Letzte Meldung:   Spiel mit dem Feuer – wie Eiszeitjäger das Landschaftsbild Europas prägten   Bereits vor 20.000 Jahren haben Jäger und Sammler möglicherweise gezielt Feuer eingesetzt und damit zur Entstehung des lichten Charakters der eiszeitlichen europäischen Landschaft beigetragen. Das legt eine kürzlich im Fachjournal "PLOS ONE" veröffentlichte Studie nahe, zu deren Autoren auch eine Senckenberg-Wissenschaftlerin gehört. Es wäre einer der frühesten Hinweise auf einen großflächigen Eingriff des Menschen in die natürliche Vegetation seiner Umgebung. Der Befund erklärt, warum Analysen von Sedimenten belegen, dass in der Eiszeit in Europa eine offene Steppenlandschaft vorherrschte, während Veg....

Das Mittelpaläolithikum - Steinwerkzeuge

Das Mittelpaläolithikum

Mittelpaläolithisches Biface aus Le Placard
Mittel-paläolithisches Biface aus Le Placard, Frankreich, in drei verschiedenen Ansichten

Das Mittelpaläolithikum folgt dem Unteren Paläolithikum mit seinen Kulturstufen Oldowan und Acheuléen nach. Vor rund 200.000 Jahren tauchen bei Kapthurin in der Nähe des Baringosees in Kenia erstmals neben großen Levallois-Faustkeilen auch lange, klingen-ähnliche Abschläge auf. Bei Gademotta in Äthiopien sind ähnliche technische Entwicklungen vor etwa 160.000 Jahren zu beobachten. Etwa zur gleichen Zeit erscheinen auch rund um das Mittelmeer und in Westeuropa Industrien mit feinen, langen Abschlägen.

Diese frühen Entwicklungen kündigen bereits eine neue Phase der menschlichen Technik an, die man als Mittleres Paläolithikum (oder Mittelpaläolithikum) bezeichnet. Es wird oft als "archäologisch langweilig" bezeichnet und dauerte bis vor etwa 40 000 Jahren an, als sich mit dem Oberen Paläolithikum (oder Jungpaläolithikum) und dem europäischen Homo sapiens alles änderte. Dies wird jedoch dieser Epoche nicht gerecht, denn auch das Mittelpaläolithikum war in der Tat voll des technischen Wandels.

Moustérien-Spitze aus der Höhle Le Placard, Vilhonneur Charente, Frankreich.

Das Moustérien

Zu den Abschlagindustrien, die im Mittelpaläolithikum fast überall in Europa, Asien und Afrika dominieren, gehört auch das Moustérien (benannt nach Le Moustier in Frankreich, wo man die Überreste eines erwachsenen Neandertalers mit Säugling gefunden hatte), das üblicherweise als die Werkzeugkultur der Neandertaler West-Europas, Nordafrikas und des Nahen Ostens angesehen wird. Allerdings gilt das nicht uneingeschränkt: einige Neandertaler stellten möglicherweise andere Werkzeugtypen her und im Nahen Osten bringt man auch den frühen modernen Menschen - beispielsweise bei den Fundhöhlen Skhul und Qafzeh - mit Moustérien-Werkzeugen in Verbindung.

Die meisten Fundstellen mit Werkzeugen des Moustérien stammen aus der letzten Eiszeit ab etwa 100.000 bis vor 40.000 Jahren, doch so eine Zeitangabe ist eigentlich viel zu spezifisch. Die wichtigsten Merkmale des Moustérien sind nämlich einfache Arbeitsschritte entsprechend der Levallois-Technik, bei denen ein Stein so vorbereitet wurde, dass durch Retuschieren entlang einer oder mehrerer Kanten verschiedene Schaber hergestellt werden konnten. Schaber (die nicht unbedingt zum Schaben verwendet wurden) hatte es bereits seit dem Oldowan gegeben, doch nun wurden sie zu den dominierenden Werkzeugformen, die häufig nach-retuschiert und nach-geschärft wurden. Ein anderes charakteristisches Werkzeug, die sogenannte Moustérien-Spitze, ist weit weniger verbreitet als diese Schaber, ebenso wie die übrigen spezialisierten Faustkeile.

