Ägyptische Expedition


Bonaparte besucht die Pestkranken von Jaffa (1799), um die Moral zu stärken, obwohl er sich der Ansteckung aussetzte (Darstellung von 1804)

Als Napoleons Ägyptenfeldzug oder Ägyptische Expedition wird die militärische und wissenschaftliche Unternehmung der Franzosen unter dem Kommando Napoleon Bonapartes in Ägypten in den Jahren von 1798 bis 1801 bezeichnet.

Die vom Direktorium vorgegebenen Ziele der Expedition waren, aus Ägypten eine französische Provinz zu machen, die britische Vormachtstellung im Mittelmeerraum zu beenden und im levantinischen Handel Frankreich eine herrschende Rolle zu sichern. Ägypten gehörte zum osmanischen Reich, die Macht aber übten seit dem 17. Jahrhundert die Beys der Mameluken aus.

Begleitet wurde Bonaparte von zahlreichen Gelehrten, Ingenieuren und Künstlern, unter ihnen Gaspard Monge, Claude-Louis Berthollet, Étienne Geoffroy Saint-Hilaire, Nicolas-Jacques Conté, Déodat Gratet de Dolomieu, Dominique Vivant Denon und Joseph Fourier. Im Jahr 1798 wurde in Kairo mit dem Institut d’Égypte eine wissenschaftliche Einrichtung gegründet, deren Aufgabe die Erforschung Ägyptens war. Die Ergebnisse der Expedition wurden in der mehrbändigen Text- und Bildsammlung Description de l'Égypte (dt. Beschreibung Ägyptens) dokumentiert, die den Grundstein für die spätere Ägyptologie legte.

Für die militärische, zumeist positiv formulierte Unterrichtung des Direktoriums war Stabschef Louis-Alexandre Berthier zuständig. Mit seinem späteren Außenminister Talleyrand hielt Bonaparte einen ständigen, geheim gehaltenen Kontakt zur Vorbereitung eines Staatsstreiches nach seiner Rückkehr.[1]

Ausgangslage

Vorgeschichte

Die 1517 von den osmanischen Türken unterworfenen Machthaber, die Mamluken, hatten seit dem 17. Jahrhundert ihre Macht in Ägypten allmählich wieder ausgebaut und die eigene Position durch neue Sklaven aus dem Kaukasus wieder gestärkt. Bald war der türkische Pascha nur noch der formale Repräsentant der schwindenden Macht des Sultans im fernen Konstantinopel, während Mamluken-Beys wieder hohe Verwaltungsposten einnahmen. Ab 1768 dann erhob sich Ali Bey zur Revolte. Er wurde von seinem eigenen Schwiegersohn geschlagen, doch nach dessen Tod stritten verschiedene Mamluken-Fraktionen um die Macht (Abdarrahman Al-Gabarti beschreibt diese Kämpfe und die erste Phase der französischen Expedition in dem in der Literaturliste angeführten Buch ausführlich).

Schließlich gelang es den miteinander verbündeten Mamluken-Emiren Murad Bey Muhammad und Ibrahim Bey 1790, die mit den Türken verbündeten Mamluken-Fraktion um Ismail Bey endgültig von der Macht zu verdrängen. Frankreich hatte somit gleich zwei formale Anlässe zum Eingreifen: Zum einen war das Königreich Frankreich seit 1536 Verbündeter des Osmanischen Sultans und konnte behaupten, dessen Autorität wieder herstellen zu wollen. Zum anderen konnte Frankreich seit der Französischen Revolution argumentieren, auch den Ägyptern die Freiheit vom Joch der feudalen Mamlukenherrschaft bringen zu wollen.

Nach der Hinrichtung König Ludwigs XVI. im Jahr 1793 hatten fast alle Monarchien Europas, darunter Spanien, Portugal und die meisten deutschen und italienischen Staaten, Frankreich den Krieg erklärt. Großbritannien befand sich durch die französische Kriegserklärung vom 1. Februar 1793 ebenfalls im Kriegszustand. Der hohe Enthusiasmus der Revolutionstruppen und das Geschick des jungen Feldherrn Napoléon Bonaparte sorgten jedoch für anhaltende militärische Erfolge der Franzosen.

