. November 1941 in Stuttgart) war ein deutscher Marinearzt, Anthropologe und Ethnologe.

Leben

1849 wanderte Krämers Vater zum Teil aus politischen Gründen nach Chile aus, wo er in Los Angeles eine Mühle baute. 1867 kehrte die Familie nach Deutschland zurück und wohnte in Stuttgart-Berg. Augustin Krämer ging in Cannstatt zur Schule. Danach studierte er in Tübingen, wo er Mitglied des Corps Rhenania wurde, und Berlin. 1889 trat er in Kiel in die Kaiserliche Marine ein, in der er bis 1909 Dienst tat und bis zum Generaloberarzt aufstieg.[1]

1893 bis 1895 bereiste Krämer als Schiffsarzt auf der SMS Bussard die Südsee. Er befasste sich mit Völkerkunde und mit zoologischen Fragen, insbesondere dem Bau der Korallenriffe und der Planktonverteilung. Auf einer zweiten Südseereise, zu der er von 1897 bis 1899 vom Dienst beurlaubt war, führte er diese Forschungen weiter. In Südamerika, auf Hawaii, Samoa sowie den Marschall- und Gilbertinseln legte er völkerkundliche Sammlungen an, von denen er Einzelstücke auch dem Museum für Völkerkunde der Universität Kiel überließ. Die Ergebnisse seiner Forschungen veröffentlichte er in einem zweibändigen Werk über die Samoainseln. 1899 bis 1901 bereiste er auf der SMS Stosch als Schiffsarzt Westindien und das Mittelmeer.

1906/07 nahm Krämer als Anthropologe an der Südsee-Expedition des Vermessungsschiffes SMS Planet teil. Anschließend bereiste er zusammen mit seiner Ehefrau Elisabeth Krämer-Bannow den Bismarck-Archipel und die Palauinseln. 1908 übernahm Augustin Krämer nach dem Tod von Emil Stephan die Leitung der Deutschen Marine-Expedition auf Neumecklenburg. 1909/10 leitete er die Hamburgische Südsee-Expedition nach den Karolinen an Bord des Dampfers Peiho.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland siedelte Krämer im März 1911 von Berlin nach Stuttgart über und beschäftigte sich, von seiner Frau unterstützt, mit der wissenschaftlichen Bearbeitung und Veröffentlichung seiner Forschungsergebnisse. Von 1911 bis 1915 war Krämer Leiter des Stuttgarter Lindenmuseums. Während des Ersten Weltkrieges betreute er Reservelazarette in Tübingen und Stuttgart. 1919 wurde er Dozent für Völkerkunde an der Universität Tübingen und begann, ein Völkerkundliches Institut als Abteilung des Geographischen Instituts einzurichten. 1925 wurde er zum Honorarprofessor berufen. Seine völkerkundlichen Sammlungen stellte er für seine Lehrtätigkeit im Schloss Hohentübingen auf, und machte sie dann der Universität zum Geschenk. Bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1933 baute Krämer die Sammlung weiter aus. Augustin Krämer war von 1911 bis 1921 Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. Er wurde am 14. November 1941 auf dem Uffkirchhof in Bad Cannstatt beerdigt.

Ehrungen

1938 ernannte der Württembergische Anthropologische Verein ihn nach seinem Ausscheiden aus 22-jähriger Vorstandschaft zum Ehrenvorsitzenden.

Fotografie eines Hauses und eines Kanus auf Nauru von Augustin Krämer

Werke

  • Die Samoa-Inseln. 2 Bd., Stuttgart, 1902–1903.
  • Truk: Ergebnisse der Südsee-Expedition, 1908–1910. Ethnographie, Mikronesien, Bd. 5, Hamburg, 1932.

Weblinks

 Wikisource: Augustin Krämer – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. Oscar Paret: Nachruf In: Fundberichte Schwaben N.F. 11, 1938–1950, S. 10–11.

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