Die "Middle Stone Age" in Afrika und Asien

Spitze aus der Middle Stone Age aus Silcrete (erhärtete Kieselsäure), Blombos Höhle (Schicht M1), Südafrika

In Afrika und weiten Teilen Asiens fasst man die dem Moustérien Europas entsprechenden Industrien zur "Middle Stone Age" zusammen, eine Bezeichnung, die auch im deutschen Sprachraum Anwendung findet. Dieser allgemein gebräuchliche Begriff steht für vielfältige Werkzeugtypen, die im Zeitraum ab etwa 150.000 Jahren bis vor vielleicht 20.000 oder 10.000 Jahren vorherrschen. Die Industrien bedienen sich ebenfalls der Abschlagtechnik, doch das Augenmerk liegt in der Regel nicht so sehr auf der Herstellung von Schabern, wie im Moustérien.

Viele der afrikanischen Industrien beinhalten leicht behauene Abschläge und die frühen Stadien einer Abschlag-Klingentechnik, wie beispielsweise im Vor-Aurignacien des Fundortes Haua Fteah in Libyen und entlang des Orange Rivers in Südafrika. In der Middle Stone Age gibt es viele regionale Varianten. In Zentral- und Westafrika findet man manchmal sehr schwere Werkzeuge, wie in der Sangoan-Industrie bei den Kalambo Wasserfällen. Auch die Lupemban-Industrdie von Angola beinhaltet lange schwere Pickel. Andererseits findet man in weiten Teilen Afrikas kleine, fein geformte bifaciale Spitzen, wie bei Stillbay, Pietersburg und Bambata im südlichen Afrika. Entlang des Nils gibt es eine Vielzahl von Industrien, die mit der Levallois-Technik auch kleine Kiesel bearbeiteten, beispielsweise in der Halfan-Industrie.

Im nordwestlichen Afrika gab es eine Industrie, genannt Atérien-Kultur, die in die Zeit vor 100.000 bis 75.000 Jahren fallen dürfte. Einige der Stücke lassen vermuten, dass diese Werkzeuge Griffe hatten, denn sie wurden zwar nach der traditionellen Levallois-Technik hergestellt, auffällig ist jedoch ein viereckiger Zapfen am Hinterende. Zwar gibt es keine direkten Beweise, doch scheint es wahrscheinlich, dass die Zapfen der Befestigung an einem Pfeil oder Speer dienten und viele der kleinen Spitzen Projektile sind. Diese Neuerung wurde im oberen Paläolithikum beträchtlich weiterentwickelt. Ebenfalls aus dem Atérien stammen Miniatur-Werkzeuge (Mikrolithe), die man an der Fundstelle von Klasies River Mouth an der Südküste Südafrikas fand. Einige von ihnen könnten älter als 60.000 Jahre sein.

Im Allgemeinen ist es so, dass Artefakte aus der Middle Stone Age Asiens kaum bekannt sind. Moustérien-ähnliche Werkzeugsammlungen stammen aus dem Irak und dem Iran, sowie aus Afghanistan und dem sehr weit östlich gelegenen Baikalsee in Sibirien. Weiter in Richtung Südasien werden die Industrien manchmal als 'Mousteroid' bezeichnet, gehören aber im klassischen Sinne nicht zum Moustérien. Auf der indischen Halbinsel gibt es eine weit verbreitete Industrie - datiert auf rund 40.000 bis 20.000 Jahre - die durch eingekerbte Schaber (retuschierte Abschläge mit mehreren tiefen Einbuchtungen) und Denticulates (Abschläge mit gezackten Kanten), sowie durch Seitenschaber gekennzeichnet ist. Die Levallois-Technik wurde hier auf den Rohstoff Quarz angewendet. In einigen Regionen wurden schwere Werkzeuge gefunden. In Südostasien und China gab es ebenfalls Abschlagindustrien, aber nur wenige Fundstellen sind datiert worden.