1795 wurden die Niederlande von der französischen Armee besetzt und standen nun unter französischer Kontrolle. Preußen und Spanien schlossen im selben Jahr einen Friedensvertrag mit Frankreich. Unter französischem Druck erklärte Spanien im August 1796 Großbritannien sogar den Krieg. 1797 wurde der Frieden von Campo Formio zwischen Frankreich und Österreich geschlossen. Großbritannien und das Russische Reich waren damit 1798 die einzigen europäischen Großmächte, die sich noch im Krieg mit der französischen Republik befanden. Zu ihren Verbündeten zählten nur noch Portugal, das wenig einflussreiche Königreich von Neapel-Sizilien und die Insel Malta.

Die Entscheidung für Ägypten

Ägypten zur Zeit Napoleons

Schon lange vor dem Feldzug Napoleons befand sich Ägypten im Blickfeld französischer Expansionsbestrebungen im Mittelmeerraum. Allein zwischen 1774 und 1798 setzte sich die französische Regierung mit mehr als einem Dutzend Vorschlägen von Diplomaten, Politikern und Unternehmern auseinander, die alle auf eine Einnahme des Landes am Nil abzielten.[2] Bei der Entscheidung des Jahres 1798 handelte es sich um ein komplexes Gemenge geostrategischer, wirtschaftlicher, politischer und persönlicher Interessen, verbrämt mit den Idealen der Französischen Revolution.

Das Direktorium gab nach einigem Widerstand (besonders von de la Révellière-Lepaux) seine Zustimmung zu der Expedition. Der Präsident des Direktoriums schrieb aus Gründen der Geheimhaltung eigenhändig den Befehl an Napoleon. Es wurde festgehalten, dass aus 36.000 Mann der alten, italienischen Armee, Offizieren und Generälen nach seiner Wahl, verschiedenen Wissenschaftlern und Handwerkern und der Flotte des Vizeadmirals Brueys die Expedition bestehen sollte. Das Schatzamt wurde angewiesen, Napoleon jede Dekade 1,5 Millionen Francs zu senden. Darüber hinaus wurde ihm erlaubt, 3 Millionen aus den 8[3] des "Berner Schatz" zu nehmen, den Frankreich sich für sein militärisches Eingreifen zur Errichtung einer Helvetischen Republik von der unterlegenen Eidgenossenschaft hatte zahlen lassen.[4]

Großbritannien hatte im Verlauf des 18. Jahrhunderts einen Teil seiner Kolonien in Nordamerika verloren, zuvor aber Frankreich aus Indien vertrieben und dominierte damit große Teile des Asienhandels. Der überwiegende Teil des britischen Indienhandels fand auf dem Seeweg um das Kap der Guten Hoffnung statt.[5] Wollte die britische Regierung jedoch Eilnachrichten nach Kalkutta schicken, dann konnte sie Tausende von Kilometern abkürzen, indem sie einen Boten durch das Mittelmeer nach Alexandria in Ägypten schickte, den Nil hinauf nach Kairo und von dort aus bis zum Roten Meer, wo der Bote auf dem Seeweg weiter nach Indien reiste. Eine Einnahme Ägyptens hätte Großbritannien deshalb von der schnellsten Kommunikationsroute mit Indien, dem „Juwel in der Krone des Empire“, abgeschnitten.

Wirtschaftlich stand Ägypten im Ruf legendärer Fruchtbarkeit.[6] In einem durchschnittlichen Jahr importierte Frankreich aus ägyptischen Häfen Waren im Wert von rund drei Millionen Livres.[7] Dabei handelte es sich sowohl um heimische Produkte wie Reis, Getreide, Natron, Baumwolle, Flachs, Sennesblätter, Büffel- und Kamelhäute, als auch um Waren aus dem Inneren Afrikas wie Tamarinden, Elfenbein, Straußenfedern und Goldstaub, sowie Produkte wie Kaffee, Gummi arabicum, Assa foetida, Weihrauch und Myrrhe, die aus dem Raum des Indischen Ozeans über Sues nach Ägypten gelangten. Eine Einnahme Ägyptens hätte Frankreich die Kontrolle über diese Warenströme gegeben.

