Archäologisches Freilichtmuseum Oerlinghausen


Archäologisches Freilichtmuseum Oerlinghausen
AFMOerlinghausen3.jpg
Wikingerfest in einem der frühmittelalterlichen Häuser
Daten
Ort Oerlinghausen
Art Freilichtmuseum
Eröffnung 1936
Website http://www.afm-oerlinghausen.de/
ISIL DE-MUS-174512
Merowingerzeitliches Sachsenhaus
Rückgezüchtete Düppeler Weideschweine

Das Archäologische Freilichtmuseum Oerlinghausen (Kurzform AFM Oerlinghausen) ist ein archäologisches Freilichtmuseum in Oerlinghausen im nordrhein-westfälischen Landesteil Lippe in Deutschland.

Das Museum wurde 1936 durch Hans Reinerth an dem zwischen der Senne und dem Teutoburger Wald liegenden bewaldeten Barkhauser Berg als „Germanen-Gehöft“ gegründet. Heute wird das Museum von der Stadt Oerlinghausen und dem Landesverband Lippe betrieben.

Auf einer Fläche von etwa 1,5 ha werden nach archäologischen Befunden rekonstruierte Anlagen menschlichen Lebens und Wohnens von der Altsteinzeit bis zum Frühmittelalter gezeigt. Zu den Rekonstruktionen gehören unter anderen Lagerplätze eiszeitlicher Rentierjäger um 10.000 v. Chr, steinzeitliche, bronzezeitliche und eisenzeitliche Wohnstallhäuser.

Das Prunkstück des Museums ist die Rekonstruktion eines sächsischen Langhauses nach Befunden aus dem 7. Jahrhundert n. Chr., das 2008 fertiggestellt wurde. Einige der zum Teil schon vor mehreren Jahrzehnten rekonstruierten Gebäude entsprechen aufgrund ihres Alters nicht mehr dem aktuellen Forschungsstand. Bei Umbaumaßnahmen und Neubauten wurden jedoch immer wieder die aktuellen Forschungsergebnisse genutzt, um das Aussehen der Gebäude dem aktuelleren Wissensstand anzugleichen. Einige der Gebäude haben ihre, von der Altertumswissenschaft angenommene, Lebensdauer bereits lange überschritten und deuten an, dass die Nutzungszeiten prähistorischer Gebäude länger sein könnte als bisher angenommen.

Seit 1986 ist das Museum bestrebt, in den einzelnen Zeitabschnitten auch die typische natürliche Vegetation und entsprechende Nutzpflanzen anzubauen. Eine kleine Attraktion sind die Rückzüchtungen mittelalterlicher Weideschweine, die in den historischen Bedingungen angepassten Gehegen gehaltenen werden.

Schwerpunktmäßig ausgerichtet ist das Angebot des Museums auf Kinder und Jugendliche. Entsprechende museumspädagogische Erlebnis- und Aktionsbetreuungen werden angeboten. Für Erwachsene werden vielfältige historische Informationen bereitgehalten. Bekannt ist das AFM Oerlinghausen auch für sein umfangreiches Seminarprogramm, z. B. zu den Themen „Bogenbau“ oder „Färben mit Pflanzenfarben“ und durch verschiedene Veranstaltungen wie die „Steinzeittage“, „Franken und Sachsen“, „Römer und Germanen“ oder „Die Wikinger kommen“.

Leitung

Der Leiter des Museums, Karl Banghard junior, ist Sohn des Heimatforschers und Journalisten Karl Banghard senior aus Flehingen.

Banghard engagierte sich öffentlichkeitswirksam im Umfeld [1] des Streits um die Reenactmentgruppe Ulfhednar. 2007 wurde erhebliche Kritik am häufigen Engagement der Gruppe durch archäologische Museen und Institutionen laut, unter anderem wegen übertriebenen und ahistorischen Wolfsangel- und Hakenkreuzdarstellungen und einem so transportierten verzerrten Geschichtsbild. Banghard trug zu dem Vorfall unter dem etwas ironischen Titel "Unter dem Häkelkreuz" [2] bei und thematisierte dies zudem bei Podiumsdiskussionen und Veranstaltungen.

Laut Banghard suchen die meisten Besucher im Museum nicht unbedingt fachliche Information. Eine mögliche Motivation, ein Museum zu besuchen, bestünde einem Feature des Deutschlandradios zufolge[1] auch in Gegenweltbedürfnissen, motiviert aus einer Mischung aus Esoterik und Interesse an einer mythischen Vorzeit. Banghard zufolge seien Freilichtmuseen Dienstleister auf dem Bildungs- und Unterhaltungsmarkt, die sich selbst finanzieren müssten. Es ginge ihm bei der Museumsarbeit um den Alltag und die Umwelt der Menschen und auch darum aufzuzeigen, wie Identitäten zusammengezimmert würden.[1]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 2. Juli 2008. Germanen, Götter und Gelehrte. Living History und die Suche nach Identität. Deutschlandradio. Von Rolf Cantzen
  2. Karl Banghard, Unter dem Häkelkreuz, Germanische Living History und rechte Affekte: Ein historischer Überblick in drei Schlaglichtern, in Hans-Peter Killguss: Die Erfindung der Deutschen. Rezeption der Varusschlacht und die Mystifizierung der Germanen, Verlag NS-Dokumentationszentrum, Köln 2009, 56 Seiten; ISBN 978-3-938636-12-1. Mit Beiträgen von Professor Reinhard Wolters, Dr. Tilmann Bendikowski, Dirk Mellies, Michael Fehrenschild, Karl Banghard, Alexander Häusler, Jan Raabe, Dr. Michael Zelle.

Siehe auch

Literatur

  • Karl Banghard junior: Archäologisches Freilichtmuseum Oerlinghausen – kompakt. Archäologisches Freilichtmuseum, Oerlinghausen 2006, ISBN 978-3-926933-02-7.

Weblinks

 <Lang> Commons: Archäologisches Freilichtmuseum Oerlinghausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

51.9508333333338.6638888888889Koordinaten: 51° 57′ 3″ N, 8° 39′ 50″ O


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