Arbëresh


Datei:Costumi tradizionali PianadegliAlbanesi.jpg
Zwei Frauen der Arbëresh aus Piana degli Albanesi in traditioneller Tracht

Die Arbëresh sind eine alteingesessene albanische Minderheit in Süditalien und auf Sizilien. Sie kamen ursprünglich im 15. Jahrhundert aus Albanien und sprechen noch heute einen Subdialekt des Toskischen.

Namen und Bedeutung

Die Arbëresh nennen sich selber in ihrem albanischen Dialekt Arbëreshët (Mehrzahl bestimmt) bzw. Arbëreshë (Mehrzahl unbestimmt). Die Einzelperson wird Arbëresh/-i (männlich) bzw. Arbëreshe/Arbëreshja (weiblich) genannt. Die von ihnen gesprochene Sprache wird Arbëresh genannt. Italienisch werden sie als Arbereschi [-ɛski]) bezeichnet. „Arbëresh“ ist ein archaischer Begriff aus dem Albanischen, der „Albaner“ bedeutet.

Siedlungsgebiete

Ethnographische Karte Italiens von 1984, auf der die albanischen Sprachinseln im Süden hellrot eingetragen sind

Dörfer der Arbëresh gibt es überall in Süditalien und auf Sizilien verstreut (die Ortsnamen sind nur auf Italienisch aufgeführt):[1]

  • Abruzzen: Villa Badessa (nördlichste Siedlung der Arbëresh)
  • Molise: Campomarino, Montecilfone, Portocannone und Ururi
  • Apulien: Casalvecchio di Puglia, Chieuti und San Marzano di San Giuseppe
  • Kampanien: Greci
  • Basilikata: Barile, Ginestra, Maschito, San Costantino Albanese und San Paolo Albanese
  • Kalabrien (nur nördliches Kalabrien etwa 30 Siedlungen): Acquaformosa, Andali, Caraffa di Catanzaro, Carfizzi, Castroregio, Cerzeto, Civita, Falconara Albanese, Firmo, Frascineto, Lungro, Marcedusa, Pallagorio, Plataci, San Basile, San Benedetto Ullano, Santa Caterina Albanese, San Cosmo Albanese, San Demetrio Corone, San Giorgio Albanese, San Martino di Finita, San Nicola dell'Alto, Santa Sofia d’Epiro, Spezzano Albanese, Vaccarizzo Albanese, Vena di Maida und andere
  • Sizilien: Contessa Entellina, Piana degli Albanesi und Santa Cristina Gela

Sprache

Platzschild in Civita auf Arbëresh (unten) und Italienisch

Das Arbëresh ist ein Subdialekt des Toskischen, einem der zwei Dialekte des Albanischen. Es unterscheidet sich von der heutigen Hochsprache wesentlich. Durch ihre immer kleiner werdende Anzahl an Sprechern gehört das Arbëresh zu den bedrohten Sprachen.

Laut einer Schätzung von 2002 sprechen etwa 80.000 Menschen diese Sprache.[1] Andere Schätzungen gehen von 100.000 (1987) und 260.000 (1976) aus.[2]

Geschichte

Mit dem Eindringen des Osmanischen Reichs im 14. Jahrhundert in Albanien flüchteten viele der damals christlichen Albaner nach Dalmatien, in südgriechische Gebiete oder eben nach Italien. Die lokalen Feudalherren boten den Flüchtlingen in dünn besiedelten Gegenden Land an und gewährten ihnen das Bürgerrecht. Das Königreich Neapel und Sizilien, das unter der Krone von Aragon stand, waren hierbei im engeren Sinne die Aufnahmeländer der Arbëresh.

Kultur und Religion

Datei:Tipologie costume Piana degli Albanesi.jpg
Typische Trachten der Arbëresh in der sizilianischen Stadt Piana degli Albanesi
Traditioneller Frauentanz in Civita

Die Arbëresh bewahrten auch in ihren neuen Siedlungsgebieten ihre albanischen Bräuche und ihre byzantinische Liturgie. Noch heute tragen sie bei feierlichen Anlässen ihre traditionellen Trachten. Besonders die Gürtelschnallen der Frauen sind wegen ihren von Hand aufwändig gefertigten Metallschmiedearbeiten und zeigen meist den heiligen Georg, den Schutzpatron der Arbëresh.

Während die Kirchengemeinden der Arbëresh zunächst den römisch-katholischen Ortsbischöfen unterstanden, wurden im 20. Jahrhundert zwei italo-albanische Bistümer gegründet, die Eparchie Lungro in Süditalien sowie die Eparchie Piana degli Albanesi auf Sizilien.

Bekannte Arbëresh

  • Lekë Matrënga (italienisch Luca Matranga; 1567–1619), orthodoxer Priester Geistlicher und Autor
  • Papst Clemens XI. (bürgerlich Giovanni Francesco Albani; 1649–1721), Papst von 1700 bis 1721
  • Girolamo de Rada (albanisch Jeronim de Rada; 1814–1903), Schriftsteller
  • Francesco Crispi (1819-1901), Revolutionär, Staatsmann und ehemaliger Ministerpräsident von Italien
  • Giuseppe Schirò (albanisch Zef Skiroi; 1865-1927), Dichter, Sprachforscher und Universitätsprofessor
  • Tito Schipa (1889–1965), Tenor und Komponist
  • Antonio Gramsci (1891–1937), Schriftsteller, Journalist, Politiker und marxistischer Philosoph
  • Ernesto Sabato (1911–2011), Schriftsteller, Wissenschaftler und Maler
  • Regis Philbin (* 1931), TV-Moderator
  • Ercole Lupinacci (* 1933), ehemaliger Bischof von Lungro
  • Sotìr Ferrara (* 1937), Bischof von Piana degli Albanesi
  • Joseph J. DioGuardi (* 1940), republikanischer Politiker und ehemaliger Abgeordneter im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten.

Literatur

  • Heidrun Kellner: Die albanische Minderheit in Sizilien: eine ethnosoziologische Untersuchung der Siculo-Albaner, dargestellt anhand historischer und volkskundlicher Quellen sowie eigener Beobachtung in Piana degli Albanesi; Albanische Forschungen, 10; Wiesbaden 1972.
  • Giovanni Armillotta: The Arbëreshët. The Christian Albanian emigration to Italy; in: L’Osservatore Romano, Jg. 141, Nr. 139 (20. Juni 2001).

Weblinks

 <Lang> Commons: Arbëresh – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Sprachenatlas der UNESCO. In: Unesco.org. Abgerufen am 31. Mai 2012 (english).
  2. Albanian, Arbëreshë: a language of Italy. In: Ethnologue.com. Abgerufen am 31. Mai 2012 (english).

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