Napoleon selbst hatte schon seit seiner Kindheit vom Orient geträumt. Aus der Histoire philosophique et politique des établissements et du commerce des Européens dans les deux Indes (dt. Geschichte beider Indien) des Abbé Raynal hatte er in seiner Jugend eine Passage kopiert, in der Ägypten als der Schlüssel einer Verbindung zwischen Afrika und Asien mit Europa dargestellt wurde.[8] Napoleon folgte mit seinem Interesse ganz der Strömung seiner Zeit. Die Beschäftigung mit Ägypten war in Frankreich spätestens seit der Veröffentlichung des Romans Sethos, anecdotes de l’ancienne Égypte des Abbé Terrasson im Jahr 1731 in Mode gekommen.[9] Gärten von wohlhabenden Parisern waren mit Sphingen und Obelisken geschmückt; freimaurerische Symbolik griff das Pyramidenmotiv auf. Reiseberichte wie die des Dänen Frederic Louis Norden oder des Engländers Richard Pococke, übersetzt 1755 und 1772, fanden ein ebenso großes Publikum wie die Lettres sur l’Égypte (1786) von Claude-Étienne Savary und die Voyage en Syrie et en Égypte (1787) von Constantin François Volney. Volneys Ideal einer kulturellen Weiterentwicklung Ägyptens im Sinne der Aufklärung diente später vor allem den mit Napoleon nach Ägypten gereisten Gelehrten der Legitimation. Sie nahmen in ihren Reiseberichten und wissenschaftlichen Abhandlungen ein ums andere Mal auf Volneys Voyage Bezug.

In Deutschland bestand unter den jungen Intellektuellen, die für die französische Revolution schwärmten, große Symphatie für Bonapartes Expedition. Die Schriftstellerin der Deutschen Romantik Karoline von Günderrode pries in ihrem hymnischen Gedicht "Buonaparte in Ägypten" [...] Frankreichs Liebling, die Säule der würdigeren Freiheit, rufet er der Vorzeit Begeisterung zurück, Zeiget dem erschlafften Jahrhundert römische Kraft [...]

Letztendlich bot der Ausflug in den sagenumwobenen Orient dem jungen General Bonaparte nach dem Abschluss des Italienfeldzuges aber auch eine willkommene Gelegenheit, seinen eigenen Ruhm und damit seine Macht zu steigern. Für das an der Spitze des Staates stehende Direktorium war hingegen der Gedanke attraktiv, den politisch immer einflussreicher werdenden Napoleon für einige Zeit aus Paris fernzuhalten.

Von allen Überlegungen zur Eroberung Ägyptens war aber das wahrscheinlich stärkste Motiv Bonapartes, die Chance der „Selbststilisierung zum Herrscher“ und damit das Signal an die Franzosen, zur Übernahme der Herrschaft bereit zu sein. Das Zeitalter der Pharaonen zu idealisieren und die darauf folgenden Epochen als Zeiten des Verfalls zu erklären, war die Aufgabe der Begleitung von Wissenschaftlern, Künstlern und Berichterstattern, die - ähnlich wie es das Vorbild Alexander der Große bei der Eroberung Persiens vorgemacht hatte - die Expedition als Erfolg hochstilisierten und damit Bonaparte den Mythos des Retters verliehen.[10]

Die Ägyptische Expedition

In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: Deklaration über die Befreiung von den Mamluken (nicht nur zur Gewinnung der Ägypter, sondern auch zur Täuschung der Osmanen gedacht) mit der Unterschrift Napoleons als „Sultan kabir“, von Franzosen eingesetzte Räte ägyptischer Notabeln, Tötung von 4.000 türkischen Kriegsgefangenen u.a.m.
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Die Vorbereitung der Expedition

