Oldowan - Steinwerkzeuge

Oldowan Werkzeuge Oldowan Werkzeuge
vergrößernOben links: Oldowan-Hauwerkzeug, Olduvai-Schlucht (Tansania). Rechts oben: Späroid, Olduvai-Schlucht (Tansania). Unten: Großer Schaber, Olduvai-Schlucht (Tansania). © Nationalmuseum von Tansania
vergrößernOben: Oldowan-Haumesser, Gadeb (Äthiopien). Rechts: Kerngerät aus Horn, Swartkrans (Südafrika). Unten: Knochen-
spitze, Swartkrans (Südafrika). © äthiopisches Nationalmuseum, Transvaal Museum

Die ältesten Zeugnisse von Steintechnologie wurden auf etwa 2,4 Millionen Jahre datiert und stammen aus Gona sowie aus dem Omo-Becken; beides liegt in Äthiopien. Schnittspuren an Tierknochen aus Dikika in Äthiopien, die eindeutig auf Steinwerkzeuge hinweisen, wurden gar auf ein Alter von 3,4 Millionen Jahre datiert und stammen vermutlich von Australopithecus afarensis [1]. Der älteste gemeinsame Fund von Homininenfossilien und Steinwerkzeugen ist 2,3 Millionen Jahre alt: Steinabschläge aus Basalt und Flintstein sowie ein Oberkiefer von Homo aus der Region Makaamitalu in Hadar, Äthiopien.

Die Werkzeuge an diesen FundsteIlen gehören zur Oldowan-Industrie, die in den sechziger Jahren von Mary Leakey aufgrund umfangreicher Ausgrabungen in der Olduvai-Schlucht (Tansania) benannt und definiert wurde. Nebenbei erwähnt ist "Oldowan" die Adjektivform des Wortes Olduvai. Oldowan-Werkzeuge tauchen in den archäologischen Funden aus Ostafrika durchgängig bis vor etwa 1,5 Millionen Jahren auf. Meist schreibt man sie Homo habilis zu, aber auch andere Spezies kommen als Hersteller in Frage, so beispielsweise Homo rudolfensis aus Koobi Fora in Kenia.

In diesen groben Hack- und Schabegeräten sowie in den Steinabschlägen spiegelt sich das Heraufdämmern der menschlichen Kultur wider, und sie dürften auch die ersten persönlichen Besitztümer gewesen sein. Die auffälligsten Artefakte der Oldowan-lndustrie sind einfache, abgeschlagene Steine, die aus Kieseln oder Geröllbrocken hergestellt wurden und meist aus Quarz oder Basalt bestehen.

Mary Leakey beschrieb mehrere Typen solcher Geröllgeräte, von denen nur wenige Stücke abgeschlagen waren, und benannte sie nach der Form oder ihrer mutmaßlichen Funktion. Unter ihnen sind Schlagsteine (oft unbearbeitete Brocken, mit denen Splitter von anderen Steinen abgeschlagen oder Knochen zertrümmert wurden), ein- oder beidseitig bearbeitete Haumesser (Chopper, schwere und leichte Schaber sowie rundliche Sphäroide. Eine ähnliche Kultur, "Entwickeltes Oldowan" genannt, tauchte vor etwa 1,5 Millionen Jahren auf: Sie umfaßt weniger Chopper und zweiflächig behauene Geräte, dafür aber mehr Schaber, Sphäroide und Subsphäroide. Die Artefakte des frühen und entwickelten Oldowan finden sich über lange Zeit hinweg in den archäologischen Funden aus Afrika und überschneiden sich zeitlich in großem Umfang mit dem nachfolgenden Acheuleen.

Der Archäologe Nicholas Toth führt überzeugende Argumente dafür an, dass die Kernsteine des Oldowan kein Endprodukt, sondern ein Mittel zum Zweck waren. Sie dienten als Ausgangsmaterial für die scharfkantigen Steinabschläge, die dann die eigentlichen Werkzeuge zum Aufschneiden toter Tiere waren und zum Durchtrennen der Sehnen bei der Beschaffung von Fleisch und Knochenmark dienten. Auch die seltsam geformten, manchmal in großer Zahl vorhandenen Sphäroide sind möglicherweise kein gewolltes Endprodukt. In Experimenten verwendete man eckige Quarzbrocken als Schlagsteine, mit denen Stücke von anderen Steinen abgeschlagen wurden. Wie sich dabei herausstellte, verwandeln sich die Quarzstücke unter solchen Umständen innerhalb weniger Stunden in Gebilde, die einem Sphäroid ähneln. Demnach kann man annehmen, dass die Schlagsteine von den frühen Homininen immer wieder verwendet und auch mitgenommen wurden.

Während die Sphäroide also wohl ein unbeabsichtigtes Nebenprodukt der Steinbearbeitung waren, tragen andere Oldowan-Werkzeuge die Spuren gezielter Herstellung; so erkennt man die Schlagfläche, auf die der Schlagstein auftraf, oder eine durch die Erschütterung entstandene Verdickung auf der Innenfläche eines Abschlages. Aber im Oldowan wurden die Steine nur mit möglichst geringem Aufwand bearbeitet, ohne dass es für die Herstellung Konventionen und Regeln gab, wie sie in spauml;teren Kulturen deutlich zu erkennen sind. Die grundlegende Abschlagtechnik des Oldowan bestand in harten Schlägen, bei denen ein weicher, runder Stein als Hammer zur Herstellung von Abschlägen diente. Die Bruchfläche an dem ursprünglichen Stein war dann relativ glatt und hatte eine scharfe Kante -und damit war sie die ideale Schlagfläche zum Abschlagen eines zweiten Stückes. Außerdem gab es im Oldowan eine Amboß- Technik, bei der man einen Stein auf eine feste Unterlage legte und dann daraufschlug, und eine doppelseitige Technik, bei der die Stücke von einem Steinkern abgeschlagen wurden, den man vor einen Amboß hielt.

Artikel: 2004, Letztes update: 04.02.2012 um 01:45
[1] Shannon P. McPherron, Zeresenay Alemseged, Curtis W. Marean, Jonathan G. Wynn, Denné Reed, Denis Geraads, René Bobe & Hamdallah A. Béarat. Evidence for stone-tool-assisted consumption of animal tissues before 3.39 million years ago at Dikika, Ethiopia.Nature 466, 857-860 (2010).

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