Adlocutio


Letzte Meldung:   Papua haben mehrere Denisovaner-Vorfahren   –  Als der moderne Mensch Afrika verließ, vermischte er sich mit dem Neandertaler und dem Denisova-Menschen. Ein Forschungsteam hat nun DNA-Fragmente untersucht, die diese ausgestorbenen Homininen an moderne Menschen weitergegeben haben, deren Nachfahren heute auf den Inseln Südostasiens und in Papua-Neuguinea leben. Dabei stellten sie fest, dass nicht nur eine, sondern zwei verschiedene Denisovaner-Linien – die sich schon vor Hundertausenden von Jahren voneinander getrennt hatten – Erbgut an die Vorfahren der Papua weitergegeben haben. Eine der beiden Denisova-Linien unterscheidet sich von der anderen so sehr, dass es sich bei ihr sogar um eine völlig neue Urmenschen-Gruppe handeln könnte.....
Adlocutio des Kaisers Trajan (3. von links) an sein Heer auf einem Relief der Trajanssäule (113 n. Chr.)

Adlocutio ist ein Begriff aus der lateinischen Literatur und der römischen Kunst.

In literarisch-rhetorischen Texten bezeichnet adlocutio im Allgemeinen eine persönlich ermunternde Ansprache oder Begrüßung, eine tröstende Rede (griechisch παραίνεσις parainesis) oder die direkte Ansprache eines Auditoriums (gr. apostrophe) durch einen Redner.

Mit einem politischen oder militärischen Bezug ist eine adlocutio eine persönliche Adresse an den Senat, die Volksversammlung oder an eine militärische Versammlung. Sie war dem Kaiser vorbehalten und erfolgte beispielsweise beim Amtsantritt oder bei der Adoption des Nachfolgers.

Die adlocutio ist auch ein Element der Symbolsprache der Numismatik und der Kunst der Kaiserzeit. Häufig ist eine adlocutio etwa auf Ehrensäulen und Triumphbögen (Trajanssäule, Mark-Aurel-Säule) dargestellt. Von Caligula bis Maxentius war die adlocutio ein beliebtes Motiv auf Münzen. Die adlocutio wird als Ansprache des Kaisers an seine Soldaten gezeigt, als Symbol der Verbundenheit von Kaiser und Militär. In der Spätantike treten adlocutio-Szenen hinter andere Bildprogramme zurück.

Münze aus der Zeit des Kaisers Nero (54–68) mit der Darstellung einer Adlocutio (rechts) und der Inschrift „ADLOCVT COH“

In dieser spezifischen Bedeutung ist das Wort adlocutio nicht literarisch oder inschriftlich belegt, jedoch kommt der Begriff vielfach auf Münzen vor (adlocutio coh. oder adlocutio coh. praet.).

Literarische Belege (Auswahl)

  • Quintilian inst. 9,2,37
  • Seneca ad Helv. 1,3
  • Valerius Maximus 2,7,4
  • Varro ling. 6,57
  • Sueton Tib. 23
  • Livius per. 104
  • Fronto Verus 132,1

Literatur

  • Conrad Cichorius: Adlocutio. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band I,1, Stuttgart 1893, Sp. 375–376.