Die Vorbereitungen für die Expedition waren verteilt auf Toulon, Marseille, Genua, Korsika und Civitavecchia und wurden im Wesentlichen von Napoleons Stabschef Louis Berthier organisiert. Toulon fungierte dabei als Heimathafen für die Kriegsflotte, die das Übersetzen des französischen Heeres über das Mittelmeer begleiten sollte. Handelsschiffen wurde das Verlassen der Häfen von Toulon und seiner Umgebung verboten, um genügend Transportschiffe zur Verfügung zu haben. 280 Handelsschiffe beförderten 28.200 Mann Infanterie, Ingenieure und Kanoniere sowie 2.800 Mann Kavallerie, 60 Feld- und 40 Belagerungsgeschütze des französischen Expeditionsheers. 13 Linienschiffe, vier Fregatten und einige Kanonenboote unter dem Oberbefehl von François-Paul Brueys d'Aigalliers begleiteten die Flotte. Divisionskommandeure waren Desaix (Avant-Garde], Reynier (rechter Flügel), Kléber (Zentrum), Menou (linker Flügel), Bon (Reserve) und Murat (Kavallerie]. Dabei waren auch 150 französische Künstler, Wissenschaftler und Forscher.

Am 19. Mai verließ, nach nur zweimonatiger Vorbereitungszeit, der erste Teil des Expeditionsheers den Hafen von Toulon. Napoleon war an Bord des Flaggschiffes L'Orient. Am 21. Mai schloss sich von Genua aus eine Flotte von 72 Schiffen an. Am 28. Mai stießen von Korsika her 22 Schiffe hinzu, am 30. Mai weitere 56 Schiffe, die von Civitavecchia aus gestartet waren. Damit war das französische Expeditionsheer - das Bonaparte als armée d'Angleterre bezeichnete - komplett und nahm Kurs in Richtung Sizilien. Bereits am 5. Juni umrundete es die Südspitze von Sardinien.

Verlauf

Schlacht bei den Pyramiden

Am 9. Juni traf die Flotte vor Malta ein. Tags darauf wurden französische Soldaten auf die Insel entsandt. Der Malteserorden unternahm keine Anstrengungen, gegen ein christliches Heer zu kämpfen. Am 11. Juni wurde an Bord der L’Orient das Kapitulationspapier unterschrieben. Napoléon hielt sich in Malta am 12. und 13. Juni an Land auf. Die Flotte segelte danach mit ihm weiter nach Ägypten und landete mit der gesamten Streitmacht bei Abukir. Am 2. Juli 1798 wurde Alexandria eingenommen. In der Schlacht bei den Pyramiden am 21. Juli 1798 etwas südlich von Gizeh wurde das türkisch-ägyptische Heer zusammen mit einer Mamluken-Eliteeinheit unter Mourad Bey und Ibrahim Bey, insgesamt rund 5.000 (zuzüglich 12.000 Diener bzw. Waffenträger), vernichtend in die Flucht geschlagen und Kairo sowie ganz Ägypten besetzt.

General Bonaparte erklärte in zwei Proklamationen an die Ägypter und an die Einwohner von Kairo, dass das Ziel der französischen Invasion die Befreiung des Landes von der Sklaverei und Ausbeutung der "Sippschaft" (race) der Mamluken und ihrer selbstherrlichen Beys sei. Die Einwohner, ihre Familien, ihre Häuser und Eigentum würden geschützt. Ihre Lebensgewohnheiten, ihre Religion würden geachtet und zur Selbstverwaltung würden Diwane eingerichtet, besetzt mit einheimischen Würdenträgern.[11]

Bereits am 1./2. August 1798 wurde die vor der ägyptischen Küste liegende französische Flotte von den Briten unter Admiral Nelson in der Seeschlacht bei Abukir vollständig vernichtet, so dass ein Rücktransport unmöglich und die Verbindung mit Frankreich unterbrochen waren. Ein Aufstand in Kairo vom 22. bis 23. Oktober 1798 wurde von Napoleon niedergeschlagen. Es wurden 14 Anführer gefangen genommen, 5 Scheichs wurden hingerichtet, ungefähr 2.500 Aufständische sollen getötet worden sein.[12] An anderer Stelle wird von 2.000 exekutierten Aufständischen berichtet.[13]

Außenminister Talleyrand war unterdessen nicht, wie abgesprochen, nach Konstantinopel zur Hohen Pforte gereist, um ihr zu versichern, dass die Expedition nicht gegen die Türkei gerichtet sei. Unter britischem und russischem Druck erklärte das Osmanische Reich schließlich doch Frankreich den Krieg.

