Abfallgrube


Letzte Meldung:   Papua haben mehrere Denisovaner-Vorfahren   –  Als der moderne Mensch Afrika verließ, vermischte er sich mit dem Neandertaler und dem Denisova-Menschen. Ein Forschungsteam hat nun DNA-Fragmente untersucht, die diese ausgestorbenen Homininen an moderne Menschen weitergegeben haben, deren Nachfahren heute auf den Inseln Südostasiens und in Papua-Neuguinea leben. Dabei stellten sie fest, dass nicht nur eine, sondern zwei verschiedene Denisovaner-Linien – die sich schon vor Hundertausenden von Jahren voneinander getrennt hatten – Erbgut an die Vorfahren der Papua weitergegeben haben. Eine der beiden Denisova-Linien unterscheidet sich von der anderen so sehr, dass es sich bei ihr sogar um eine völlig neue Urmenschen-Gruppe handeln könnte.....
Grabungsschnitt durch eine eisenzeitliche Abfallgrube, die sich als dunkle Verfärbung der Erde darstellt

Abfallgruben sind Erdgruben, die offenbar für die Entsorgung von organischem und anderem Meterial angelegt wurden. Abfallgruben sind zugleich eine archäologische Quellengattung.

Archäologie

Als Abfallgruben werden auf archäologischen Fundplätzen Gruben bezeichnet, die so genannten Siedlungsabfall enthalten. Dem Fundgut scheint zum Teil eine Projektion des modernen Verständnisses von Abfall zugrunde zu liegen.[1]

Aus neolithischen und bronzezeitlichen Pfahlbausiedlungen ist häufig belegt, dass primär Essensabfall im unmittelbaren Umfeld der Siedlung ins Wasser stehender Gewässer geworfen wurde [2]

Deutung

Es gibt für Abfallgruben jedoch alternative Deutungsmöglichkeiten:

  • Entlang der Langhäuser des Frühneolithikums und Mittelneolithikums (zum Beispiel Bandkeramik und Rössener Kultur) gab es Gruben zur Entnahme von Lehm ("Lehmentnahmegruben") [3] zur Abdichtung der Flechtwände der Häuser. In der Lengyelkultur gibt es Lehmentnahmegruben, die nicht direkt am Haus liegen.
  • Gruben dienten der Aufbewahrung von Vorräten, in die während der natürlichen Verfüllung (Einsedimentierung) - auch zufällig - Abfall gelangte.
  • Auch rituelle Deponierungen in Siedlungsgruben werden diskutiert, besonders für die Eisenzeit[4].
  • In der englischen Archäologie wird zunehmend auch eine bewusste Ablagerung in Gruben diskutiert (structured deposition).

Der Beweis solcher Praktiken ist schwierig. Das Phänomen ritueller Niederlegungen von ausgesuchten Attributen (zum Beispiel Schädel- und Skelettteile, Keramik, Werkzeuge, Idolfiguren etc.) ist in Mitteleuropa aus Gruben der jüngeren Linienbandkeramik und der Michelsberger Kultur bekannt. Im Falle der unterbrochenen Erdwerke (causewayed enclosures), also systematisch und in einer bestimmten Form angelegten Gruben ist eine solche Deposition besser nachzuweisen, es dürfte sich bei den abgelagerten Gegenständen allerdings kaum um Abfall gehandelt haben. Viele dieser Gruben befinden sich in der Nähe von Kultanlagen.

Die Entsorgung zumeist organischem Abfalls ist in rezenten Kulturen außerhalb der westlichen Industrienationen nicht anzutreffen.

Gegenwart

Heute ist Abfallbeseitigung Pflicht. In den meisten europäischen Ländern werden dazu Abfalldeponien benutzt. Diese können in Senken angelegt werden. In vielen Ländern, auch in Deutschland, ist die Verwendung einer (privat angelegten) Abfallgrube verboten und unter Strafe gestellt.

Siehe auch

Literatur

  • J. Chapman: Pit-digging and structured deposition in the Neolithic and Copper Age of central and eastern Europe. Proceedings of the Prehistoric Society, 66, 2000, 61-87.
  • Jan Harding: Pit-digging, occupation and structures deposition on Rudston Wold, Eastern Yorkshire. Oxford Journal of Archaeology, 25(2) 2006, 109–126.
  • J. Pollard: Inscribing space: formal deposition at the later Neolithic monument of Woodhenge, Wiltshire. Proceedings of the Prehistoric Society, 61, 1995, 137-56.
  • Joshua Pollard, The aesthetics of depositional practice’ World Archaeology, 33/2, 2001, 315-33.
  • Colin Richards/Thomas, Julian 1984: Ritual activity and structured deposition in later Neolithic Wessex. In: Bradley, Richard/Gardiner, J. (Hrsg.), Neolithic Studies. A Review of Some Current Research (Oxford, British Archaeological Reports 133), 189–218.

Einzelnachweise

  1. U. Sommer: Kulturelle Einstellungen zu Schmutz und Abfall und ihre Auswirkungen auf die archäologische Interpretation. Archäologische Berichte 11, 1998, S. 41-54
  2. z. B. Hornstaad-Hörnle, Siedlungsarchäologie im Alpenvorland. Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 98. Stuttgart, Theiss 2006.
  3. H. Stäuble, Die Befunde. In: Jens Lüning (Hrsg.), Ein Siedlungsplatz der ältesten Bandkeramik in Bruchenbrücken, Stadt Friedberg/Hessen. Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie 39. Bonn, Habelt, 1997
  4. J.D. Hill, Ritual and rubbish in the Iron Age of Wessex : a study on the formation of a specific archaeological record. BAR British series 242. Oxford, Tempus Reparatum 1995