Das Direktorium in Paris rechnete inzwischen mit einer Niederlage Bonapartes. Es wurde ihm überlassen, sich gegen Konstantinopel zu wenden, um eine Teilung des Osmanischen Reiches zu betreiben oder seine Stellungen in Ägypten zu behaupten. In jedem Falle erwarte man von ihm Maßnahmen und ruhmreiche Resultate.[14]

Im Februar 1799 führte Napoleon mit 14.000 Mann einen Feldzug nach Syrien zur Verteidigung der Eroberung Ägyptens gegen ein sich formierendes türkisches Heer. Die anfänglichen Erfolge in al-Arisch, Gaza, Hebron, Jaffa, am Berg Tabor und endeten vor der Stadt Akkon, die er vom 19. März bis Mai 1799 belagerte. Er scheiterte am britischen Kommodore Sidney Smith, der die militärische Führung der Stadt übernommen hatte und eine Überzahl an Geschützen, Munition und Verpflegung besaß.

Napoleon musste sich schließlich - auch wegen hoher Verluste in den Kämpfen, durch Seuchen und die Hitze - nach Ägypten zurückziehen, wo er aber am 25. Juli 1799 die Osmanen in der Schlacht von Abukir vernichtend schlug.

Da sich die Lage für Frankreich innenpolitisch durch die Misswirtschaft der Regierung und militärisch durch die Konfrontation mit der Zweiten Koalition, dramatisch verschlechtert hatte, und Österreich begann seine italienischen Eroberungen und Republikgründungen wieder zunichtezumachen, kehrte Napoleon am 22. August 1799 unaufgefordert und mit vorgeschobenen Begründungen (seine Kritiker bezeichneten es als Desertation) nach Frankreich zurück. Er verließ seine Armee, ohne sie in einem Tagesbefehl darüber zu informieren und übertrug das Oberkommando in Ägypten seinem dienstältesten General Kléber.

Kléber handelte zwar mit den Osmanen den freien Abzug aus Ägypten aus, doch als Großbritannien die bedingungslose Kapitulation forderte, wurde der Krieg wieder aufgenommen. Die Osmanen wurden am 20. März 1800 bei Heliopolis von Kléber vernichtend geschlagen und Kairo nach Niederschlagung eines erneuten Aufruhrs wieder besetzt und mit einer hohen Kontribution bestraft. Allerdings wurde Kléber am 14. Juni 1800 in Kairo von einem Muslim ermordet. Sein Nachfolger wurde Menou.

Am 8. März 1801 landeten 17.000 Mann britischen Truppen unter dem Kommando der Generäle Abercombie und Hutchinson bei Abukir. Das osmanische Heer unter Yussuf-Pascha zählte mehr als 20.000 Krieger, darunter 6.000 Albaner und Janitscharen. Die französischen Truppen sollen 16.000 Mann stark gewesen sein, die mehrere Städte und Festungen besetzt hielten. Am 21. März verloren sie bei Alexandria eine erste Schlacht, die Stadt selbst wurde eingeschlossen. Am 9. Mai fiel Ramanja, am 27. Juni kapitulierte Kairo und am 31. August letztendlich Alexandria. Die französischen Truppen mussten Ägypten verlassen, konnten aber ihre Ausrüstungen mitnehmen, allerdings nicht die Unterlagen und Aufzeichnungen der wissenschaftlichen Begleiter der Expedition. Diese protestierte darauf heftigst und erfolgreich, weil sie damit drohten, ihre Arbeiten eher ins Meer zu werfen als sie den Engländern zu übergeben.[15]

Auf britischen Schiffen wurden die Franzosen nach Frankreich zurückgebracht. Die Regierungen beider Länder nahmen Verhandlungen auf, die 1802 zum Frieden von Amiens führten.

Die Expedition von ursprünglich fast 30.000 Mann kostete fast 20.000 das Leben, darunter 14 Generäle, eine ganze Flotte mit 13 Linienschiffen, 4 Fregatten und ihr Admiral Brueys, dazu nicht erfasste, große Mengen an Ausrüstungen und Waffen.

Nachwirkungen

Die Bedeutung der Ägyptischen Expedition liegt zum einen darin, dass die Vorherrschaft der Mamluken in der ägyptischen Gesellschaft durch die Niederlagen gegen die Franzosen schwer erschüttert war und dadurch der Aufstieg von Muhammad Ali Pascha ermöglichte wurde. Napoleons Reformen bestanden aus der Modernisierung der ägyptischen Verwaltung, der Einführung eines neuen Postdiensts, der Förderung des Baus von Windmühlen und der Bekämpfung der Beulenpest. Außerdem wurde der Buchdruck eingeführt und ganz Ägypten kartografiert.

Für die Mamluken war im neuen Ägypten kein Platz mehr. Murad Bey, der sich 1799 auf die Seite der Franzosen geschlagen hatte, starb 1801, seine Fraktion wurde mit britischer Hilfe zunächst von Alfi Bey weitergeführt. Ibrahim Bey hatte die Franzosen konsequent bekämpft und wurde nach dem britischen Sieg formal nochmals bis 1804 Statthalter, ehe er dem von den Türken entsandten Befehlshaber des albanischen Kontingents, Muhammad Ali Pascha (Statthalter seit 1805), unterlag. 1807 wurden auch Alfis Fraktion und die Briten geschlagen, 1811 dann schließlich alle restlichen Mamluken in einen Hinterhalt gelockt und auf Mehmet Alis Geheiß massakriert. Nur einigen Wenigen soll die Flucht nach Sudan gelungen sein.

Für die Wissenschaft

War die Expedition auch letztlich ein militärischer Fehlschlag, führte sie doch zu bedeutenden wissenschaftlichen Entdeckungen, da durch die an der Expedition teilnehmenden Wissenschaftler die altägyptische Kultur weithin bekannt wurde und so ein starkes Interesse an der Frühgeschichte geweckt wurde. Die Resultate dieser Forschungen wurden in der umfangreichen Text- und Bildsammlung „Description de l'Égypte“ veröffentlicht. Bedeutendste einzelne Entdeckung war der Fund des Steins von Rosetta am 15. Juli 1799, der letztlich die Entzifferung der altägyptischen Hieroglyphen durch Jean-François Champollion ermöglichte.

Für Algerien

Ein weiteres Nachspiel hatte die Ägyptische Expedition in Algerien. Der Dey von Algier hatte Frankreich zur Finanzierung der Ägyptenexpedition, aber auch zur Finanzierung weiterer Kriege Napoleons drei Kredite gewährt. Nach dem Sturz des Kaisers verweigerten die französischen Könige die Rückzahlung. 1827 ließ der inzwischen ungehaltene Dey den französischen Gesandten einen Schlag mit dem Fliegenwedel versetzen, was Frankreich schließlich 1830 als Vorwand zur Eroberung Algiers diente. Zuvor hatte sich Frankreich in einem Abkommen mit Ägyptens Machthaber Muhammad Ali den Rücken geschützt

Literatur

Quellen
  • Bonaparte in Ägypten. Aus der Chronik des Abdarrahman Al-Gabarti (1754–1829). Übersetzt von Arnold Hottinger. Artemis-Verlag, Zürich/ München 1983, ISBN 3-7608-4532-0
  • Joseph Laporte: Mon voyage en Égypte et en Syrie: carnets d’un jeune soldat de Bonaparte. Presses universitaires de France, Paris 2007, ISBN 978-2-13-056459-1 (Faksimile der Handschrift der Bibliotheca Bodmeriana mit einer Einleitung von Jean Tulard)
  • Dominique Vivant Denon: Voyage dans la Basse et la Haute Egypt. Band 1 und Band 2, London 1802 bei Google Book Search (Erstausgabe), sowie die Ausgabe London 1817 und Anhang in Gallica, dem Digitalisierungsprojekt der Französischen Nationalbibliothek
  • Francois Labrique, Uwe Westfehling (Hrsg): Mit Napoleon in Ägypten. Die Zeichnungen des Jean-Baptiste Lepére. von Zabern, Mainz 2010, ISBN 978-3-8053-4103-5
  • Abel Hugo, France militaire. Histoire des armées de terre et de mer. 1792-1837. Band 2, Paris 1838. (Volltext auf gallica.bfn.fr)
  • Christopher Buchholz, Französischer Staatskult 1792-1813 im linksrheinischen Deutschland, Europ. Hochschulschriftenreihe III, Vol. 749, Frankfurt 1997, ISBN 3-631-31904-5
  • David G. Chandler, Dictionary of the Napoleonic Wars, London 1993, ISBN 1-85367-150-9
Darstellungen
  • Juan Cole: Napoleon’s Egypt: Invading the Middle East. Basingstoke 2008, ISBN 978-0-230-60603-6
  • Nina Burleigh: Mirage: Napoleon’s Scientists and the Unveiling of Egypt. Harper Collins publications, New York 2007, ISBN 0-06-059767-4
  • Robert Solé: Bonaparte à la conquête de l’Egypte. Édition. du Seuil, Paris 2006, ISBN 2-02-066453-4
  • Yves Laissus: L’Égypte, une aventure savante: avec Bonaparte, Kléber, Menou 1798–1801. Fayard, Paris 1998, ISBN 2-213-60096-1
  • Melanie Ulz: Auf dem Schlachtfeld des Empire. Männlichkeitskonzepte in der Bildproduktion zu Napoleons Ägyptenfeldzug. Jonas, Marburg 2008, ISBN 978-3-89445-396-1
  • Adolphe Thiers: Geschichte der Französischen Revolution, 6 Bände, Übers. A. Walthner, Mannheim 1844-45

Weblinks

 <Lang> Commons: Expédition d’Égypte – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. C. Buchholz, Französischer Staatskult..., S. 162-165. Buchholz zitiert hier die Ergebnisse der 1989 erschienene Bearbeitung der Expedition von Henry Laurens und bisher unberücksichtigten Anweisungen Talleyrands ...über die Korrespondenz mit Bonaparte vom 27. Dezember 1798
  2. Vgl. Burleigh: Mirage. Kindle-Ausgabe, Locations 77–86, sowie ausführlicher Laissus: Aventure savante. S. 12–22.
  3. an anderer Stelle werden weitaus höhere Beträge genannt
  4. A. Thiers, Gesch. der Franz. Revolution,, Bd. 6, S. 174
  5. Vgl. hierzu und zum folgenden Cole: Napoleon’s Egypt. Kindle-Ausgabe, Locations 186–203.
  6. Vgl. hierzu und zum folgenden Laissus: Aventure savante. S. 17 sowie 23f.
  7. Laissus: Aventure savante. S. 23.
  8. „L’Égypte, située entre deux mers, en réalité entre l’Orient et l’Occident; Alexandre le Grand conçoit le plan d’y transporter le siège de son empire et de faire l’Égypte le point central du commerce du monde. Ce conquérant éclairé comprit que le seul moyen de réunir toutes ses conquêtes en un État, l’Égypte le lui offrirait en reliant l’Afrique et l’Asie à l’Europe.“ Hier zitiert nach Laissus: Aventure savante. S. 18.
  9. Vgl. hierzu und zum folgenden Laissus: Aventure savante. S. 14f.
  10. C. Buchholz, Französischer Staatskult..., S. 155 ff., Das Reich der Pharaonen als Vorbild für die Neuordnung Frankreichs durch Napoleon.
  11. A. Hugo, France militaire... Bd. 2, S. 246-250
  12. A. Hugo,France militaire ..., Bd. 2, S. 273 ff.
  13. Franz Herre, Napoléon Bonaparte. Wegbereiter des Jahrhunderts, München 1988, zitiert eigene Angaben Napoleons auf S. 79
  14. Henry Laurens: L’expédition d’Egypte 1798–1801. Paris 1989, S. 210 ff.
  15. A. Hugo, France militaire..., Bd. 3, S. 194

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